Heimische Vereine kritisieren Steuer-Pläne des Finanzministers

Schützen: "Olaf Scholz' Vorstoß ist weltfremd"

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Die Soester Bürgerschützen sind ein Männerverein – und möchten dies auch gerne bleiben.

Kreis Soest – Eine Äußerung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz gegenüber der „Bild am Sonntag“ sorgt seit dem Wochenende für Furore: Vereinen, die als Mitglieder nur ein Geschlecht zulassen, soll die Gemeinnützigkeit entzogen werden.

Scholz sagte im Wortlaut: „Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, sind aus meiner Sicht nicht gemeinnützig. Wer Frauen ausschließt, sollte keine Steuervorteile haben und Spendenquittungen ausstellen. Es gibt deutschlandweit Hunderte Vereine wie Schützengilden oder Sportclubs, die ausschließlich Männer zulassen.“

Schützenvereine

Der Sauerländer Schützenbund, dem auch der Kreisschützenbund Soest untergeordnet ist, reagiert mit Unverständnis: „Unsere Vereine dienen der Allgemeinheit“, so Geschäftsführer Wolfram Schmitz aus Balve. „Wer das in Zweifel zieht, der sollte sich ein Bild vor Ort machen und sehen, wie sich die Schützen in ihren Ortsteilen engagieren. Wenn das nicht gemeinnützig sein soll, dann ist das einfach nur weltfremd.“ Immer mehr Vereine hätten sich Frauen geöffnet, „die Entscheidung sollte aber bei den Vereinen liegen und nicht von oben herab verordnet werden.“

Heinrich Weber, Bundesmeister des Bezirks Werl-Ense, der dem Bund Deutscher Schützenbruderschaften unterstellt ist, sieht für seine Region kein Problem: „Um einem Verein die Gemeinnützigkeit zu entziehen, muss in der Satzung verankert sein, dass keine Frauen aufgenommen werden dürfen. Und das ist hier bei keinem der Fall.“

Kommandeur Thomas Carls möchte gerne, dass seine Bürgerschützen ein Männerverein bleiben: „Es gibt in Soest genügend Vereine, die sich beiden Geschlechtern öffnen. Diese Entscheidung sollten jedem Verein überlassen bleiben.“

Landfrauen

Dem deutschen Landfrauenverband können seit mehreren Jahren Männer als passive Mitglieder beitreten. „Das machen auch einige, um die Arbeit der Landfrauen zu unterstützen und ihre Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen“, sagt Anne Bühner, Mitglied im Kreisvorstand Soest. Scholz’ Vorschlag findet sie überflüssig.

Chöre

Für reine Männer- und Frauenchöre sieht Paul Strumann vom Vorstand des Sängerkreises Soest keine Probleme: „Zum einen sind dies fest definierte Chorgattungen, für die es eigene Literatur gibt. Zum anderen hat in unserer Chorlandschaft jeder die Möglichkeit, sich in reinen Frauen- oder Männer- sowie in gemischten Chören frei zu entfalten.“

Politiker-Reaktion

Der Herzfelder Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Thies (CDU) scheint der „Bild“ nicht ganz zu trauen: „Geprüft werden müsste zunächst, ob es im Bundesministerium tatsächlich entsprechende Pläne oder Überlegungen gibt. Bekannt ist mir nur, dass dort an einer Novellierung der Gemeinnützigkeitskriterien in der Abgabenordnung gearbeitet wird. Dabei sollen angeblich Vereinsziele wie Klimaschutz oder Friedenssicherung in den Katalog der Gemeinnützigkeitstatbestände aufgenommen werden. Dies halte ich für sehr fragwürdig, weil dann solchen Vereinen quasi ein allgemeinpolitisches Mandat mit staatlicher Förderung zugebilligt würde.“

Handlungsbedarf sehe er eher bei Vereinen, die „nicht mitgliederoffene demokratische Strukturen haben, deren Finanzgebaren nicht transparent sind, die staatliche Institutionen und Gebietskörperschaften unter Missbrauch gesetzlich verankerter Verbandsklagerechte verklagen oder die ihre Mitglieder zu illegalen Aktionen wie Stalleinbrüchen aufrufen oder Mitglieder dulden, die wegen solcher Handlungen verurteilt wurden.“

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