Es fehlt noch ein Konzept

Camper stürmen auf die Plätze - wirtschaftliche Folgen trotzdem spürbar

+
Die Camper kehren in Werl-Overbergstraße zurück auf den Platz an der Luigs Mühle. Dirk Umbach (links) ist Vorsitzender des OC Bochum.

Werl/Möhnesee - Auf den Urlaub im Ausland muss weitgehend verzichtet werden, die Deutschen schauen sich nach Alternativen im eigenen Land um. Die Campingplätze am Möhnesee und in Werl erleben derzeit Hochkonjunktur – und sind an den nächsten Wochenenden und Feiertagen beinahe restlos ausgebucht. 

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise setzen den Pächtern dennoch stark zu. „Es fehlen mir knapp 2000 Übernachtungen, das sind ungefähr 50.000 Euro“, beklagt Eckhard Urban, Pächter des Campingplatzes Möhnesee am Südufer. 

Den Verlust könne er jetzt nicht mehr einfahren. Das Problem: Ein Drittel der Einnahmen legt Urban normalerweise für die Wintermonate zurück. „In diesem Jahr konnten wir keine Rücklagen bilden“, erklärt er.

Seit dem 11. Mai dürfen in Nordrhein-Westfalen Touristen wieder campen. Dauercamper dürfen bereits wieder seit Karfreitag zurück auf die Plätze, wenn sie bei der Gemeinde Möhnesee ordnungsgemäß angemeldet sind.

Eckhard Urban ist froh, dass die Touristen zurück auf den Platz strömen, das Telefon steht nicht mehr still. „Wir hätten den Platz mittlerweile sicherlich fünfmal belegen können“, sagt er. Am Südufer halten sich Dauercamper und Touristen die Wage.

Konzept für Campingplätze

Auf dem ADAC-Campingplatz am Möhnesee von Pächter Ralf Brock gibt es nur wenig Platz für Touristen. „Wir haben Platz für rund 200 Dauercamper und 20 Touristen“, sagt Brock. Zu seiner Anlage gehören aber auch eine Reihe an Appartements und sechs Stellplätze für Wohnmobile. Auch seine Anlage ist bis zum Ende des Jahres ausgelastet. Ralf Brock hat Verständnis: „Ich bin kein ängstlicher Typ, aber ich will auch nicht mit 200 anderen Menschen in einem Flugzeug nach Mallorca sitzen."

Auf ein Hygienekonzept für Campingplätze wartet Brock noch. Er habe sich mit der Tourismus GmbH Möhnesee abgestimmt. „Jeder zweite Waschplatz ist zum Beispiel geschlossen“, erklärt er. Wenn das Konzept kommt, soll es unmittelbar umgesetzt werden.

Die Arbeit auf dem Campingplatz in Werl-Oberbergstaße ist liegen geblieben. Knapp zwei Monate konnten die Mitglieder vom Pächterverein OC Bochum den Platz nicht für die Saison vorbereiten. „Aber jetzt sind wir glücklich, dass wir wieder hier sein können“, freut sich der 1. Vorsitzende, Dirk Umbach. 

Der Werler Clemens Mertin, der den Platz an den Verein verpachtet, hat die Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt. „Mit Auflagen und einem Sicherheitskonzept, dürfen die Camper jetzt wieder ihren Platz nutzen“, erklärt Mertin. „Bei Gesprächen, um die Freigabe des Platzes, haben die mir bei der Stadtverwaltung gesagt: Die sind hier besser aufgehoben, als in Bochum“, lacht der Verpächter.

Bis an die Wohnwagen reicht das Wasser des Möhnesees auf dem Campingplatz am Südufer.

Auch auf dem Platz von Eckhard Urban wurden Maßnahmen getroffen. Wer sich zu den Sanitäranlagen begibt, der muss eine Maske tragen. An Ein- und Ausgängen wurden Desinfektionsspender aufgestellt. Dusch- und Waschkabinen seien aber ohnehin voneinander getrennt. 

Eckhard Urban ist froh, dass ihn seine zwei Mitarbeiter bei der Umsetzung der Neuerungen unterstützen. Die waren bislang in Kurzarbeit, müssen jetzt aber wieder kräftig anpacken. Die Camper halten sich an die Regeln. „Bisher gab es noch keinen Ausreißer“, erläutert Urban.

In Werl kommen die Camper – bis auf wenige Ausnahmen – aus dem Ruhrgebiet. „Wir freuen uns immer, wenn wir hier abschalten können“, sagt Kassierer Herbert Haas.

Der Platz und die Nasszellen in Werl müssen abgeschlossen sein. Jedes Mitglied hat einen Schlüssel, Toiletten und Duschen dürfen nur einzeln genutzt werden. „Desinfektionsmittel stehen in allen Räumen“, fügt der Vorsitzende hinzu.

Starker Zusammenhalt unter den Campern

Der Clubraum für 60 Personen bleibt zunächst geschlossen. „Unsere internen Feiern, wie das Anzelten zu Saisonbeginn oder die Osterfeier, wurden abgesagt. Die Vorbereitungen, die normalerweise im März beginnen, starten jetzt so langsam in Kleingruppen.“

„Aber erst einmal sind wir glücklich, dass wir unser idyllisches Plätzchen wieder nutzen können“, freut sich Rainer Kaltenbach aus Fröndenberg. Rund die Hälfte der 30 Parzellen waren am vergangenen Wochenende belegt. „Die älteren trauen sich noch nicht und bleiben lieber in ihrer Stadtwohnung“, erklärt Umbach. Seit 1955 ist der Verein auf dem Campingplatz in Oberbergstraße zuhause. Ein starker Zusammenhalt herrscht unter den 30 Familien. „Wir dürfen auch wieder Gäste empfangen“, erklären die Dauercamper. Prompt öffnet sich das Tor und Besuch aus Geldern kommt herein. „Aber trotzdem passen wir auf und erfüllen die Abstandsregeln“, verspricht Umbach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare