Was sich die Kontrolleure anhören müssen..

Blitzlicht-Gewitter auf den Straßen im Kreis Soest - die Schwerpunkte

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Soest - Man könnte es glatt als Dauergewitter bezeichnen. Drei Millionen Mal blitzt es auf Deutschlands Straßen jedes Jahr. Im Kreis Soest beteiligen sich gleich drei Behörden an den elektronischen Tempokontrollen: Die Polizei, der Kreis und die Stadt Lippstadt.

Manchmal wirkt es, als würden ausländische Mächte wie "E.T." blitzen.

Sie alle haben ihr eigenes Equipment und halten tagtäglich Ausschau nach Rasern, die durch Knöllchen, Bußgelder, Punkte und Führerscheinentzug den Fuß vom Gas nehmen sollen. Während die Polizei heute hier und morgen dort kontrolliert und die Teams in den Streifenwagen mit Laserpistolen höchst spontan mal solche Messungen in ihren Dienstplan einbauen können, unterhält der Kreis (neben zwei mobilen Messteams) 13 stationäre Blitzer, die sogenannten Starenkästen. 

Neun dieser Alt-Geräte sind noch im Einsatz, vier sind bereits durch moderne Laser-Säulen ersetzt worden. In der Stadt Soest steht kein einziger dieser Messpfosten. Wer aber über Land fährt, findet sie gleich auf der Ost-Umgehung (B 475) vor dem Abzweig zum Weslarner Weg, in Lohne an der alten B1 und in Oestinghausen und Hultrop. „Nach und nach wollen wir alle Messstellen auf die modernen Säulen umrüsten“, sagt Anne Hauschild, die Leiterin Verkehrssicherheit beim Kreis Soest. Die Säulen bieten nämlich verschiedene Vorzüge: 

- Sie können in beiden Richtungen messen; 

- sie erkennen Silhouetten und „wissen“, ob hier etwa ein Lastwagen mit Extra-Tempolimit vorbeifährt oder ein Pkw; 

- sie arbeiten mit Lasertechnik und sind weniger störanfällig als ihre Vorgänger. 

Die Kameratechnik in den grünen Starenkästen hat sich über all die Jahrzehnte zwar ebenfalls als zuverlässig erwiesen. Doch die Messdaten holen sich die Starenkästen aus Induktionsschleifen, die im Straßenasphalt stecken. „Jedes Jahr schaut das Eichamt vorbei und prüft, ob noch alles in Ordnung ist“, berichtet Hauschild. Bei den vielen Straßenschäden sei das eben nicht immer der Fall. Den Kontrolleuren bleibe nur die Wahl geblieben: (auf eigene Kosten) die Fahrbahndecke zu sanieren oder den Blitzer abzuschalten. Nichts von beidem überzeugt aber auf Dauer. 

Mit neuen Fotos: Kuriose Blitzer-Bilder - Die verrücktesten Radarfotos

Die zwei mobilen Messteams des Kreises haben bis zu 350 Kontrollpunkte auf ihrer Liste. Die wird immer wieder aktualisiert, berichtet Hauschild. Denn manche Brennpunkte erledigen sich auch eines Tages. Schließlich bekommen auch die Straßenbaubehörden die Messprotokolle und ziehen ihrerseits irgendwann daraus Konsequenzen. „Radarmessungen wirken nämlich nur kurzfristig, das beste Mittel, wirksame Tempodrosselung zu erzielen, sind bauliche Veränderungen.“ 

Noch bevor der erste Blitz zuckt, prüft der Kreis, ob hier überhaupt Kontrollen sinnvoll und nötig sind, um am Ende mehr Sicherheit schaffen zu können. „Vorab erstellen wir Geschwindigkeitsprotokolle“, so Hauschild. Kleine graue Kästen am Straßenrand werden montiert, die Tag und Nacht messen, ohne dabei gleich die überschnellen Autofahrer zur Kasse zu bitten. 

Alles wird ausgewertet und dokumentiert – schon des Selbstschutzes wegen. „Die Klage-Mentalität nimmt zu.“ Auch die Wortwahl auf der Straße wird heftiger. Nicht selten, so Hauschild, reagieren ertappte Temposünder gereizt bis aggressiv. „Unsere Mitarbeiter hören sich Beschimpfungen der untersten Sohle an.“ 

Deshalb haben die Mitarbeiter, bevor sie auf die Straße ausrücken, bereits ein Deeskalationstraining hinter sich. Und sie haben Visitenkarten von ihrer Sachgebietsleiterin dabei. Gerät das Wortgefecht außer Kontrolle, geben sie den aufgebrachten Autofahrern Name und Nummer ihrer Chefin, um an der richtigen Stelle Dampf ablassen zu können. 

Schwerpunkte in Soest

101 Messstellen hat sich der Kreis Soest mit seinen Radarwagen dieses Jahr vorgenommen. Im Stadtgebiet Soest haben sich dabei fünf Brennpunkte ergeben, wo immer wieder und häufiger als andernorts zu schnell gefahren wird:

- auf der Werler Landstraße am Ortsausgang im Soester Westen bei Kaufland 

- am Opmünder Weg in Höhe der Langen Wende (Ortsausgang Richtung Opmünden) 

- am Hattroper Weg im Bereich der Blindenschule J auf der Lippstädter Straße nahe des Sportplatzes 

- in Deiringsen vor der Schulbus-Haltestelle in der Alten Dorfstraße. All diese Kontrollstellen, so sagt Anne Hauschild vom Sachgebiet Verkehrssicherheit beim Kreis, gelten als unfallkritische Stellen, an denen „deutlich zu schnell“ gefahren wird. 

Beispiel Ortsausfahrt bei Kaufland: Wer die letzte Ampel am Senator-Schwartz-Ring passiert hat, wähnt sich bereits auf der freien Tempo-100-Strecke in Richtung Ampen. Doch hinter der Ampel liegt auf der rechten Seite noch eine Wohnsiedlung und ein paar hundert Meter weiter gibt es sogar einen Fußgängerüberweg über die Straße. 

Tempo 50 an dieser Stelle ist also schon im Interesse der Sicherheit für die Fußgänger mehr als vernünftig, erläutern die Fachleute.

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