Straßen gleichen Schweizer Käse

Es bricht und bröselt überall: Auf Eis und Schnee folgen Schlaglöcher

Am Boleweg, nahe Piel und Toom-Baumarkt, hat der Frost Teile der Fahrbahn in eine Trümmerwüste verwandelt.
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Am Boleweg in Soest, nahe Piel und Toom-Baumarkt, hat der Frost Teile der Fahrbahn in eine Trümmerwüste verwandelt.

Kaum ist der Schnee geschmolzen, tritt im Kreis Soest zutage, was der Frost mit den Straßen angestellt hat. Schlaglöcher bergen die Gefahr verknackster Knöchel, Achs-Schäden und Stürze vom Fahrrad. Die Bauhöfe haben in den kommenden Wochen viel Arbeit vor sich.

Werl/Soest - Allein der Kreis muss 500 Kilometer abfahren. Doch diese Streckenkontrolle ist für den Baubetriebshof mit Sitz in Erwitte Tagesgeschäft: Die Mitarbeiter sind ganzjährig unterwegs, und ein Zyklus dauert zwei Wochen, sprich, an jeder kontrollierten Stelle kommen sie nach 14 Tagen erneut vorbei.

Landkreis: Kreis Soest (NRW)
Regierungsbezirk:Arnsberg
Bevölkerung:301.655 (Stand 2016)

Denn die Inspektion muss natürlich in einem gemächlichen Fahrtempo geschehen, damit nichts übersehen wird: „Deshalb sind sie auch zu zweit, ein Fahrer, der sich auf den Verkehr konzentriert, und ein Oberstraßenwärter, der die Augen nach Schäden aufhält“, so Bernd Dohle, Leiter des Bauhofs. „Dazu zählen natürlich alle Arten von Schäden. Aktuell achtet man auf den Zustand des Asphalts natürlich etwas mehr.“

Schlaglöcher im Kreis Soest: Loch in der Mitte ist wichtiger

Bereits die Kontrolleure stellen eine Prioritätenliste auf. Einfach ausgedrückt: Ein Loch mitten in der Fahrbahn ist wichtiger als ein gleichgroßes am Rand. Aber weniger wichtig als ein gleichgroßes auf dem Radweg: „Denn für einen Radfahrer stellt so ein Loch eine deutlich höhere Gefahr dar.“ Die Kolonnen arbeiten diese Listen ab, verfüllen die Löcher provisorisch mit Kaltasphalt, der nicht allzu lange hält, Hauptsache, das Loch ist erst einmal verfugt. Später wird das Loch dauerhafter mit Heißasphalt verspachtelt. Das ist aufwendiger, sorgt daher auch für eine längere Beeinträchtigung des Verkehrs – ein gängiges Verfahren beim Kreis, in den Kommunen und beim Landesbetrieb Straßen-NRW.

Auf Radwegen sind Frostaufbrüche besonders gefährlich, wie hier auf dem Westenhellweg.

Dass dabei aus einem Loch hinterher meist ein Buckel wird, hat seinen Grund: „Der Asphalt senkt sich in der Regel noch etwas ab. Daher fahren wir hinterher selber noch einmal drüber, damit das Material sich verdichtet.“ Die anfallenden Kosten sind Teil des Gesamtetats, daher kann Dohle nur grob schätzen: „Vielleicht entfallen 40- bis 50.000 Euro im Jahr auf solche Maßnahmen.“

Auch in Soest sind die anfallenden Kosten Teil eines größeren Topfs. Die Hauptverkehrsstraßen werden wöchentlich kontrolliert, die Wirtschaftswege alle acht Wochen, so Stadtsprecher Thorsten Bottin. Auch hier wird zunächst mit Kaltasphalt geflickt: „Wichtig ist, dass die Gefahr durch die Schäden erst einmal gebannt ist.“

Feuchtigkeit dringt durch Risse in den Asphalt ein, der Frost dehnt sie aus und bringt den Asphalt zum Platzen.

Die Straßenkontrolle des Werler Baubetriebshofes fährt die Straßen im Stadtgebiet in unterschiedlichen Intervallen ab, um Schäden aufzunehmen. „Eine Hauptverkehrsstraße ist dabei natürlich häufiger in der Kontrolle als ein Wirtschaftsweg im Felde“, so Kathrin Lutter, Leiterin der Bauhöfe. „Dies geschieht natürlich ganzjährig und nicht bloß nach starken Frösten. Die daraus resultierende Liste wird dann unter dem Aspekt der Relevanz im Straßenverkehr sortiert und abgearbeitet.“ Am Montag sollen Ausbesserungsarbeiten beginnen. Der Kommunalbetrieb Werl setzt im Gegensatz zum Kreis dafür Heißasphalt ein.

Zu sagen, dass für die Behebung solcher Schäden kein Geld da sei, geht nicht.

Oscar Santos, Straßen-NRW

Straßen-NRW kontrolliert ohnehin ein- bis zweimal pro Woche, im Wissen, dass die Landes- und Bundesstraßen vom Fernverkehr besonders stark beansprucht werden. Sprecher Oscar Santos: „Im Sinne des Verkehrssicherungsgesetzes wird schnellstmöglich reagiert. Zu sagen, dass für die Behebung solcher Schäden kein Geld da sei, geht nicht.“ Besonders betroffen sei zurzeit die B475 zwischen Oestinghausen und Hultrop.

Wie entsteht ein Schlagloch?

Auf einmal ist da ein Loch in der Straße. Warum genau dort, warum nicht auch an anderer Stelle? Bernd Dohle hat eine einfache Antwort: „Dort war die Fahrbahn auch vorher schon beschädigt, zum Beispiel durch einen Riss.“ Feuchtigkeit dringt ein, sammelt sich unter der Fahrbahn, bei Frost dehnt sie sich aus, hebt den Asphalt an, bringt ihn zum Platzen. Obendrein verbleibt das Wasser unter der Decke und weicht den Untergrund auf. Da weiterhin Autos oder gar schwere Lkw darüber fahren, wird das Loch natürlich mit der Zeit immer größer. Obendrein führen Schnee und Glätte zu Unfällen und abgerutschte Fahrzeuge beschädigen die Banketten.

Mehr Schäden als in den Vorjahren hinterließ der Frost am Möhnesee. Hier, am „Tor zum Sauerland“, liegt gewöhnlich schon eine dichte Schneedecke, bevor in Soest die erste Flocke fällt. Die Schäden seien bereits aufgenommen, sowohl durch die Kontrollen wie auch durch Bürger, die sie telefonisch bei ihm meldeten, so Uli Grundtner von der Abteilung Bauwesen. Anfang der Woche beginnen die Arbeiten – auch hier erst provisorisch, später dauerhaft.

Schnee und Frost haben den Straßen stark zugesetzt. Schlaglöcher wie diese hier an der Neheimer Straße halten die Bauhöfe in den kommenden Wochen in Atem.

In Soest als digitaler Modellkommune können die Bürger Straßenschäden online melden. Laut Dohle plane auch der Kreis, eine solche Seite einzurichten. Für Radwege gibt es die Möglichkeit bereits. Hier geht´s zum Radwege-Mängelmelder des Kreises.

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