Wirtschaftsförderung will mehr Hausärzte aufs Land locken

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Eine eigene Hausarztpraxis auf dem Land zu übernehmen, das ist für viel zu wenige junge Mediziner attraktiv.

Kreis Soest - Der Anteil von Menschen in Topform hält sich in den Wartezimmern von Ärzten naturgemäß in Grenzen: Umso wichtiger ist es, dass medizinische Hilfe möglichst nah ist. Gerade im ländlichen Raum aber wird die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung immer schwieriger. Weil das nicht nur eine Frage der Lebensqualität, sondern auch ein Standortfaktor ist, hat sich die Wirtschaftsförderung des Kreises vor einem knappen Jahr dieses Themas angenommen – und das Projekt „Arztlotse“ gestartet.

Während die Praxis ihres Hausarztes für die allermeisten Patienten gar nicht nah genug sein kann, denkt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), zuständig für die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in ihrem Einzugsgebiet, eher in größeren Einheiten, den sogenannten „Mittelbereichen“. Im Falle des Kreisgebietes sind das fünf – der Versorgungsgrad, also die Einschätzung, ob es genügend Ärzte für die Bürger gibt, wird für diese Mittelbereiche bestimmt, nicht für einzelne Kommunen.

So bilden Soest, Welver, Lippetal, Bad Sassendorf und Möhnesee einen gemeinsamen Mittelbereich, Werl, Wickede und Ense sowie Warstein und Rüthen und Lippstadt, Erwitte und Anröchte sowie Geseke weitere. Stand November 2016 sieht die KVWL in keinem dieser Mittelbereiche eine hausärztliche Unterversorgung – obwohl im Soester Bereich sechs Stellen unbesetzt sind, im Werler 3,5 und im Warsteiner 3,0.

Um zu verhindern, dass sich diese Situation fühlbar verschlimmert, wollen Tim Nolte und Markus Helms, die den „Arztlotse“ betreuen, in drei Schritten vorankommen. Unter der Überschrift „Ansprache“ geht es darum, von Schülern über Medizinstudenten bis zu Ärzten in der praktischen Ausbildung möglichst frühzeitig mit potenziellen „Kandidaten“ für eine Niederlassung ins Gespräch zu kommen.

In einem zweiten Themenbereich geht es um die Entwicklung von möglichen Konzepten, und zwar gemeinsam mit den Entscheidern in den Kommunen, wie Medizinern die Niederlassung dort „schmackhaft“ gemacht werden kann. Und im dritten geht es um die praktische Umsetzung dieser Konzepte – auch hier wieder in enger Abstimmung mit den Kommunen.

„Dort ist das Problem wirklich erkannt worden“, lobt Nolte die bisherige Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung in den Städten und Gemeinden des Kreisgebietes. Natürlich sei klar, dass die Entwicklung nicht „auf Knopfdruck“ aufgehalten werden könne, aber es sollte sehr wohl möglich sein, sie mit innovativen, derzeit vielleicht noch unkonventionellen Lösungen abzumildern.

Einige Stichworte seien dabei, so Markus Helm, die Möglichkeiten der Telemedizin, mehr Gemeinschaftspraxen von niedergelassenen und angestellten Ärzten, „mobile“ Arztpraxen, die in regelmäßigen Abständen Dörfer ansteuern und vieles mehr. „Und wer sagt eigentlich, dass eine Gemeinde nicht auch einen oder mehrere Ärzte einstellen kann, wenn die die Selbstständigkeit scheuen?“ bringt Helms eine weitere Option ins Spiel.

Viel näher liegt aber zunächst eine Umfrage, mit der sich Nolte und Helms bereits in den kommenden Tagen an alle Hausärzte im Kreisgebiet wenden werden. Per Fragebogen werden die Mediziner dort um Auskunft sowohl zur aktuellen Situation in ihren Praxen als auch zu eigenen Perspektiven gebeten.

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