Bei Inzidenz über 100

Shoppen trotz Notbremse: Kreis Soest will „strengen Lockdown“ verhindern

Was passiert eigentlich, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Soest dauerhaft die 100er-Marke überschreitet? Das beantwortet jetzt der Krisenstab des Kreises.

Kreis Soest - Die vom Kreis Soest selbst errechnete Sieben-Tage-Inzidenz liegt bereits seit einigen Tagen über 100. Der entscheidende, vom Landeszentrum Gesundheit (LZG NRW) errechnete Wert bleibt mit 92,8 aber nach wie vor in einem vergleichsweise „grünen“ Bereich.

Landkreis:Kreis Soest
Landrätin:Eva Irrgang
Bevölkerung:301.902 Einwohner (Stand 2019)

Doch der Krisenstab der Kreisverwaltung erwartet, dass die Inzidenz in Kürze auch nach den maßgeblichen LZG-Berechnungen über 100 liegen und damit die bundesweit vereinbarte „Notbremse“ greifen wird.

Notbremse im Kreis Soest: Antrag auf Testoption beim Land

Während einer Sitzung am Mittwoch (31. März) unter Leitung von Kreisdirektor Lönnecke hat das Gremium deshalb entschieden, für diesen Fall die nordrhein-westfälische Testoption zu nutzen und einen entsprechenden Antrag beim Land zu stellen.

Der Entscheidung vorausgegangen waren eine Abstimmung mit der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern in zwei Telefonkonferenzen sowie ein intensiver Abwägungsprozess.

Die neue Corona-Schutzverordnung des Landes sieht bei einer Inzidenz von mehr als 100 an drei Werktagen in Folge eine Rückkehr zum strengen Lockdown mit einer Kontaktbeschränkung im öffentlichen Raum vor. Jetzt wird der Kreis Soest eine Allgemeinverfügung vorbereiten, nach der es möglich wäre, die derzeitigen Öffnungen trotzdem beizubehalten.

Notbremse im Kreis Soest: Shoppen nur mit negativem Test

Voraussetzung ist jedoch, dass Kunden oder Besucher ein tagesaktuelles negatives Testergebnis vorweisen. Das NRW-Gesundheitsministerium in Düsseldorf muss vorher sein Einvernehmen mit der Allgemeinverfügung des Kreises erklären. Damit würde der Kreis von der Möglichkeit der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes Gebrauch machen, statt mit einer Schließung durch Tests die notwendige Sicherheit zu gewährleisten.

Angst vor dem nächsten Lockdown: Der Kreis Soest will dafür sorgen, dass die Fußgängerzone trotz hoher Inzidenz nicht leer bleiben muss.

Somit wären auch bei einem Überschreiten der 100er-Inzidenz der Verkauf von Waren im Einzelhandel und körpernahe Dienstleistungen nach Terminvereinbarung mit der Möglichkeit der Rückverfolgbarkeit und einem negativen Schnelltest des Kunden möglich.

Für Kreisdirektor und Krisenstabsleiter Dirk Lönnecke sind die Bedingungen im Kreis Soest dafür erfüllt: „Es ist uns dank der Hilfe von Apotheken, Ärzten und privaten Anbietern gelungen, ein flächendeckendes Netz von bereits über 120 Teststellen in allen 14 Städten und Gemeinden zu knüpfen. Nur so ist es möglich, dass wir auf die Testoption setzen, statt die Notbremse zu ziehen, die vor allem dem Einzelhandel und die Dienstleister erneut zur Schließung gezwungen hätte.“

Wichtige Details

Das gilt: Der Test darf nicht älter als 24 Stunden sein. Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittelmärkte, Drogerien und ähnliches bleiben geöffnet und sind von diesen Regelungen nicht betroffen. Gleiches gilt für Friseure.

Lönnecke weist in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass Schnelltests kein Allheilmittel und kein Freibrief sind. Es gelte weiter für jeden einzelnen, Eigenverantwortung an den Tag zu legen. „Jeder muss sich nach wie vor an die bestehenden Regelungen halten, persönliche Kontakte minimieren, medizinische Masken tragen und Abstand wahren. Außerdem ist es wichtig, die vorhandenen Testmöglichkeiten zu nutzen“, appelliert der Kreisdirektor.

Nächstmöglicher Zeitpunkt für die Einleitung der Notbremse wäre aufgrund der Osterfeiertage erst der kommende Mittwoch (7. April).

Eine ständig aktualisierte Übersicht über die Teststellen im Kreis Soest finden Sie hier.

Rubriklistenbild: © Peter Dahm

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