Sexuelle Gewalt im Kreis Soest: Expertin sorgt sich wegen Lockdown

Ein Mann hebt die Hand gegen ein Kind.
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Die Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt soll helfen, bevor es zur Eskalation kommt.

Die Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt hat eine neue Leiterin. Sabine Erhard äußert sich ausgesprochen besorgt zur aktuellen Situation von Kindern und Jugendlichen.

Kreis Soest - „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Sabine Erhard eine ausgesprochen erfahrene und kompetente Leiterin für unsere Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen gewinnen konnten“, wird der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Kreisverband Soest, Hans Meyer, in einer Mitteilung des Kinderschutzbundes zitiert.

Schon seit dem 1. Januar ist Erhard neue Leiterin der vom Kinderschutzbund seit 2015 betriebenen Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Von der Pike auf

Die 49-jährige Dipl.-Sozialpädagogin bringt als Systemische Familientherapeutin und Psychotraumatologin viel Kompetenz mit. Sie verfügt über umfassende Erfahrungen in Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Fragen des Kinderschutzes. So arbeitete sie lange als Therapeutin mit Kindern und zuletzt war sie in der Ärztlichen Beratungsstelle für misshandelte, vernachlässigte und sexuell missbrauchte Kinder, Jugendliche und deren Eltern im Evangelischen Krankenhaus Hamm tätig.

Die Mutter von zwei Kindern, die in Soest lebt, lernte ihren pädagogischen Beruf von der Pike auf. So startete sie mit einer Ausbildung zur Erzieherin und war Gruppenleiterin im Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt „Bunte Welt“ in Soest, bevor sie das Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule Dortmund absolvierte.

Die neue Leiterin der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt, Sabine Erhard (zweite von rechts), mit (von links) Hans Meyer, Giesela Hermes und Elfriede Jänsch vom Kinderschutzbund Kreis Soest.

Nach dem erfolgreichen Abschluss im Jahr 2001 arbeitete sie unter anderem für den Awo-Unterbezirk HSK/Soest, wo sie für das Projekt „Migrationsnetzwerk Kreis Soest“ tätig war. Anschließend ging sie zum Landschaftsverband Westfalen- Lippe und arbeitete in der LWL-Klinik Hamm in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Es folgten Stationen in der Jugendgerichtshilfe des Soester Jugendamtes, bevor sie als systemische Therapeutin für die Malteser Jugendhilfe Hamm arbeitete. Ihre letzte Stelle war in der Ärztlichen Beratungsstelle für misshandelte, vernachlässigte und sexuell missbrauchte Kinder, Jugendliche und deren Eltern im Evangelischen Krankenhaus Hamm.

Ausgesprochen besorgt äußert sich die neue Leiterin zur aktuellen Situation von Kindern und Jugendlichen. So befinden sich Kinder und Jugendliche seit fast einem Jahr in einem fast geschlossenen Familiensystem und haben kaum Kontakte nach außen. Welche Gefahren damit verbunden sind, zeigten nicht zuletzt auch die Erfahrungen der Fachberatungsstelle aus dem Jahr 2020. Danach lasse sich feststellen, dass der ganz überwiegende Teil der sexuellen Übergriffe innerhalb des Familiensystems oder im nahen sozialen Umfeld stattfand.

Um dies zu verhindern oder frühzeitig Hilfe gewähren zu können, fehlten derzeit Ansprechpartner außerhalb der Familie.

Kontakt

Die Beratungsstelle ist unter Telefon 02921/6721856 oder info@ksb-fachberatungsstelle.de zu erreichen. Infos im Netz: www.ksb-fachberatungsstelle.de.

Um so wichtiger sei es daher, soziale Kontakte für Kinder wieder zu ermöglichen etwa durch Präsenzunterricht und außerschulische Angebote, denn gerade von aufmerksamen Lehrern und Erziehern würden viele Fälle von Gewalt gemeldet, heißt es vom Kinderschutzbund.

„Diese Personen sehen das Kind im Alltag und nehmen Veränderungen wahr. Ohne Schule und Betreuungsangebote fällt diese Option der Meldung leider weg“, bedauert Erhard.

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