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Verzicht auf Impfstatus-Abfrage - aber besondere Regeln für Ungeimpfte im Kreis Soest

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Von: Marcel Voß

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Auf eine offizielle Abfrage des Impfstatus verzichtet ein Großteil der Unternehmen und Kommunen im Kreis Soest. Dennoch werden diejenigen Angestellten, von denen bekannt ist, dass sie bislang nicht vor dem Coronavirus geschützt sind, in einigen Punkten anders behandelt als ihre Kollegen.

Kreis Soest - Rund 3500 Menschen müssen der Stadt Dortmund ihren Impfstatus mitteilen. Das betrifft Mitarbeiter in Kitas, Schulen und beim Rettungsdienst. Wer sich weigert, dem kann eine Abmahnung oder sogar Freistellung ohne Bezahlung drohen. Hintergrund ist, dass Mitarbeiter im Bildungs- und Gesundheitsbereich mittlerweile gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihrem Arbeitgeber den Impfstatus mitzuteilen.

InfektionskrankheitCOVID-19 (Corona)
Impfquote Deutschland (Stand 19.10.2021)65,7 Prozent (Quelle: ourworldindata.org)
Impfquote Kreis Soest69,6 Prozent (Quelle: KVWL)

Die Soester Kreisverwaltung lehnt eine solche Abfrage unter ihren rund 1500 Mitarbeitern ab. „Denn eine Impfpflicht besteht ja nicht“, sagt Kreis-Sprecher Wilhelm Müschenborn. Allerdings gelte anlassbezogen – beispielsweise bei besonderen Terminen und Veranstaltungen – die 3G-Regel, sodass im Zweifelsfall ein negatives Testergebnis vorgelegt werden muss, um teilnehmen zu können. Diese Regelung verlaufe reibungslos, so Müschenborn.

Ungeimpfte im Kreis Soest: Test nach Urlaub

Ähnlich sieht es in den Rathäusern der Städte Soest und Werl sowie der umliegenden Gemeinden aus. „Wir fragen den Impfstatus unserer Beschäftigten nicht generell ab. Dazu fehlt die gesetzliche Grundlage“, erklärt Brigitte Sliwa als Sprecherin der Stadt Soest. Das gilt nach Auskunft von Bürgermeister Matthias Lürbke auch für die Gemeinde Lippetal, ebenso in Welver, sagt Sprecherin Alicia Sommer.

Aber: Die aktuelle Corona-Schutzverordnung sieht vor, dass Nicht-Immunisierte, die länger als fünf Tage Urlaub hatten, bei der Rückkehr am Arbeitsplatz einen Negativtest vorlegen müssen. So erhalten auch die Kommunen einen Eindruck davon, wie hoch die Impfquoten in den jeweiligen Häusern sind. In Bad Sassendorf liege diese laut Frank Becker bei ungefähr 95 Prozent, in Körbecke „mit Sicherheit bei 99, wenn nicht sogar bei 100 Prozent“, sagt Möhnesees Bürgermeisterin Maria Moritz.

Obwohl es keine Repressalien geben soll, gelten für die wenigen Ungeimpften an vielen Stellen besondere Regeln. Im Bad Sassendorfer Rathaus werden sie zum Beispiel regelmäßig unter Aufsicht getestet, während die Geimpften und Genesenen Selbsttests zur Verfügung gestellt bekommen, die sie zuhause nutzen sollen.

Die Stadt Werl geht noch einen Schritt weiter. Zwar müsse sich niemand erklären, alle Beschäftigten können ihren Impfstatus auf freiwilliger Basis mitteilen. Doch ist die Impfung dort eine zwingende Voraussetzung, um im Doppelbüro sitzen zu dürfen. Probleme habe es damit bisher nicht gegeben. „Und die Impfangebote wurden von unseren Mitarbeitern auch sehr rege nachgefragt“, sagt Alexandra Kleine von der Werler Verwaltung.

Impfstatus-Abfrage: Ense fragt Kita-Mitarbeiter

Die Gemeinde Ense fragt die Daten derzeit lediglich von den 53 Mitarbeitern in den Kindertageseinrichtungen und Schulen ab, die dazu verpflichtet sind, Auskunft zu geben. Bislang tun sie das „bereitwillig“, bestätigt Petra Börger aus dem Rathaus in Bremen.

Der evangelische Kindergartenverbund des Kirchenkreises Soest-Arnsberg verzichtet ebenfalls auf eine offizielle Abfrage. Regina Kling weiß aber: „Mehr als 90 Prozent unserer rund 400 Erzieher in 31 Einrichtungen sind geimpft.“

Impfung
Ein Piks, der erstens vor dem Coronavirus schützt und zweitens viele Angelegenheiten im Berufsalltag erleichtern kann. © Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Und was gilt für die anderen? „Ungeimpfte müssen im Kita-Betrieb durchweg Maske tragen.“ Außerdem müssen ungeimpfte Kindergarten-Leiter einen Vertreter schicken, wenn die Kita-Leitungen zu einer Konferenz zusammenkommen, weil dabei die 2G-Regel gilt.

Die katholische Kindertageseinrichtungen Hellweg GmbH ist eine weitere Trägerin vieler Kindergärten in der Region. Geschäftsführer Michael Stratmann sagt, dass auch hier knapp 90 Prozent der Mitarbeiter vollständig geimpft seien. Das habe eine anonyme Abfrage vor circa vier Wochen ergeben. Auch hier gilt gemäß der Betreuungsverordnung des Landes NRW, dass sich nur immunisierte und getestete Beschäftigte ohne Maske in der Kita aufhalten dürfen.

Impfquote

In der Gesamtbevölkerung des Kreises Soest lag die Impfquote zu Beginn dieser Woche laut KVWL bei 69,6 Prozent (vollständig geimpft) beziehungsweise 71,8 Prozent (erstgeimpft). 5546 Menschen haben bereits eine Auffrischung bekommen.

Wie handhaben es die Unternehmen? Das Aquafun in Soest hat „nach Rücksprache mit dem Betriebsrat auf eine Impfstatusabfrage oder gar Pflichtimpfung verzichtet“, sagt Geschäftsführer Timo Schirmer, der von einer „recht hohen Impfquote im Team“ ausgeht.

Die 85 Mitarbeiter wurden auf die Corona-Risiken hingewiesen – und eine Impfung wurde ausdrücklich empfohlen. Schirmer betont aber auch: „Die Impfung ist die Privatangelegenheit und Entscheidung des Mitarbeiters. Hier soll er nicht bloßgestellt werden, wenn er sich dagegen entscheidet. Alle Mitarbeiter erhalten ein regelmäßiges, kostenloses Testangebot.“

Die Impfung ist die Privatangelegenheit und Entscheidung des Mitarbeiters. Hier soll er nicht bloßgestellt werden, wenn er sich dagegen entscheidet.

Aquafun-Geschäftsführer Timo Schirmer

Margarita Burgos Luque, Chefin der Restaurants „Solista“ und „Lamäng“, hat in ihren Betrieben 50 Mitarbeiter in Festanstellung und etwa 30 Aushilfskräfte. Sie fragt den Impfstatus nicht offiziell ab, weil sie aus Gesprächen weiß, wer geimpft ist und wer nicht. „Wir haben nur noch einen Mitarbeiter in der Küche, der nicht geimpft ist. Die einzige Konsequenz ist, dass er keinen Kontakt zu Gästen oder Lieferanten haben darf. Ansonsten überlasse ich es jedem selbst zu entscheiden, wie er leben möchte.“

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