Breitbandkoordinator im Interview: "Wir investieren sehr viel in Transparenz"

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Der Breitbandausbau geht langsamer als von vielen erhofft.

Kreis Soest – Keiner kennt sich beim Thema öffentlich geförderter Internetausbau in der Region bessser aus als Christoph Hellmann. Der Breitbandkoordinator des Kreises Soest im Interview mit Nico Rading.

Wo genau steht der öffentlich geförderte Breitbandausbau im Kreis Soest derzeit? 

Durch regelmäßige Markterkundungen und in permanenten Gesprächen mit den Telekommunikationsunternehmen haben wir für den gesamten Kreis Soest die aktuell geplante privatwirtschaftliche Versorgung für jedes einzelne Gebäude im Blick. So wissen wir, welche Bereiche vom privatwirtschaftlichen Ausbau ausgespart bleiben und wo wir mit Fördermitteln eingreifen dürfen. Dabei arbeiten alle Kommunen in Kreis Soest eng zusammen. Die möglichen Förderanträge stellen wir dann zentral durch den Kreis Soest. 

Aktuell..? 

Zurzeit arbeiten wir parallel an zwei öffentlich von Bund und Land geförderten Breitbandprojekten. Im dritten Förderaufruf können wir für 7 223 und im sechsten 3 891 Adressen eine zukunftssichere Glasfaserversorgung bis ins Haus realisieren und so eine erhebliche Verbesserung der Breitbandversorgung erreichen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von mehr als 100 Millionen Euro in Glasfaser Infrastruktur im Kreis Soest. Auch Bereiche, die wir nicht direkt versorgen, profitieren von dem geförderten Ausbau. Denn für zukünftige Technologien wird eine hohe Glasfaser-Durchdringung zwingend erforderlich sein. 

Für wann rechnen Sie mit dem Abschluss? 

Der dritte Aufruf befindet sich aktuell im Bau und wird voraussichtlich im Dezember 2020 abgeschlossen sein. Beim sechsten Aufruf stehen wir vor der europaweiten Ausschreibung. Wir rechnen mit dem Start der Baumaßnahmen für Anfang 2020. 

Wer profitiert vom sechsten Call? 

Mit der novellierten Bundesförderung können wir im Kreis Soest rund 3 800 weitere Haushalte, die im dritten Förderaufruf aufgrund der begrenzten Fördergelder nicht berücksichtigt werden konnten. Außerdem erhalten mehr als 1 100 Gewerbebetriebe, 71 Schulstandorte und drei Krankenhäuser einen zukunftssicheren Glasfaser-Hausanschluss.

Welche Fragen stellen die Bürger am häufigsten?

Die häufigste Frage der Bürger lautet: „Wann wird mein Anschluss gebaut?“ Das ist natürlich verständlich, denn die Situation in den Fördergebieten ist wirklich dramatisch. Downloadgeschwindigkeiten von unter 1 Mbit/s sind dort noch üblich. Eine so große zusammenhängende Baumaßnahme hat es im Kreis Soest noch nie gegeben. Sie umfasst über 600 Kilometer Tiefbau im dritten Aufruf und weit über 1 000 Kilometer im sechsten. Das ist natürlich nicht in drei Monaten zu bewältigen. Obwohl die Förderung sehr komplex ist und verschiedenste Richtlinien sowie Beihilfe-, Vergabe- und EU-Recht berücksichtigt werden müssen, gehören wir mit unseren Anträgen deutschlandweit zu den Ersten, die erfolgreich waren. Wir investieren sehr viel Energie in Information und Transparenz, doch die Ungeduld ist natürlich sehr hoch.

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