Der gefährliche Verzicht auf Schutzkleidung

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Soest - Die Wildschweinjagd steht derzeit auch im Kreis Soest auf dem Plan. Der tödliche Unfall nahe Greifswald, bei dem ein angeschossener Keiler einen Jäger tödlich verletzte, ist hier natürlich auch ein Thema. „Doch“, sagt der Vorsitzender der Kreisjägerschaft Jürgen Schulte-Derne, „so bedauerlich das ist. Das kommt leider immer wieder vor. Es gibt Schutzkleidung, ähnlich die der Schnittschutzhosen für Menschen, die an der Motorsäge arbeiten. Aber die wird selten tatsächlich getragen."

"Die Hauer (Eckzähne im Unterkiefer) eines Keilers sind enorm gefährlich“, sagt Schulte-Derne. Über die Notwendigkeit der Bejagung von Schwarzwild wird in der Kreisjägerschaft Soest nicht diskutiert. Sie liegt auf der Hand, sagt Jürgen Schulte-Derne: „Das Schwarzwild hat sich in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Die letzten Winter waren eigentlich keine, so dass die Frischlinge ohne Probleme aufwachsen konnten. Dazu kommt ein hervorragendes Nahrungsangebot. Selbst auf untergepflügten Maisfeldern finden die Tiere noch reichlich Futter. Es gibt keine ,natürlichen Feinde’, noch nicht einmal tiefen Frost, der die Tiere dezimieren würde. Und weil die Bachen inzwischen das gesamte Jahr über Frischlinge werfen, wird es immer schwieriger, Wildschweine zu bejagen.“ 

Muttertiere, sogenannte „führende Bachen“ dürfen nicht erlegt werden. Das schreibt das Landesjagdgesetzt vor. Wer versehentlich ein solches Tier zur Strecke bringt, wird bestraft. „Kein Jäger schießt ohne Not auf ein Muttertier. Das kann keiner von uns mit seinem Gewissen vereinbaren. Man schießt den Jungen die Mutter nicht weg.“ 

Wer den Bestand vermindern will, muss also Jungtiere treffen. Doch wegen der günstigen Witterung haben selbst Tiere, die noch nicht einmal ein Jahr alt sind, häufig schon Nachwuchs. So werden die Tiere, die geschossen werden sollten und dürften, immer jünger – und kleiner. 

Da verantwortungsvolle Jäger erst dann abdrücken, wenn sie sich ihrer Sache sicher sind, ist die Abschussquote längst nicht so hoch, wie das Landesjagdgesetz es eigentlich vorschreibt. „Bei den Frischlingen sollen laut Ministerium 80 Prozent rausgenommen werden. Es gibt aber viele Kollegen, die feststellen: ,Die schieß’ ich nicht!’ “ 

Doch eine Regulierung ist wichtig. Besonders angesichts der von Osten her vorrückenden afrikanischen Schweinepest, die von Wildschweinen übertragen werden kann. (Bei der akuten Form sterben 90 Prozent der infizierten Tiere. Es gibt keinen Impfstoff.) Die Krankheit tauchte zuletzt auch in Tschechien und Polen auf.

„Die Landwirte, die mit Hausschweinen arbeiten, sind in großer Sorge“, weiß Schulte-Derne. Wenn die Schweinepest in Deutschland auftaucht, muss gekeult werden, was bedeutet, das vorsorglich auch gesunde Schweine getötet und entsorgt werden müssen. Was die Afrikanische Schweinepest für die wilden Schweine in deutschen Wäldern bedeutet: Dezimierung gegen Null. 

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