Drastische Maßnahmen gegen Schweinepest

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Jürgen Schulte-Derne (links) begrüßte (von links) Sandra Blome, Wilfried Hopp sowie Peter Markett.

Kreis Soest - Die Afrikanische Schweinepest kommt Deutschland immer näher. Landwirte, Jäger und Kreisverwaltung haben nun Maßnahmen verabredet, um ein Ausbrechen in der Region zu verhindern

Josef Lehmkühler, Landwirt aus Geseke und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverband Soest, fand zum Abschluss der überlangen Veranstaltung noch einmal eindringliche Worte: „Wenn die Afrikanische Schweinepest kommt, erleben wir ein Massensterben.“ Was an dieser Stelle fast ein wenig paradox klang: Denn um genau dieses Massensterben zu verhindern, wurde lautstark ein anderes gefordert – allerdings ein klar gesteuertes, das immerhin einen raschen Tod statt eines langen, qualvollen Verendens bedeuten würde.

Die besagte Tierseuche rückt langsam näher. Wie ihr begegnen? Wie sie verhindern, was tun im Falle, dass sie den Kreis Soest tatsächlich erreicht? Aus dreierlei Sicht war die Problematik zuvor betrachtet worden. 

Dazu hatten die Kreisverwaltung als untere Jagdbehörde und Veterinärdienst, die Kreisjägerschaft Soest und der Landwirtschaftliche Kreisverband Soest am Mittwochabend drei Fachleute eingeladen und sicherheitshalber direkt eine der größeren Hallen der Region, die Gemeinschaftshalle Oestinghausen, gebucht. 

Zu Recht: Der Saal war zu circa 80 Prozent gefüllt, sowohl mit Landwirten als auch mit Jägern, denn das Problem betrifft Haus- wie auch Wildschweine.

So waren es nach den wissenschaftlichen Ausführungen der Virologin Sandra Blome vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Riems, vor allem die Äußerungen des Hammer Wildmeisters und Berufsjägers Peter Markett vom Projekt „Beratender Berufsjäger NRW“, die ein Raunen durch den Saal gehen ließen: „Frischlinge muss man bei jeder Gelegenheit erledigen.“ 

Noch deutlicher wurde Wilfried Hopp, Leiter des Veterinärdienstes des Kreises Soest: „Nur ein totes Wildschwein ist ein gutes Wildschwein. Das ist nicht nur im Sinne der Landwirte, sondern auch der Jäger, denn sie werden keine Lust haben, im Wald Aas zu riechen und über Kadaver zu stolpern.“

Wer nun meint, den beiden blitze die Mordlust aus den Augen, der irrt: Sie beziehen sich auf aktuelle Vorgaben des Landesumweltministeriums, nach denen aufgrund der sogenannten Wildschweinplage 75 Prozent aller ganz jungen Wildschweine abgeschossen werden sollen, da gerade sie sich vermehrten wie Sau: Mit jedem toten Tier im Alter von bis zu einem Jahr seien 168 weitere Nachkommen zu verhindern, rechnete Markett vor.

 Er war es auch, der die Jäger zu revierübergreifenden Drückjagden aufrief – diese aber sorgfältig zu planen und zu organisieren, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Letztlich trügen die exponentiell steigenden Populationen der Wildschweine zur Gefahr der Verbreitung des Virus, der sich langsam von Osten auf Deutschland zubewegt, bei, „und wenn man so langsam reagiert wie die baltischen Staaten, dann werden wir jahrelang an der Seuche unsere Freude haben“, so Blome. 

Sie war die Überbringerin guter wie schlechter Nachrichten: Gut, dass der Virus sich relativ schwer überträgt. Schlecht, dass er sehr beständig sei und selbst in tiefgefrorenem Fleisch jahrelang überlebe. Schlecht auch, dass die Arbeit an einem Impfstoff sich als sehr schwierig gestalte: „Wäre das so einfach, dann hätte ich schon einen Nobelpreis.“

Und so entließ Lehmkühler die Zuhörer mit zwei Appellen in den späten Abend. Der eine richtet sich an die Landwirte, die hygienischen Richtlinien einzuhalten und den Dialog mit den Jägern zu suchen. Letztere forderte er auf, den Wildbestand zu regulieren: „Denn das Erlegen der Frischlinge ist gelebter Tierschutz, obwohl er mit dem Tod endet.“

Das FLI hat auf seiner Homepage Empfehlungen und Handlungshinweise zusammengestellt. 

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