Zur Jahresmitte 2020 / Kostendruck und verändertes Kundenverhalten

Volksbank Hellweg schließt diese sechs ihrer 14 Filialen im Kreis Soest

+
Ihre Filiale im Soester Norden schließt. Um ihren Arbeitsplatz bei der Volksbank müssen sich Joshua Zyprian und Elisabeth Karrie zum Glück nicht sorgen.

Soest – Die Volksbank Hellweg schließt zur Jahresmitte 2020 ihre Filialen in Soest an der Oestinghauser Straße und in der Marktstraße sowie an den Standorten in Niederense, Westönnen, Hirschberg und Sichtigvor.

Die Bank reagiere damit auf Kostendruck und verändertes Kundenverhalten gleichermaßen, sagen ihre beiden Chefs Bernd Wesselbaum und Dr. Andreas Sommer.

Umfassende Beratung und Service soll es künftig in den drei Regionalzentren in Soest (am Jakobitor), in Warstein und in Werl geben. Fünf Beratungsfilialen bleiben in Ense, Körbecke, Belecke, Bad Sassendorf und Welver. 

In Sichtigvor wird ein neuer Selbstbedienungs-Standort aufgebaut; dort stehen nicht nur die einschlägigen Automaten (für Bargeld, Überweisungen, Kontoauszüge), dort gibt es auch Kabinen mit Computern und Scannern, in denen sich Kunden direkt mit den Mitarbeitern der neuen Service-Stelle in Werl telefonisch oder per Videoschalte kurzschließen können. 

Neun Monate vor Stichtag an die Öffentlichkeit

„Natürlich“, so Wesselbaum, gebe es Themen, über die er lieber informieren würde als über Filial-Schließungen. Doch man habe sich entschieden, neun Monate vor dem Stichtag mit der neuen Ausrichtung der Volksbank Hellweg an die Öffentlichkeit zu gehen. 

Bereits am Montagabend sind die Mitarbeiter ins Bild gesetzt worden. Niemand von ihnen, so versichern Wesselbaum und Sommer, „verliert seinen Arbeitsplatz“. 

19 Frauen und Männer betroffen

Sie müssen allerdings den Weg zu anderen Filialen antreten und dort arbeiten. 19 Frauen und Männer in den sechs zu schließenden Filialen sind betroffen; manche auch nur stundenweise, weil sie ohnehin schon an mehreren Standorten gearbeitet haben. 

„Es macht keinen Spaß, vom Netz zu gehen, aber es ist richtig“, sagt Wesselbaum. Man teile die Einschätzung des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, künftig auf eine „Omnikanalbank“ zu setzen, also eine Bank, die mit dem Kunden auf unterschiedlichen Kanälen zu tun bekomme.

Bankgeschäfte haben sich verändert

Der Vorstandsvorsitzende skizzierte das Beispiel eines Kunden, der sich ein Haus kaufen möchte, auf der Internetplattform eine interessante Immobilie gefunden habe, sich am nächsten Tag an Ort und Stelle und mit dem leibhaftigen Bankberater das Objekt ansehe, sodann am Computer das Tool Baufinanzierung aufrufe. 

Zwischendurch, wenn es bei dem Programm haken sollte, kann er den Service-Mitarbeiter am Telefon erreichen. Der Kreditvertrag steht am Ende als Grobentwurf; beim nächsten persönlichen Termin müsse nur noch der Feinschliff erledigt werden, um Hauskauf und Finanzierung abzuschließen. 

Kunde kommt seltener in die Filiale

Im Gegensatz zur Beratung habe sich beim Service der Kunde weitgehend aus den Filialen verabschiedet. Bares, sofern er nicht sowieso per Karte oder Smartphone zahlt, bekomme er zudem nicht nur am Automaten, sondern auch in immer mehr Supermärkten an der Kasse. 

Wesselbaum räumte erneut ein, wie sehr die Volksbank wie alle anderen Kreditinstitute im Land unter Kostendruck stehe. Das klassische Geschäft, Einlagen zu sammeln und damit Kredite auszugeben, sei in Gefahr, seitdem die Europäische Zentralbank die Banken mit Negativzinsen von derzeit 0,4 Prozent für ihre Einlagen überziehe. 

Das stelle nicht nur die gesamte Spar- und Kreditwelt „auf den Kopf“, sondern bedeute auch einen Angriff auf die Altersversorgung vieler Menschen. Der Rat der deutschen Finanzaufsicht, die Banken sollten nicht jammern, sondern ihr Geschäftsmodell ändern, sei geradezu „unverschämt“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare