Kreisverbandstag in Lippetal-Oestinghausen

Landwirte im Gespräch mit Ministerin Christina Schulze Föcking

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Vorsitzender Josef Lehmenkühler hieß die vielen Besucher in der vollbesetzten Oestinghauser Gemeinschaftshalle willkommen.

Kreis Soest - Selten war die Halle in Lippetal-Oestinghausen beim traditionellen Termin des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes im Januar so voll wie diesmal: Die Besucher strömten in den Saal. Hunderte kamen, wie es Vorsitzender Josef Lehmenkühler ausdrückte, mit einer hohen Erwartungshaltung. Alle wollten beim Kreisverbandstag hören, welche neuen Perspektiven Ministerin Christina Schulze Föcking für den grünen Berufszweig im Land setzt.

„Auch meine Erwartung an Sie ist hoch“, gab die Landespolitikerin – als staatlich geprüfte Landwirtin selber Praktikerin – am Schluss ihres Vortrages zu verstehen. Denn: „Ohne die Landwirtschaft verliert der ländliche Raum seine Seele.“ Eine vitale Landwirtschaft gehöre in die Mitte und brauche starke Strukturen. Diesen Weg zu gehen, und zwar „auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt“, sehe sie als Gemeinschaftsaufgabe an.

Sie sprach von einem Dreiklang, der den Bauern „richtig wehtut“: Da sei zum einen der Markt, wobei sie unter anderem auf die Milchkrise einging: Die Löcher, die gerissen wurden, seien längst noch nicht wieder gestopft worden. Die Bürokratie nehme überhand, nannte die Ministerin, die seit dem vorigen Sommer im Amt ist, einen weiteren Punkt. 

Was aber den Landwirten am meisten zu schaffen mache und sie bis ins Mark erschüttere, sei die fehlende Anerkennung. Statt an den Pranger gestellt zu werden, gebühre ihnen Dank, „dass sie uns mit guten und gesunden Lebensmitteln versorgen“.

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Auf die vielfach verbreiteten Vorwürfe ging auch Josef Lehmenkühler ein. Verbunden seien diese „alternativen Fakten“ mit der übereilten Schlussfolgerung, die Agrar-Wende müsse her. Der Vorsitzende: „Als ob wir das Problem nicht selber kennen würden und nicht schon längst an Lösungen arbeiten. Und das ja auch erfolgreich. Wobei alles Gute noch verbessert werden kann.“ 

„Wir brauchen keine Agrar-Wende“, betonte er, „wir arbeiten mit an einem Agrar-Wandel, einem behutsamen, aber nachhaltigen Wandel, der uns wirtschaftlich nicht überfordert. Das erwartet die Gesellschaft von uns, und daran arbeiten wir.“

Lehmenkühler ging auch auf das Top-Thema Glyphosat ein – „angeblich der Ursprung allen Übels“. Die Diskussion werde längst nicht mehr fachlich, sondern ideologisch geführt. Sein Fazit: „Die Möglichkeit, das Mittel nach unseren Bedingungen einzusetzen, nutzt eher der Artenvielfalt, als dass es ihr schadet.“

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Ist Glyphosat jetzt wahrscheinlich krebserregend oder nicht? „Das hat was mit Gefahr und Risiko zu tun“, führte Lehmenkühler aus. Es sei so ähnlich, wie beim Einstieg ins Flugzeug: „Die Gefahr ist groß, weil ein Absturz meistens tödlich endet, aber das Risiko eines Absturzes superklein, weil Technik und Flugsicherheit das Flugzeug zum sichersten Verkehrsmittel machen. Gerade weil Glyphosat so hilfreich ist, sollten wir es möglich behutsam einsetzen. Dann braucht keiner ein Verbot.“

„Ich versichere Ihnen, ich habe nicht den Ehrgeiz, Ihnen jedes Jahr eine neue Seuche vorzustellen.“ Diese Worte Prof. Dr. Wilfried Hopps vom Veterinärdienst des Kreises machten klar, wie ernst die Bedrohung ist: Nie sei die Afrikanische Schweinepest so nah gewesen, erläuterte er. Für die Menschen sei das Virus ungefährlich, für die Tiere hingegen in seiner Wirkung verheerend. Bauern fürchten den Ausbruch der tückischen Krankheit in ihren Ställen. 

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich nach wie vor in Wild- und Hausschweinebeständen in den baltischen Staaten sowie in der Ukraine, Polen und Russland aus. 

Der Kreisveterinär informierte über den Stand der Dinge sowie über die Schutzmaßnahmen, die nötig sind und getroffen werden, um ein Einschleppen des Erregers zu verhindern. Auch Ministerin Christina Schulze Föcking hatte zuvor dargestellt: Nicht ob, sondern wann die Afrikanische Schweinepest kommt, sei die vorrangige Frage. Die Ministerin: „Für den Fall, dass sie kommt, müssen wir vorbereitet sein.“ 

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