"Unsere Auftragslage ist seit Monaten gleich null"

Night of Light im Kreis Soest: Hier gibt's die Fotos - Firmen schildern dramatische Lage

Der Piusberg leuchtete am späten Montagabend rot über Warstein.
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Der Piusberg leuchtete am späten Montagabend rot über Warstein.

Fast 30 Gebäude und Wahrzeichen im Kreis Soest erleuchteten am späten Montagabend und in der Nacht zu Dienstag feuerrot. Deutschlandweit waren es fast 8500 Teilnehmer, die an der Aktion „Night of Light 2020“ teilnahmen und rund 9000 Objekte rot anstrahlten. Der Anlass für die Illuminationen war ernst: Die beleuchteten Objekte wurden zu Mahnmalen einer ganzen Branche.

Bilder: Das war die Night of Light im Kreis Soest

Bilder aus Warstein: Das war die Night of Light im Kreis Soest
Bilder aus Warstein: Das war die Night of Light im Kreis Soest
Bilder aus Warstein: Das war die Night of Light im Kreis Soest
Bilder aus Warstein: Das war die Night of Light im Kreis Soest
Bilder: Das war die Night of Light im Kreis Soest

Kreis Soest – Ein leuchtendes Signal mit der klaren Botschaft: Lange halten Veranstaltungs-Dienstleister die Corona-Krise nicht mehr aus. Großveranstaltungen, Hochzeiten, Tagungen, Kongresse, Konzerte, Theateraufführungen: Seit dem 10. März ist einem kompletten Wirtschaftszweig die Arbeitsgrundlage entzogen worden. 

Auch durch die Lockerungen, die es im Verlauf der Corona-Krise bislang gab und die den Alltag zumindest ein stückweit zurückbringen sollen, habe sich die katastrophale Situation von Veranstaltungsbetrieben nicht entspannt. „Unsere Auftragslage ist seit Monaten gleich null“, berichtet Patrick Risse, der mit seinem Team den Piusberg in Warstein in einen roten Riesen verwandelte. 

Patrick Risse von der "Eventmanufaktur": "Unsere Auftragslage ist seit Monaten gleich null."

Der Veranstaltungs-Profi aus Warstein spricht dabei stellvertretend für seine Branchen-Kollegen, denen es genauso geht. Die „Eventmanufaktur“, die Risse gemeinsam mit Sascha Rottke aus Belecke führt, ist normalerweise auf Hochzeiten, Schützenfesten und weiteren Events weit über die Grenzen des Kreises Soest hinaus vertreten. Das Jahr werde nicht in Veranstaltungen, sondern in Veranstaltungstagen geplant: „Dieses Jahr wären es unterm Strich 3000 Tage gewesen – die Firma ist immer bei mehreren Veranstaltungen parallel involviert“, sagt Risse. 

In Werl leuchtete unter anderem der alte Schlauchturm der Feuerwehr.

Die Corona-Krise machte einen Strich durch die Rechnung. „In vielen anderen Branchen gibt es zwar auch Kurzarbeit, um ein Beispiel zu nennen. Dennoch gibt es dort weiter etwas zu tun. Unsere Auftragslage ist seit März jedoch komplett zusammengebrochen“, schildert Risse und findet deutliche Worte: „Man kann nicht sagen, wie lange eine Firma das noch aushält. Wir sind noch ein sehr junges Unternehmen – ich denke, dass wir uns mit unseren Aktionen ganz gut durchschlagen und hoffe, dass wir möglichst schnell wieder in ein normales Tagesgeschäft gehen und die Menschen bespaßen können.“ 

Sebastian Roderfeld und Marc Severin beleuchteten die Möhnetalhalle in Allagen.

Ähnliches berichten auch Sebastian Roderfeld und Marc Severin von der Firma RS Event Technologie aus Allagen, die die roten Strahler an der Möhnetalhalle in Stellung brachten. „Karneval konnten wir noch mitnehmen. Danach war Feierabend.“ Auch der Schützenverein bekomme die Krise auch abseits des abgesagten Schützenfestes zu spüren. „Dem Verein fehlen die Einnahmen aus der Hallen-Vermietung.“ 

In Soest wurde unter anderem die Stadthalle beleuchtet.

Durch die Aktion „Night of Light“ erhoffen sich die Veranstalter, dass ihre desolate Lage wahrgenommen wird – auch in der Politik. Am meisten erhofft sich Patrick Risse Klarheit: „Viele Aussagen der letzten Monate waren zu schwammig.“ 

In Lippstadt-Eickelborn erstrahlte die Dorfkapelle feuerrot.

Als das Kontaktverbot kam, sei beispielsweise einem Großteil der Betroffenen nicht klar gewesen, was überhaupt unter die Bezeichnung „Großveranstaltung“ fällt. „Es war anfangs überhaupt nicht klar, was jetzt verboten und was erlaubt ist. Das hat für Verunsicherung bei uns und auch den Kunden gesorgt.“

Night of Light im Kreis Soest: "Wir wollen wieder tun, was wir lieben"

Auch durch die Lockerungen habe sich die Situation noch nicht verbessert: „Es ist alles sehr unplanbar.“ Es sei zwar „schön und gut zum Überbrücken, wenn es Unterstützung in Form von Krediten gibt“, so Risse. „Aber die müssen natürlich auch zurückgezahlt werden. Der Wirtschaft können wir damit nichts Gutes tun, weil wir keine Investitionen tätigen können und unsere Leute kommen davon auch nicht an die Arbeit. Wir wollen wieder arbeiten und tun, was wir lieben.“ 

Grundsätzlich könne er die Maßnahmen, die gegen die Ausbreitung des Coronavirus getroffen wurde, nachvollziehen und sei „komplett dafür“, dass die Regeln beachtet werden. Aber die Branche brauche ebenso Sicherheit, um in eine Zukunft blicken zu können, die es hoffentlich gibt.

Hier erfahren Sie, welche Orte im Kreis Soest bei der Night of Light 2020 in Szene gesetzt wurden.

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