Trauerbegleitung

Nach einem Sterbefall: Einfach "da sein" hilft

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Trauerbegleiterin Stefanie Rosenwick macht Mut, Trauernde anzusprechen.

Kreis Soest - Stefanie Rosenwick begleitet und macht Mut, selbst aktiv zu werden: Trauernde wollen wahr und ernst genommen werden.  

In der „fröhlichen“ Weihnachtszeit und mit dem knatterlauten Jahreswechsel kommen vielen Menschen auch die Gedanken an diejenigen, die nicht mehr dabei sind. Und: Mit den Erinnerungen an vergangene Feste und dem Gedenken an geliebte Verstorbene stellt sich auch die eigene Vergänglichkeit ins Blickfeld. Mit dem Tod bekommt man das Leben geschenkt. Doch eine tiefer gehende Beschäftigung mit diesem Thema verschiebt man gern „auf später“. Und dann sieht man sich eines Tages unfreiwillig mit dem Tod, mit dem Sterben konfrontiert – weil jemand, der einem nahe steht, ernsthaft erkrankt oder plötzlich stirbt, oder wenn ein Kind, das freudig erwartet wird, nicht geboren werden kann. 

Gerade in einer Zeit, in der Familie und Gemeinschaft ein große Rolle spielen, schmerzen die Lücken, die der Tod reißt. „Die Zeit heilt nicht alle Wunden“, sagt die ausgebildete Trauerbegleiterin Stefanie Rosenwick, die als Pastoralreferentin in Lippetal sehr nah mit den Freuden und Leiden der Menschen in Kontakt kommt, „Die Zeit verändert die Trauer. Aber selbst nach vielen Jahren kann es geschehen, dass eine plötzlich auftauchende Erinnerung an jemanden, der einem nahe gestanden hat, sehr weh tut. Das ist so.“ 

 20 Jahre Trauerbegleiterin

Seit knapp 20 Jahren ist Stefanie Rosenwick als Trauerbegleiterin aktiv und sieht, wie sich die Veränderungen im menschlichen Miteinander auch auf das Verhalten gegenüber Trauernden ausgewirkt hat. Früher wurden Tote zuhause aufgebahrt. Verwandte, Bekannte, Nachbarn kamen, besuchten die Familie, um ihr Beileid zu bekunden. Gefühle wurden gelebt und gesehen, Gespräche wurden geführt. Angehörigen konnten sich „den Kummer von der Seele reden“, Die Umgebung wusste, da ist jemand „in Trauer“ und nahm Rücksicht – nicht in Form von Flucht, sondern in Form von Dasein und Zuhören. 

Emotionen aushalten

Inzwischen trauen sich viele Menschen kaum noch zu, solche Emotionen aushalten zu können. „Viele wissen nicht, was sie sagen sollen, wenn sie jemandem begegnen, der einen schmerzhaften Verlust erlitten hat. Dabei hilft am besten, einfach da zu sein“, sagt Stefanie Rosenwick. „Trauer braucht Raum, Bestätigung, Erlaubnis, Gemeinschaft. Es ist wichtig, dass Trauernde sich nicht allein gelassen fühlen und merken, dass sie ernst genommen werden. Das heißt aber nicht, dass jeder Trauernde eine Gruppe braucht, in der Trauer regelmäßig zum Thema gemacht wird. Viele finden auch ohne Anleitung zurück in ein freudvolles Leben. Es geht darum, zu lernen, ohne den Verstorbenen weiter zu leben. Da macht jeder seine ganz individuellen Erfahrungen, geht ganz individuelle Wege.“ 

Zu "Unzeiten" sterben

Viel zu früh gegangen Der Verlust der alt gewordenen Eltern ist für die meisten der erste Kontakt mit dem Tod. Doch manche Menschen sterben „viel zu früh“, in der „Mitte des Lebens“, gar am Anfang des Erwachsenseins. Besonders schmerzhaft ist es, wenn Eltern ihre Kinder beerdigen müssen, oder Kinder, die sehnlichst erwartet werden, nicht lebend zur Welt kommen. „Wir nennen das ,zu Unzeiten sterben’, wenn Eltern am Grab ihres kleinen Kindes stehen müssen“, erklärt Stefanie Rosenwick, „dann sind wir als Kirche sehr gefragt und gefordert, Hoffnung zu vermitteln und deutlich zu machen, dass Gott stärker ist als der Tod.“

Hoffnung vermitteln

„Wenn Eltern am Grab ihres kleinen Kindes stehen, sind wir als Kirche gefordert, Hoffnung zu vermitteln“ Sie weiß, dass ein solcher Verlust nicht schön geredet werden kann und darf, und befürwortet die Angebote, auch Ungeborene zu verabschieden, gemeinsam zu betrauern (siehe die Info-Boxen). Auch zum Thema Suizid hat sie schon Seminare geleitet. Gerade nach einer Selbsttötung bleiben Angehörige und Freunde mit vielen ungelösten, oft unlösbaren Fragen. „Jeder einzelne Trauernde muss ernst genommen werden“, sagt Stefanie Rosenwick. Das muss nicht von ausgebildeten Trauerbegleitern geschehen. Das kann jeder sein, der in der Nähe ist. „Niemand muss Angst haben, einem Trauerden zu begegnen und ihm ein Angebot zu machen. Ich kann das genau so äußern: ,Ich hab keine Worte, aber ich hab hier einen Kuchen für dich.’ Das wäre ein Anfang.“

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