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Zahl der betrieblichen Insolvenzen schnellt womöglich bald nach oben

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Von: Ludger Tenberge

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Nur mit dem To-go-Geschäft können zum Beispiel die Gastwirte nicht überleben, in der Gastronomie und im Einzelhandel wird ein Anstieg der Insolvenzen befürchtet.
Nur mit dem To-go-Geschäft können zum Beispiel die Gastwirte nicht überleben, in der Gastronomie und im Einzelhandel wird ein Anstieg der Insolvenzen befürchtet. © Symbolfoto/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-Bildfunk

Kreis Soest – Onlinehandel, Baumärkte oder Supermarktketten haben wegen erhöhter Nachfrage von der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten sogar profitiert. Andere Branchen, insbesondere Hotellerie und Gaststätten, Reiseveranstalter, Kulturbetriebe, leiden erheblich. Die Zahl der Insovenzen als Gradmesser ist derzeit noch eher vorläufig, ein düsterer Trend ist aber womöglich bereits erkennbar.

Eine Anfrage beim Insolvenzgericht in Arnsberg, das auch für den Altkreis Soest zuständig ist, hat ergeben, dass die Zahl der Insolvenzen von Betrieben im ersten Quartal 2021 mit 75 Fällen klar höher ist als im ersten Quartal 2019 als dem letzten „normalen“ Jahr vor Corona. Das erste Quartal 2021 hochgerechnet würden sich im laufenden Jahr 300 Insolvenzen ergeben, 2019 waren es insgesamt 285. Das erläuterte Amtsgerichtsdirektorin Charlotte März.

Die Frage, inwieweit sich hier bereits die Corona-Pandemie auswirkt, gleiche allerdings noch etwas einem Stochern im Nebel. Zu berücksichtigen sei nämlich, dass die Zahl der betrieblichen Insolvenzen in 2020 deutlich niedriger lag. Seit März vorigen Jahres war die Insolvenzantragspflicht unter verschiedenen Voraussetzungen nämlich ausgesetzt gewesen. Unter bestimmten Bedingungen mussten Betriebe ihre Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit nicht anzeigen.

Am 30. April endet die letzte Ausnahme von der Insolvenzantragspflicht allerdings, wie die IHK Arnsberg warnt. Hinzu kommt laut IHK-Jurist Christoph Strauch, dass eine Ausnahme von der Insolvenzantragspflicht nicht in jedem Fall bestanden hat. Dann drohe womöglich der Vorwurf einer Insolvenzverschleppung mit ihren strafrechtlichen und zivilrechtlichen Folgen.

Im Gastgewerbe geben 16,5 Prozent der befragten Unternehmen und bei den Reisevermittlern 14,3 Prozent an, dass eine Insolvenz droht.

IHK-Jurist Christoph Strauch

Wie groß das Insolvenzrisiko in der Region Hellweg-Sauerland derzeit ist, lasse sich nicht eindeutig sagen, so Strauch. Der Lockdown seit Ende Oktober 2020 habe aber für viele Unternehmen verheerende Auswirkungen. Zwar hätten die Beihilfen und die rechtlichen Regelungen im Insolvenzrecht einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen verhindert. Mit dem Auslaufen der Ausnahmeregelungen am 30. April könne sich dies jedoch in den betroffenen Branchen massiv ändern.

Die aktuelle Frühjahrs-Konjunkturumfrage der IHK Arnsberg vermittele einen Eindruck, von den finanziellen Nöten vieler Betriebe, so Strauch. Im Gastgewerbe hätten 16,5 Prozent der befragten Unternehmen und bei den Reisevermittlern 14,3 Prozent angegeben, dass eine Insolvenz drohe.

Gut möglich also, dass sich viele Betriebe im vorigen Jahr durchgeschleppt haben, ihnen inzwischen jedoch die Luft ausgeht. Ein Problem für viele Selbstständige aus Einzelhandel und Gastgewerbe besteht zudem darin, dass mit den staatlichen Beihilfen zwar die laufenden Betriebskosten einigermaßen abgedeckt werden, die Kosten für den persönlichen Lebensunterhalt oder die Altersvorsorge der Selbstständigen werden jedoch nicht abgedeckt.

Eine Spaltung der Gesamtwirtschaft wegen der Corona-Folgen hat auch die IHK Arnsberg im Rahmen ihrer Frühjahrsumfrage ermittelt. Die Wirtschaft im Sauerland und am Hellweg erhole sich weiter, so IHK-Präsident Andreas Rother. „Immer mehr Unternehmen sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage wieder zufrieden und blicken optimistisch in die Zukunft.“ Trotzdem bleibe die Konjunktur gespalten. „Dem Gastgewerbe, der Veranstaltungsbranche, den Reisevermittlern, Teilen des Einzelhandels und den personenbezogenen Dienstleistern geht es weiterhin sehr schlecht.

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