Immer mehr Städter halten Hühner in Wohnsiedlungen

Frühstückseier aus dem eigenen Garten

Die Hühner Doris und Prilla lassen sich gern von Ralf Seep füttern.
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Die Hühner Doris und Prilla lassen sich gerne von Ralf Seep füttern.

Jeden Tag ein frisches Frühstücksei gnießen! Das hatte sich Ralf Seep immer schon gewünscht. Kein Wunder also, dass vorletztes Jahr drei Hühner in seinen Garten einziehen durften. Prilla und Doris – so heißen zwei von ihnen – wohnen in einem schicken Hühnerstall. Den hatte Familie Seep noch vor allem anderen angeschafft. Henni, die dritte im Bunde, hat kürzlich das Zeitliche gesegnet. Mit seinem Federvieh befindet sich der Werler Rechtsanwalt in wachsender Gesellschaft. Nicht nur auf dem Lande, auch in den Wohnsiedlungen der Städte schaffen sich immer mehr Menschen Hühner an.

Kreis Soest - Von den 1429 im Kreis Soest bekannten Haltern besitzen 709 bis zu zehn Hühner, 303 sogar nur bis zu fünf Hühner, berichtet Kreisveterinär Prof. Dr. Wilfried Hopp. Ihre Zahl nehme zu Der Trend zur Hühnerhaltung im kleinen Stil sei also erkennbar. Mit Bilder von mittlerweile verbotenen Legebatterien und enger Bodenhaltung im Kopf geht es den Neu-Haltern vor allem um Eines: ums Tierwohl, das ihnen selbst auch zugute kommt.

Sie wollen wissen, wie und wovon die Tiere leben, deren Produkte zu Lebensmittel verarbeitet werden. „Ich weiß, was meine Hühner zu essen bekommen“, sagt Ralf Seep. Vom Frühstücksei im Hotel kann er nicht sagen, was drin steckt. Darum verzichtet er auf Reisen konsequent darauf. „Die Eier aus eigener Hühnerhaltung schmecken auch besser“, meint Ralf Seep. Corona tut ein Übriges zur wachsenden Beliebtheit von Kleintieren und Federvieh.

Hühner sind hoftreu

Ralf Seeps Frau Svenja findet es vergnüglich, den Hühner zuzusehen und ihr Verhalten zu beobachten. Die Tiere büxen mal aus, sind aber „hoftreu“ und kommen, wenn’s dunkelt, stets zurück zum Stall. Aber: „Einen englischen Rasen kann man vergessen“. Wo Prilla, Doris und ihren Artgenossinnen am Werke waren, wächst buchstäblich kein Gras mehr.

Ob Sonntag oder Ostern ist, ist dem Federvieh herzlich egal. Deswegen herrscht noch lange nicht Hochkonjunktur im Hühnerstall. Der alte Schlager, der behauptet, „...ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei...“, stimmt also nicht.Selbst eine gute Legehenne schafft nicht mehr als 300 Eier im Jahr, also nicht mal jeden Tag eines. Prilla und Doris auch nicht – zumal sie schon älter und nicht mehr so produktiv wie in der Jugend sind. „Etwa drei Jahre lang“ legten Hennen Eier, sagt Andreas Brinkmann vom Rassegeflügelzuchtverein 1887 Soest/Schwefe 1995. Danach heißt es für die meisten: Ab in den Kochtopf.

Wer sich Hühner anschaffen will, sollte vorher mit den Nachbarn sprechen, rät Kreisveterinär Hopp, vor allem, wenn ein Hahn dabei sein soll. Nicht jeder hat Verständnis, wenn der Gockel pflichtschuldig um vier Uhr morgens kräht. Und nicht jeder mag das ununterbrochene Gackern und Scharren der Hennen. Wenn sich die Nachbarn ständig beschweren und das Ordnungsamt regelmäßig auf der Matte steht, macht die Hühnerhaltung keinen Spaß.

Hühner müssen gemeldet werden

Sind die Nachbarn einverstanden, gibt die jeweilige Stadt-Satzung vor, welche Auflage zu erfüllen sind, wie groß der Stall sein muss und wie viele Quadratmeter jedem Tier zustehen. Beim Kreis müssen die Hühner wegen der Geflügelkrankheiten angemeldet und pauschal zehn Euro bezahlt werden.

Und woher bekommt man das Federvieh? „Am besten vom Züchter“, rät der Kreisveterinär. Der Kleintiermarkt in Kaunitz, wo Ralf Seep seine drei Hennen kaufte, ist ohnehin derzeit geschlossen. Beim Züchter kann man sicher sein, nicht nur gute Tiere, sondern obendrein Tipps zur Haltung, zur Impfung und Stalleinrichtung zu bekommen.

Das neue Interesse am Huhn lässt sich allerdings (noch) nicht an der Mitgliederzahl in den Vereinen ablesen. „Zurzeit sind wir relativ gut aufgestellt, aber der Nachwuchs fehlt“, sagt Andreas Brinkmann vom Rassegeflügelzuchtverein 1887 Soest/Schwefe 1995. Sein Verein hat 35 Mitglieder, darunter acht Jugendliche.

Gleichwohl merkt Brinkmann, dass sich mehr Menschen für Hühner begeistern. Er und seine Züchterfreunde beantworten gerne Fragen. Er selber züchtet „lachende Hühner“, eine besonders seltene Art, kennt sich aber auch mit anderen Rassen aus. Zurzeit müssen die Tiere wegen der Geflügelpest eh im Haus bleiben, zumindest aber vor Wildvögeln geschützt werden.

Hühner braucehn Abkühlung

Brinkmann rät ohnehin dazu, den Hühnerstall so zu sichern, dass kein Marder, Waschbär oder Fuchs hineinkommt. „Nachts haben die Hühner keine Chance. Wenn’s hell ist, laufen sie weg oder flattern auf Bäume. Aber wenn’s dunkel ist, sehen sie nichts und sind den Räubern hilflos ausgeliefert.“

Und noch etwas gibt der erfahrene Züchter Neulingen mit auf den Weg: „Im Sommer muss man immer für Abkühlung sorgen. Die Hühner müssen immer genug zu trinken und Schattenplätze haben, wohin sie sich zurückziehen können. Sonst wird es ihnen zu heiß.“

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