Spontan auf den Weg gemacht

Bauern und Bauunternehmer helfen: 60 Freiwillige aus dem Kreis Soest mit schwerem Gerät in Ahrweiler

Mit ihren Traktoren und Lastwagen bringen die Helfer aus dem Kreis Soest den zerstörten Hausrat der Einwohner zur Deponie.
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Mit ihren Traktoren und Lastwagen bringen die Helfer aus dem Kreis Soest den zerstörten Hausrat der Einwohner zur Deponie.

Es gab Aufrufe in WhatsApp-Gruppen und auf Facebook und ganz viele Landwirte haben sich spontan auf den Weg gemacht, um den Flutopfern in Ahrweiler zu helfen. Kreislandwirt Joachim Pehle aus Erwitte ist einer der Organisatoren dieses Hilfsangebots.

Kreis Soest – Er hat die Hochwassereinsätze mit koordiniert und „in den letzten Tagen 12 bis 14 Stunden am Tag gearbeitet.“ Die Freiwilligen aus dem Kreisgebiet haben sich gegenseitig mobilisiert: „Wir sind nicht nur Landwirte. Es sind auch Bauunternehmer und Landschaftsgärtner dabei, die zehn Trecker mit Anhängern, unterschiedliche Bagger und einen 35 Tonnen Kran ins Krisengebiet gefahren haben. Am Montag hatte der schwere Geländekran gegen Mittag bereits das erste Autowrack am Haken“, berichtet er. Auch sein Trecker sei seit Montag in Ahrweiler im Einsatz. Insgesamt seien es „mindestens 25 Fahrzeuge aus dem Kreis Soest.“

Auf dem Land kennt man sich – und leiht sich notfalls auch schweres Gerät, wenn man selbst keins hat. Tobias Kahr aus Bad Sassendorf, der gerade seine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen hat, fährt am Wochenende mit einem Kumpel ins Krisengebiet, um dort zu helfen. „Mein Chef hat uns Fahrzeuge organisiert, damit wir Bauschutt wegräumen können“, freut er sich. Und das in der Haupterntezeit? „Wir splitten uns auf und nehmen doppelte Arbeit in Kauf“, sagt Kahr. „Die Gerste ist zum Glück schon drin, der Weizen muss noch ein bisschen warten.“

Auch Lukas Busemann aus Ense ist mit weiteren Landwirten und fünf Fahrzeugen aus der Gemeinde in Ahrweiler. Erste Eindrücke: „Man kann sich das nicht vorstellen, selbst wenn man die Fernsehbilder gesehen hat. Ich hatte eine Gänsehaut, als ich all den Schutt, die Asche und die zerstörten Möbel gesehen habe.“

Die freiwilligen Helfer arbeiten im Schichtbetrieb, um nebenbei auch die eigene Ernte einzufahren. Busemann: „Wir kommen tageweise und wenn der eine geht, kommt der andere nach.“ Auch Leute mit Kleintransportern seien dabei, die helfen, die unbrauchbaren Möbel aus den Häusern zu holen und zu einer Deponie abzutransportieren. Er selbst hilft, Schutt zu räumen.

Landwirtin Ute Schilling aus Möhnesee gehört ebenfalls zu den Freiwilligen. Sie legt Wert darauf, dass sie mit mehreren Mitgliedern der Initiative „Land schafft Verbindung“ im Kreis Soest vor Ort hilft. Um die Ernte zu Hause kümmert sich so lange ihr Mann. Schilling berichtet, dass jetzt auch für die freiwilligen Helfer vor Ort gesorgt werde. „Anfangs haben wir irgendwo privat übernachtet oder im Bulli. Es gibt keinen Strom, nur kaltes Wasser. Jetzt sollen wir in einer Kaserne in der Nähe untergebracht werden.“ Oder in Zelten der Bundeswehr.

Kreislandwirt Joachim Pehle betont, dass die Einsätze der Freiwilligen von der Bundeswehr vor Ort mit koordiniert werden. Inzwischen arbeiten die freiwilligen und offiziellen Helfer Hand in Hand. Das Landratsamt Ahrweiler hat den Überblick und kann sagen, wo noch welche Hilfe gebraucht wird.

Was auf jeden Fall nicht gebraucht wird, sind weitere Sachspenden oder private Helfer, die einfach so anreisen. Diese würden nur die Straßen verstopfen und damit die Aufräumarbeiten behindern.

Wer helfen will, kann auf jeden Fall Geld spenden oder die Websites der betroffenen Städte besuchen. Dort könne man sehen, ob und wer oder was aktuell gebraucht wird.

Josef Lehmenkühler, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Soest, lobt das Engagement der Landwirte: „Ich habe großen Respekt vor diesem Einsatz. Zumal die Leute auf privaten Schäden sitzen bleiben, etwa wenn sie sich bei den Aufräumarbeiten ein Loch in einen Treckerreifen fahren. Das zahlt ihnen niemand.“

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