Gerade weil ihnen an Leseförderung liegt, wollen CDU und SPD den Soester Bücherbus aufgeben und das Geld gezielt  einsetzen

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Sie werben für Nein-Stimmen beim Bürgerentscheid zum Bücherbus: Markus Patzke, Ulrich Häken, Wilfried Jäger und Christian Klespe.

Soest - „Für jeden, der unter dem Wegfall des Bürgerbusses leidet, finden wir eine individuelle Lösung.“ Mit solchen Versprechen und einer Initiative zur Stärkung der Leseförderung an den Schulen werben CDU und SPD im Kreistag, beim derzeit laufenden Bürgerentscheid mit „Nein“ zu stimmen.

Nein zum Bürgerbus, der hat sich „nun wirklich überlebt“, sagen die beiden Fraktionschefs Ulrich Häken und Wilfried Jäger. „Er ist aus der Zeit gefallen, spätestens seitdem es iPhones gibt.“ Und vor allem: „Die es wirklich nötig hätten, überhaupt etwas zu lesen und ein Buch in die Hand zu nehmen, sind noch nie zum Bücherbus gekommen.“ 

Mal gerade 1 500 der über 300 000 Menschen im Kreis Soest hatten zuletzt das Angebot genutzt. Von Nachfrage oder Notwendigkeit könne wirklich nicht die Rede sein. Solche Zahlen verschweige die Initiative denn auch gern, die erst das Bürgerbegehren (Unterschriftensammeln) und nun den Bürgerentscheid vom Zaun gebrochen habe.

Was Jäger „fast verzweifeln lässt“: Die Initiative unterstelle ihm und anderen Politikern, etwas gegen Leseförderung zu haben. Dabei gebe es kaum ein anderes Anliegen, das ihm mehr am Herzen liege. Bloß: Mit dem Bücherbus komme man dem Ziel, mehr (junge) Menschen für Bücher zu begeistern, keinen Millimeter näher. Das müsse vielmehr systematisch und durchdacht an Schulen und in Kitas passieren; deshalb habe man auch auf Kreisebene einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, nach Modellen Ausschau zu halten: Das Geld für den Wegfall des Bücherbusses solle eben nicht eingespart, sondern effizient ausgegeben werden.

 Ohne gezielte Leseförderung ticke „eine riesige gesellschaftliche Zeitbombe“, befürchtet Jäger. Schon heute könne ein Viertel der Viertklässler nicht lesen. „Wenn wir uns nicht um die kümmern, werden die uns eines Tages die Antwort geben.“ 

Doch man habe vergeblich versucht, darüber mit der Initiative zu reden. Die setze ausnahmslos auf Emotionen, so SPD-Kreistagsabgeordneter Christian Klespe. Sein Kollege Markus Patzke (CDU) reibt sich an Flugblättern und Anzeigen, in denen die Bücherbus-Retter gar Zweijährige ins Bild rücken und sie mit Erwachsenem-Sprech zitieren: „Beim Zeitabenteuer muss lustige und gruselige Lektüre aus dem Bücherbus immer dabei sein.“

 Auf dieses Niveau wolle man sich nicht herabziehen lassen. Patzke: Das wäre genau so, wenn wir auf die Tränendrüse drücken, ein totes Rehkitz fotografieren und dazu den Spruch setzen: „Vom Bücherbus überrollt“.

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