Rettungsdienst-Belegschaft verstärkt

Silvester im Kreis Soest: Feuerwerk ist überall erlaubt - doch es gibt einen dringenden Appell

So bunt wie zu den vergangenen Jahreswechseln wird der Himmel in diesem Jahr wohl nicht
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So bunt wie zu den vergangenen Jahreswechseln wird der Himmel in diesem Jahr wohl nicht

Die Städte und Gemeinden im Kreis Soest verzichten auf Böller-Verbotszonen zum Jahreswechsel. Doch es gibt dringende Appelle an die Vernunft.

Kreis Soest – Ein Jahr voller neuer Regeln geht zu Ende. Doch auch in der Silvesternacht gelten Corona-bedingt strikte Vorschriften. Der Jahreswechsel wird stiller als in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten.

In den eigenen vier Wänden sind Partys untersagt, jedoch sind Treffen mit Freunden oder der Familie an Silvester in Privaträumen nicht durch eine Gästezahl begrenzt. Jedoch gibt es die eindeutige Empfehlung, Kontakte auch im privaten Bereich auf das Nötigste zu beschränken. Im öffentlichen Raum hingegen dürfen sich maximal fünf Personen aus zwei Haushalten zusammen aufhalten. Unter 14-Jährige werden nicht mitgezählt.

Silvester im Kreis Soest: Auch an öffentlichen Plätzen ist Feuerwerk erlaubt

Auf diese Regel sollten vor allem diejenigen achten, die zur Begrüßung des neuen Jahres und zur Vertreibung der Geister aus 2020 ein Silvester-Feuerwerk abbrennen möchten. Das ist nämlich in allen Städten und Kommunen des Kreises Soest erlaubt – auch an öffentlichen Plätzen außerhalb des eigenen Grundstücks.

„Es gibt keine ausgewiesene Verbotszone“, berichtete beispielsweise Brigitte Sliwa von der Stadt Soest. Sie betonte: „Wir rechnen nicht damit, dass weiß Gott wie geböllert wird. Die letzten Tage haben gezeigt, dass die Soester zurückhaltend sind und sich an die Corona-Schutzverordnung halten.“ Das Ordnungsamt wird dennoch unterwegs sein, um zu kontrollieren, ob die Regeln tatsächlich befolgt werden.

Silvester im Kreis Soest: „Wir setzen auf die Vernunft der Leute“

Auch Torben Höbrink, Bürgermeister der Stadt Werl, erklärte: „Wir setzen auf die Vernunft der Leute. Es sollten hoffentlich alle begriffen haben, dass sie sich nicht zum Böllern zusammenrotten dürfen.“ Die Bürgermeister aller Städte und Gemeinden im Kreis Soest waren sich einig, dass Verbotszonen, in denen nicht geböllert werden darf, in dieser Gegend nur wenig Sinn ergeben: Das Land Nordrhein-Westfalen hatte den Städten und Kommunen in der Corona-Schutzverordnung die Möglichkeit eingeräumt, solche Zonen zu bestimmen. „Doch dabei ist wohl eher an Orte wie den Kölner Domplatz gedacht worden“, so Höbrink.

In Großstädten, in denen es in den vergangenen Jahren schon große Menschenansammlungen an einem Ort gegeben hatte, wäre ein solches Verbot sinnvoll. „In eher ländlichen Strukturen wie hier erübrigt sich das“, sagte Höbrink. Verbotszonen würden in seinen Augen eher die Gefahr eines „Verdrängungswettbewerbs“ mit sich bringen. „Dann würden sich die eben Leute woanders treffen.“ So betonte er noch einmal den Appell an die Vernunft jedes Einzelnen. Zudem können aufgrund des Verkaufsverbots sowieso nur Feuerwerks-Restbestände abgefeuert werden: „Die wenigsten dürften solche Restbestände haben. Wir lassen uns überraschen.“

Silvester im Kreis Soest: „Für Corona-Fälle brauchen Krankenhäuser alle denkbaren Kapazitäten“

Die Stadt Warstein erklärte: „Rat und Verwaltung bitten die Bürgerinnen und Bürger, beim kommenden Jahreswechsel auf den Gebrauch von Feuerwerk zu verzichten. Denn alljährlich kommt es zu Verletzungen, die zu einer Inanspruchnahme von Notfallambulanzen führen. Ziel sollte es sein, durch einen freiwilligen Feuerwerksverzicht Engpässe in der medizinischen Versorgung zu vermeiden.“ Weiter betonte die Stadt: „Für etwaige Corona-Fälle brauchen die Krankenhäuser alle denkbaren Kapazitäten.“

Die Stadt Hamm hat in Sachen Silvester-Böllerei klare Kante gezeigt: Dort ist das Abbrennen von Feuerwerk in der Öffentlichkeit ausnahmslos verboten – also auch auf der Straße vor der eigenen Haustür. Ausgenommen ist in diesem Fall nur das eigene Grundstück, zum Beispiel der Garten.

Der Rettungsdienst des Kreises Soest stellt sich indes nicht auf eine ruhigere Nacht ein: „Wir gehen nicht davon aus, dass weniger zu tun ist“, erklärte Matthias Keller, Sprecher des Kreises. Das liege vor allem daran, dass Böller-Verletzungen in den letzten Jahren nur einen verschwindend geringen Anteil der Rettungseinsätze ausgemacht hatten.

Silvester im Kreis Soest: Belegschaft im Rettungsdienst verstärkt

„Wir sind auf alles vorbereitet, für die Nachtstunden wurde die Belegschaft verstärkt – es sind genauso viele Mitarbeiter im Dienst wie im vergangenen Jahr.“

Für Verwirrung sorgten im Zusammenhang mit dem Böller-Verkaufsverbot übrigens Kaufland, Real, Aldi und Co. Sie hatten in ihren Prospekten für den Verkauf von Böllern geworben. So standen in den vergangenen Tagen immer wieder Kunden in den Läden, die erst vor Ort von dem Verkaufsverbot erfuhren. Hintergrund war ein logistisches Problem: Das Verkaufsverbot kam für den Druck der hunderttausenden Prospekte schlicht zu spät. Da auch andere Angebote in den Prospekten beworben werden, kam ein Rückzug nicht infrage.

Freuen dürfte der deutlich Böller-ärmere Jahreswechsel vor allem zwei Parteien: Haustiere, denen ein ruhigeres Silvester bevorsteht und diejenigen, die am Neujahrsmorgen normalerweise damit beschäftigt sind, den ganzen Müll von der Straße zu beseitigen.

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