Milchviehforum: Lara unter der Lupe

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Während diese zwei Forumsteilnehmer eine digitale Schwachstellenanalyse mit Daten eines lebenden Objektes füttern wollen, beäugt Milchkuh Lara die Besucher ihrerseits interessiert.

Ostinghausen - Cows and more heißt eines der Milchviehforen, das gerade auf Haus Düsse stattfindet. Alles zum Wohle von Tier und Landwirt.

In grünen Overalls und Schuh-Überziehern betritt die Kleingruppe den sogenannten Liegeboxenlaufstall beim Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft, kurz: Haus Düsse in Ostinghausen. Kaum ist das Tor hinter den menschlichen Besuchern zu, streckt Lara ihren Kopf aus. Sie ist eine rotbunte Kuh und dient der Workshop-Gruppe gemeinsam mit ihren Gefährtinnen als lebendes Anschauungsmaterial zum Ausprobieren verschiedener Bewertungssysteme. Denn um sie dreht sich das diesjährige Milchviehforum. Cows and more heißt eines davon. 

Rund 13 Jahre Arbeit liegen hinter den Beteiligten. Seit Anfang diesen Monats ist Cows and more – eine Methodik, die die Landwirtschaftskammer NRW gemeinsam mit der Humboldt-Universität Berlin und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn entwickelt hat – auf dem Markt. Mittels der digitalen Schwachstellenanalyse soll ermittelt werden, wo quasi beim Milchvieh der Schuh drückt. Sind diese Stellen ausgelotet, sollen Maßnahmen dazu beitragen, das Tierwohl und dadurch die Haltung sowie das Management des gesamten Milchviehbetriebs zu verbessern. 

Doch wie soll das gehen? Dafür sind Daten über einzelne Tiere nötig. Nachdem Anna-Lena Ahring, die seitens der Landwirtschaftskammer am Projekt beteiligt ist, den rund 70 Forumsteilnehmern das digitalisierte Indikatorensystem präsentiert hat, geht es raus in den Stall. Die Teilnehmer gucken zu zweit auf Tablets, an denen das Ganze praktisch durchgespielt wird. Die Landwirte, Industrie-Angehörigen, Berater und Wissenschaftler nehmen verschiedene Parameter bei Lara und ihren Artgenossen unter die Lupe. Wie sauber sind die Tiere? Wie sehen die Karpal- und Sprunggelenke aus? Wie liegen die Kühe? Mit gestrecktem Vorderbein, in totaler Seitenlage oder anders? Wie bewegen sie sich? Bilder sollen helfen, möglichst objektiv zu bewerten. 

Aber auch „Zollstock-Politik“ werde angewandt, sagt Ahring. Flächen werden vermessen. Während die Männer der Referentin interessiert zuhören, geben sich zwei Wiederkäuer in unmittelbarer Nähe ganz unbeeindruckt. Ihre Körper und Boxen wurden schon in Augenschein genommen. Eine schwarz-weiße Kuh stupst einen Teilnehmer am Rand währenddessen neugierig an. Wenn ein Betrieb die pro Parameter nötigen Tiere beobachtet und ihre Daten erfasst hat, kann der Landwirt seine mit den Ergebnissen anonymisierter Referenzbetriebe und Zielwerten vergleichen. 

Mit den vorhandenen Kapazitäten eines Hofes geht es anschließend daran, Dinge zu verbessern. Das kann beispielsweise mehr Streu für die Liegefläche bedeuten. „Die Tiere liegen zwölf Stunden am Tag“, erklärt Dr. Katharina Dahlhoff. Mit mehr Streu kann laut der Leiterin der Koordinierungsstelle für digitale Bewertungssysteme bei der Landwirtschaftskammer bei Bedarf verhindert werden, dass die rund 650 Kilo schweren Rinder sich schwitzenderweise wund liegen. 

„Der Boxenbügel und der Nackenbügel können optimiert werden, damit die Kuh wie auf der Weide liegt“, fügt die Expertin hinzu. Und wenn die Lauffläche im Boxenstall öfter von Hinterlassenschaften befreit wird, rutschen die Tiere weniger aus und die Klauen bleiben trockener. 140 Betriebe sind bereits erfasst, weitere sollen folgen.

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