Verwüstungen im Wald - und was daraus wurde

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So sah es in Möhnesee wenige Tage nach dem schlimmen Orkan aus. 

Kreis Soest - Bäume knickten wie Streichhölzer um, in exponierten Lagen lagen ganze Waldstriche am Boden. Vor allem Fichtenbestände waren stark betroffen, und auch im Arnsberger Wald und rund um den Möhnesee richtete der Orkan „Kyrill“ heute vor zehn Jahren große Schäden an.

Heute ist das Gröbste aufgearbeitet, zudem hatte der Orkan insofern ein Gutes, dass er einen Anstoß weg von den reinen Fichtenwäldern hin zu zu einer größeren Vielfalt der Baumarten gab. 

Am 18. und 19. Januar 2007, also heute vor zehn Jahren, zog der Megasturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 225 Kilometern pro Stunde über Europa hinweg, dabei hinterließ Kyrill auch in den heimischen Wäldern Schäden, die teils bis heute nachwirken. Schätzungen zufolge wurden allein in Nordrhein-Westfalen 25 Millionen Bäume zu Boden geworfen. 

Der Ruhrverband, mit mehr als 3 000 Hektar einer der größten Waldbesitzer des Landes, musste als Folge des verheerenden Sturms nahezu ein Achtel seiner Waldflächen, also etwa 375 Hektar, wieder aufforsten. Das berichtete der Ruhrverband anlässlich des Jahrestages „Zehn Jahre Kyrill“. Für die heimische Region kann Diplom-Forstwirt Edgar Rüther vom Regionalforstamt Soest-Sauerland mit Sitz in Rüthen die Dimensionen verdeutlichen. 

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Im Bereich der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Möhnesee mit insgesamt rund 2 400 Hektar Fläche wurden durch Kyrill rund 200 Hektar Fläche geschädigt, 61 000 Festmeter Holz galt es aus den Windbruchflächen zu holen und aufzuarbeiten. Im Bereich der Forstbetriebsgemeinschaft Allagen-Sichtigvor mit einer Gesamtfläche von 2 000 Hektar waren es rund 60 000 Festmeter. 

In den Städten Warstein und Rüthen kam es zu 1 000 bzw. 750 Hektar Windbruch, entsprechend 300 000 bzw. 200 000 Festmeter Holz. Mit einem Anteil der Sturmholzflächen von etwa 10 Prozent an der Gesamtfläche sind die Forstbetriebsgemeinschaften in Möhnesee oder Allagen-Sichtigvor allerdings noch relativ glimpflich davon gekommen, im Gegensatz zu anderen Regionen im Sauerland, wo Kyrill bis zu 20 Prozent der Forstflächen zu Sturmholz verarbeitet hatte.

Allein im damaligen Forstamt Meschede habe der Orkan rund 1,3 Millionen Festmeter Schadholz hinterlassen, berichtet Forstwirt Rüther. Auch die Regionen um Brilon oder Sundern waren in der näheren Umgebung deutlich stärker betroffen. Reinhard Klöne, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Möhnesee mit etwa 120 Mitgliedern, teilt diese Einschätzung. Aufgrund der Randlage seien die hiesigen Waldflächen weniger stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Dennoch mussten auch in der hiesigen Region die Waldbauern und Förster entschieden handeln. 

Kyrills Schäden im Kreis Soest

Zum einen galt es, das Sturmholz möglichst schnell aus den Wäldern heraus zu holen, um die Ausbreitung des Borkenkäfers einigermaßen wirkungsvoll einzudämmen. Manchem sind die riesigen Nasslager in Belecke, Völlinghausen oder Günne noch präsent. Rund drei Jahre dauerte es, bis beispielsweise das Nasslager in Günne geräumt war, nachdem die letzten Stämme verkauft und in die Sägewerke transportiert worden waren. 

Anders als andere Forstregionen in NRW waren die heimischen Waldbauern allerdings nicht von dem umstrittenen Vertrag des Landes mit der Klausner-Gruppe betroffen. Die Vermarktung über den österreichischen Holzkonzern sei den Forstbetriebsgemeinschaften zwar als Option angeboten aber nicht genutzt worden, so Rüther. Deshalb habe es für die heimischen Sägewerke auch keine Engpässe gegeben.

Was der Orkan alles anrichtete

Das Unheil des Orkans Kyrill kam mit Ankündigung. Deshalb hatte das NRW-Schulministerium den Nachmittagsunterricht am 18. Januar 2007 abgesagt, um den Schülern eine sichere Heimfahrt vor dem Eintreffen des Sturms zu ermöglichen. 

Ebenso wurden Veranstaltungen unterschiedlichster Art abgesagt. Europaweit forderte der Sturm 47 Todesopfer, allein in Deutschland kamen 13 Menschen direkt durch die Folgen des Sturms ums Leben. Hinzu kamen weitere Opfer im Zuge der Aufräumarbeiten in den Wäldern. 

Wie der Soester Anzeiger am 12. Januar 2008 bilanzierte, starben allein in den Wäldern Nordrhein-Westfalens weitere sechs Menschen, hinzu kamen zahlreiche Unfälle mit Verletzten. Die Aufräumarbeiten im Forst waren besonders gefährlich, da die umgestürzten Bäume kreuz und quer durcheinander lagen und die Stämme oft unter Spannung standen. Zerstörungen richtete der Sturm im Kreis Soest abgesehen vom Arnsberger Wald eher punktuell an. 

In Welver schredderte Kyrill eine ganze Scheune, zudem stürzte hier ein Baum neben ein Wohnhaus. Im Kurpark von Bad Sassendorf warf der Orkan mehrere Bäume um, einer verfehlte nur knapp das Café Brunnenhaus. Die Schützenhalle Delecke wurde durch eine umgestürzte Kastanie stark beschädigt. Die Beseitigung dieser Schäden zog sich teils mehrere Monate hin.

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