Diskussion nach EU-Vorstoß

Kunstrasen-Plätze: Abgeordnete fordern Studien und längere Fristen

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Wilhelm Barnhusen, Hans-Jürgen Thies und Jens Grossart schauen sich den Kunstrasen in Büderich und das in der Kritik stehende Kunststoffgranulat aus der Nähe an.

Kreis Soest - Die Überlegung in der EU, bestimmte „Zutaten“ von Kunstrasenplätzen zu verbieten, stößt bei heimischen Vertretern von Sportvereinen auf Unverständnis. Es gebe ganz andere Umweltprobleme, heißt es etwa vom RW Westönnen, der soeben seinen Platz saniert hat. Abgeordnete aus dem Land und Europa mahnen zu Mäßigung und längeren Fristen.

Der südwestfälische CDU-Europaabgeordnete und umweltpolitische Sprecher der größten Fraktionen im Europäischen Parlament (EVP/Christdemokraten), Peter Liese, plädiert für einen Kompromiss in der Diskussion um Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen. Er hat sich in dieser Sache bereits an die zuständigen EU- Kommissare gewandt. 

„Es ist sicher ein richtiges Ziel, den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt zu reduzieren. Deswegen muss man langfristig das Granulat auf Sportplätzen ersetzen. Auf der anderen Seite darf man die Sportvereine, die in den letzten Jahren oft mit viel ehrenamtlichen Engagement Kunstrasenplätze gebaut haben, jetzt nicht überfordern. Wir brauchen eine angemessene Übergangszeit. Für eine gewisse Übergangszeit sollte das Granulat auf jeden Fall weiter genutzt werden, damit sich die Sportvereine um Alternativen bemühen können. Ein Verbot von Kunstrasenplätzen sollte es wirklich nur dann geben, wenn es keine umweltverträglichen Alternativen für das Granulat gibt und hier braucht man dann eine sehr lange Übergangszeit“, so Liese. 

"Pragmatischer Kompromiss"

Die Kunstrasenplätze sind oft von gemeinnützigen Sportvereinen, oft mit ehrenamtlichen Engagement, erbaut worden. „Die Arbeit der Sportvereine ist extrem wichtig, insbesondere für junge Menschen. Sport dient nicht nur der Gesunderhaltung und leistet einen riesigen Beitrag zur Integration aller gesellschaftlichen Schichten, sondern aus meiner Sicht auch einen Beitrag zur Vermeidung von Jugendkriminalität. Deshalb muss ein pragmatischer Kompromiss gefunden werden“, so Liese in seinem Brief an die Europäische Kommission. 

In den europäischen Institutionen ist noch keine Entscheidung in der Frage gefallen sei, ob es überhaupt so weit kommt. Bisher handelt sich lediglich um einen Vorschlag der Europäischen Chemikalienagentur ECHA. Dieser Vorschlag wird zurzeit in der Kommission geprüft und es gibt zu der Frage auch in der Kommission unterschiedliche Auffassungen. Alle Interessierten können sich unter https://echa.europa.eu/de/restrictions-under-consideration/-/substance-rev/22921/term auch an einer Konsultation der Europäischen Kommission beteiligen.

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Das sagen die Sportvereine aus dem Kreis Soest

Das geplante Verbot für Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen versetzt viele Sportvereine in Sorge. Bundestagsabgeordneter Hans-Jürgen Thies (CDU) versprach nun bei einem Besuch bei Blau-Weiß Büderich, sich für eine wissenschaftlich fundierte Debatte einzusetzen. Dazu seien weitere Studien notwendig.

Thies räumte beim Besuch in Büderich ein, die Diskussion um Kunstrasen und Mikroplastik bis vor kurzem nicht auf dem Schirm gehabt zu haben. Deshalb gehe es ihm vor allem darum, Informationen zu sammeln. Schließlich habe das Thema bei allein etwa 30 Kunstrasenplätzen im Kreis Soest eine große Tragweite. „Es kann auf jeden Fall nicht sein, dass die Plätze von heute auf morgen nicht mehr bespielt werden können.“ 

Zugleich machte Thies aber klar, das Gesundheits- und Verbraucherschutz nicht vernachlässigt werden dürften. Gehe von dem Granulat eine Gefahr aus, stehe die Politik in der Pflicht, zu handeln. Und die EU-Richtlinie lasse sich nicht einfach so übergehen. Auch wenn Nachbesserungen im Zweifel möglich seien. Thies warnte aber vor einer emotionalen Debatte und forderte mehr Studien, um dann wissenschaftlich fundiert entscheiden zu können. Er habe deshalb auch das Bundesinstitut für Risikobewertung um eine Einschätzung gebeten. 

Wilhelm Barnhusen vom Kreissportbund, der ebenfalls nach Büderich gekommen war, geht es darum, die Sportler nicht aus dem Blick zu verlieren: „Wenn die ganzen Jugendlichen deshalb keinen Sport mehr machen können, haben wir ein ganz anderes Gesundheits-Problem.“ Dem Kreissportbund sei es wichtig, die Plätze für die Vereine zu erhalten.

 Jens Grossart, Fußballabteilungsleiter von Blau-Weiß Büderich, gab Thies mit auf den Weg, dass der Kunstrasenplatz für den Verein überlebenswichtig sei. Anders sei der Spielbetrieb mit 15 Mannschaften nicht möglich. Sein Wunsch ? Am besten wäre es natürlich, wenn der Verein den Platz die nächsten 15 bis 20 Jahre so nutzen könne, wie er ist. Grossart sagt aber auch: „Wenn es tatsächlich gesundheitlich bedenklich ist, dann muss was passieren.“ Notfalls müsse man dann nur auf Sand spielen, was allerdings die Verletzungsgefahr deutlich erhöhe.

Kork als Alternative?

 An Kork als Alternative glaubt Grossart nicht. So viel Kork, dass er für alle Kunstrasenplätze reicht, gebe es doch gar nicht. Ganz abgesehen von der Frage, was dieses Alternativmaterial dann koste. Der Hersteller habe dem Verein die Unbedenklichkeit des Granulats versichert, so Grossart. Das Granulat bestehe demnach vor allem aus Hanf und nur zu einem kleinen Teil aus Kunststoff. Und die Menge an Granulat, die in die Umwelt gelangt, sei überschaubar. Mit 24 Tonnen sei die Menge, die auf dem Büdericher Platz ausgebracht wurde, deutlich geringer als bei alten Plätzen. Dass etwas in die Umwelt gelangt, lässt sich allerdings kaum bestreiten. Dafür reicht der Blick in die Entwässerungsrinne des Platzes. In der sind die kleinen Häufchen der grünen Granulatkörner gut zu erkennen.

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