118 bis 180 Kilometer pro Stunde

Es waren Tornados: Wetterexperten bestätigen seltenes Ereignis im Kreis Soest

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Ein Tornado in Norddeutschland im Jahr 2015 (Symbolbild).

Lippetal/Lippstadt - Tornados in Deutschland sind längst keine Seltenheit mehr. Im vergangenen Jahr wurden 17 Tornados bestätigt. Zwei Fälle auch im Kreis Soest.

Am 18. Januar 2018 tobte Orkantief Friederike über dem Kreis Soest. Doch zwei Tage vorher wütete bereits ein Wirbelsturm - in Lippetal-Schoneberg und einige Kilometer weiter östlich in Lippstadt. Zu diesem Ergebnis kommt das European Severe Storms Laboratory (ESSL), eine gemeinnützige Unwetterforschungsorganisation.

Die von ihr betriebene Unwetterdatenbank ESWD listet für das vergangene Jahr 17 Tornados in Deutschland auf - zwei Einträge entfallen auf den Kreis Soest.

Eine Quelle für die Dokumentation der Unwetter-Experten waren Bilder und ein Artikel des Soester Anzeigers.

Tornado im Lippetal

Tornado im Lippetal

In dem Bericht heißt es: "Unterwegs sog [der Tornado] Dachziegel von den Häusern und brach Äste und ganze Bäume ab. Und dann näherte er sich dem Frischenweg in der Schoneberger Heide, wo Gertrud Kohlhage noch ahnungslos in der Küche weilte. Ein paar Minuten später war die Scheune dem Erdboden gleich gemacht. Die massive Scheune mit rund 400 Quadratmetern Grundfläche wurde von dem Tornado gepackt, geschüttelt, angehoben und fallen gelassen... Danach blieb nur noch ein unsortiertes Trümmerfeld aus Wänden, Ziegeln und Dachbalken übrig. Der 25 Jahre alte silberne Volvo von Gertrud Kohlhage wurde vor der Scheune noch schwer beschädigt, ein Wohnmobil, das daneben stand sowie der grüne Toyota ihres Mannes blieben heil."

Der Schadensbereich des Tornados in Schoneberg war etwa 900 Meter lang und nur wenige Meter breit. Er hinterließ großen Sachschaden, aber keine Verletzten.

Der Tornado in Lippstadt, der auf einer Strecke von 500 Metern wütete, deckte im Gewerbegebiet am Wasserturm das Dach einer 500 Quadratmeter großen Halle ab und sorgte für einen Schaden im sechsstelligen Bereich. Ein Baum fiel auf ein Auto. Dieses Radarbild zeigt den Tornado im Lippstadt

Laut ESWD handelte es sich bei dem Wirbelsturm im Kreis Soest um einen Tornado der Kategorie F1. Das ist die zweitniedrigste Stufe auf der sogenannten Fujita-Skala, in die die Tornados eingeordnet werden.  

Bei einem F1-Ereignis werden Windgeschwindigkeiten von 118 bis 180 Kilometer pro Stunde erreicht. Wellblech und Dachziegel werden abgehoben und Wohnmobile umgeworfen.

Fahrende Pkw können verschoben werden. Der stärkste jemals gemessene Tornado wurde am 3. Mai 1999 in Oklahoma beobachtet. Er erreichte eine Windgeschwindigkeit von 529 km/h. Der stärkste Tornado 2018 in Deutschland wurde am 16. Mai in Viersen gemessen. Er hatte eine Stärke der Kategorie F2 (181 bis 253 km/h) und richtete erhebliche Schäden an.

Aus der Klassifizierung auf der Torro-Skala wird ersichtlich, dass der Tornado in Schoneberg ("T3": 149 bis 184 km/h) stärker wirbelte als in Lippstadt ("T2": 117 bis 148 km/h). 

Die 17 Tornados in Deutschland 2018

3. Januar: Neuhütten, Bayern, Kategorie F2, 3,5 Kilometer Länge. 

16. Januar: Schoneberg (Gemeinde Lippetal, Kreis Soest): Kategorie F1, 900 Meter Länge.  Hier geht es zur Bildergalerie.

16. Januar: Lippstadt, Kreis Soest, Kategorie F1, 500 Meter Länge. 

8. März: Hamminkeln, NRW, keine Kategorie, 700 Meter. 

5. April: Wolfen, Sachsen-Anhalt, Kategorie F0, 1,8 Kilometer Länge. 

16. Mai: Boisheim, Viersen, NRW, Kategorie F2, 5,4 Kilometer Länge.

24. Mai: Großen-Linden, Hessen, keine Kategorie, keine Angaben zur Länge. 

12. Juni: Bissingen, Bayern, keine Kategorie, keine Angabe zur Länge. 

14. Juni: Stöttham, Bayern, Tornado überm Chiemsee, keine Angaben zur Länge. 

13. August: Rärin, Gemeinde Herscheid, Kategorie F1, keine Angaben zur Länge. 

25. August: Bad Freienwalde (Brandenburg) über Land, zwei Tornados im Ostseebad Prerow, Ostseebad Kühlungsborn, Darßer Ort (alle Mecklenburg-Vorpommern), List auf Sylt über Wasser. 

23. September: Niederdorf bei Stollberg, Sachsen, keine Kategorie, 600 Meter Länge.

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