Kreis Soest überschreitet die kritische Nitratgrenze im Grundwasser an sieben Stellen

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Gülle wird zur Düngung der Felder genutzt, enthält allerdigns auch Nitrat.

Kreis Soest - Nitrat ist ein großes Problem im Kreisgebiet. Die kritische Grenze wird an sieben Stellen überschritten. Verwaltung, Landwirtschaft und Naturschützer suchen gemeinsam nach Lösungen. 

Im Regierungsbezirk Arnsberg wurde von 2010 bis 2013 an neun Stellen die kritische Marke von 50 Miligramm pro Liter überschritten. Das besagt eine Karte des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. 

Insgesamt wird an 302 Orten das Grundwasser kontrolliert. Von den neun kritischen Stellen liegen allein sieben im Kreis Soest. Bei Erwitte, Lippetal und Bad Sassendorf befinden sich die Werte im roten Bereich. 

Werden 50 Milligramm Nitrat überschritten, darf das Grundwasser nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden, es sei denn, es wird aufwändig aufbereitet.

Das Landesamt für Natur untersucht in regelmäßigen Zyklen die Grundwasserqualität.

„So ein Zyklus umfasst mehrere Jahre“, erklärt Birgit Kaiser de Garcia vom Landesamt. „Das Grundwassersystem ist träge; es dauert lange, bis das Nitrat durch die verschiedenen Bodenschichten in die oberste Grundwasserschicht eindringt. Würden wir in zehn Jahren bessere Ergebnisse wollen, müssten wir heute beginnen und weniger Gülle auf die Felder kippen.“ 

Landwirte und Verwaltung arbeiten zusammen

Nitrat ist besonders viel in Gülle enthalten. Deswegen weisen Regionen mit viel Massentierhaltung und intensiver Landwirtschaft höhere Nitratkonzentrationen auf. 

Im Kreis Soest arbeiten Landwirte und der Kreis zusammen, um die Wasserqualität zu verbessern. 

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Norbert Hurtig von der Umweltabteilung des Kreises. „Gülle ist nicht schön, besonders, wenn sie in der Nähe von Gewässern ausgebracht wird. Es ist wichtig, dass wir die richtige Menge an der richtigen Stelle platzieren.“

Derselben Meinung ist auch Jan Walter Hammer vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Soest.

 „Wir müssen herausfinden, warum an diesen Stellen die Grenze so deutlich überschritten wird, und Maßnahmen ergreifen. Bei Dreiviertel aller Prüfstellen sei immerhin keine Belastung vorhanden.“ 

Hammer wünscht sich, die Gesellschaft schafft den Spagat zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. „Jede Regulierung bringt neue Ecken und Hindernisse, manche verbauen sogar die Möglichkeit, positive Maßnahmen zu treffen.“ 

Für Birgit Langner vom BUND könnten die Landwirte allerdings noch mehr machen: „Ich habe das Gefühl, dass viele erst aktiv werden, wenn sie müssen.“ 

Grundsätzlich plädiert sie für mehr Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft. „Es muss aber noch viel mehr gemacht werden. Randstreifen zu den Gewässern hin müssen erweitert werden und Stadt und Kreis müssen die Vorgaben besser kontrollieren.“ 

Am 10. März (19 Uhr im Hubertus-Schwartz-Kolleg) veranstaltet der BUND ein Diskussionsforum mit Vertretern der Bezirksregierung, der Landwirtschaftskammer und des Kreisbauernverbandes.

Was ist Nitrat?

Nitrat ist eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff. Sie wird von Pflanzen als Nährstoff verwertet und daher in der Landwirtschaft oft als Dünger eingesetzt. 

Dadurch gelangt der Stoff auch ins Grundwasser. Für den Menschen gilt Nitrat in geringen Mengen als völlig unbedenklich. 

Im Körper kann es allerdings durch Bakterien zu Nitrit umgewandelt werden, das in Verbindung mit der Bildung von krebserregenden Stoffen steht. 

Dieser Vorgang ist besonders gefährlich für Schwangere, Säuglinge und Kinder, da das Nitrit den Sauerstofftransport im Körper blockiert. Der Nitrat-Grenzwert im Trinkwasser beträgt laut Trinkwasserverordnung 50 Milligramm pro Liter. 

Ist die Konzentration höher, kommt es zu starken Wasserverunreinigungen, die erhebliche gesundheitliche Schäden hervorrufen können. Quelle: Wikipedia

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