Interview: Landwirt Josef Lehmenkühler zum Stand der Ernte

Kreis Soest - Sommerzeit ist Erntezeit. Über den Stand der Dinge und die Erwartungen in der heimischen Landwirtschaft sprach Nico Rading mit Kreislandwirt Josef Lehmenkühler.

Herr Lehmenkühler, schon ziemlich früh im Sommer sind Erntefahrzeuge auf den Straßen zu sehen. Wie weit sind Sie und Ihre Kollegen?

Die Getreideernte hat mit der Gerste angefangen, als die erste heiße Wetterphase herrschte. Dieser Zeitpunkt ist etwas überstürzt gekommen – Grillwetter für die Getreidekörner. Die haben von oben eine Menge abbekommen. Die Folge: Die Körner waren total trocken, gleichzeitig waren die Halme unten zum Teil noch grün. 

Hat sich das auf den Ertrag ausgewirkt?

Eher nicht. Wir sind mit der Gerstenernte eigentlich im Großen und Ganzen zufrieden. Das liegt daran, dass in der sogenannten Kornfüllphase noch genügend Wasser vorhanden war. Dann kam die Trocknung per Turbosonne. Alles gut.

Mit Blick auf die anderen Sorten, die noch dran sind: Welches Wetter wäre in den nächsten Tagen perfekt? 

Wir brauchen normales Sommerwetter, weil jetzt die Ernte von Triticale und Weizen ansteht. Ich persönlich rechne in diesem Bereich mit Ertragseinbußen, weil eben beim Weizen die wichtige Kornfüllphase genau in die trockene Wetterphase gefallen ist. Es fehlten Wasser und Zeit, um die Körner prall werden zu lassen. Letztlich wird man’s sehen, wenn es soweit bist. Manchmal ist die Natur ja auch für Überraschungen gut. 

Ist der Klimawandel schon jetzt ein Thema bei den Landwirten,wirkt er sich womöglich sogar auf strategische Entscheidungen aus, beispielsweise bei der Sortenwahl? 

Andere Sorten sind nicht unbedingt nötig. Wir müssen die Sorten allerdings anders aussuchen. Es gibt ein Riesenspektrum bei allen Früchten. Bis jetzt hat man die Frage „Wie tolerant geht die Sorte denn mit Trockenheit um“ hinten angestellt. Denn eigentlich leben wir ja mehr in einer Landschaft, in der wir mit Feuchtigkeit zu kämpfen haben. Der Aspekt „Reaktion der Sorte auf Trockenheit“ rückt jetzt wieder mehr in den Vordergrund. 

Gibt es Unterschiede zwischen den Standorten innnerhalb der heimischen Region?

 Ja. Wir haben zum Beispiel die Soester Börde mit einem super Boden, der die Feuchte lange halten kann. Das sieht bei den Kalkstein-Verwitterungsböden am Haarstrang oder im Lippetal mit zum Teil sehr sandigen Böden schon ganz anders aus. Da fehlt das Wasserhaltevermögen und man muss sich verstärkt um Sorten bemühen, die mit Trockenheit klarkommen. 

Kann man solche Böden als Laie erkennen? 

Am Mais zeigt sich das ziemlich deutlich. Auf den Bördeböden ist der Mais so grün, wie man es auch von früher gewohnt ist. Auf den zur Trockenheit neigenden Böden rollen sich die Blätter zum Teil schon etwas zusammen. Die Farbe ist auch nicht ganz so kräftig und erinnert an ein Palmenblatt. Es gibt Flächen, bei denen jetzt schon man sagen kann: Dieser Mais wird nichts mehr. 

Riskieren wir doch mal einen Blick in die Glaskugel. Glauben Sie, dass sich das von Feldern und Äckern geprägte Landschaftsbild in zehn Jahren noch so präsentiert wie heute?

Man wird auf jeden Fall in Zukunft mehr Bewässerungsanlagen sehen. Und zwar weniger beim Getreide, sondern vielmehr bei den hochwertigen Früchten wie Kartoffeln oder Gemüse. Da lohnt sich der Aufwand schon eher und man investiert auch in solche Anlagen. Beim Getreide dagegen kann man vielleicht auch mal einen Verlust akzeptieren.

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