Viele Einsätze für die Freiwillige Feuerwehr

Interview mit Christoph Blume: "Da geht man auf dem Zahnfleisch"

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In Welver stand eine Lagerhalle in Flammen

Kreis Soest - Es waren turbulente Tage und Nächte für die Feuerwehr in Soest – rund um das Wochenende gab es nahezu ununterbrochen Einsätze. Im Interview erklärt der stellvertretenden Soester Wehr-Chef Christoph Blume nachgefragt, wie er diese Tage erlebt hat.

Wie geht es, Herr Blume? Ausgeschlafen nach diesem Wochenende? 

Christoph Blume: So langsam wieder. 

Was war denn alles los? 

Blume: Es war stressig – so ein Wochenende haben wir schon lange nicht mehr gehabt: Vollgelaufene Keller in Ampen, ein Großbrand in Welver, Leute, die sich ausgesperrt hatten und wo das Essen noch auf dem Herd kochte. Dazu ein Kind, das sich im Auto eingeschlossen hatte, eine Reihe von Fehlalarmen, Äste auf der Straße und dann noch der Brand Sonntagnacht bei Aldi und gleich danach ein Alarm am Berufskolleg... 

Kommt man da noch vernünftig ins Bett, oder gerät man in seinem Rhythmus völlig aus der Spur? 

Wehr-Vize Christoph Blume

Blume: Man muss schauen, wie man sich das einteilt mit den Nickerchen zwischendurch. Das ist nicht immer einfach, aber es klappt. Wenn sich die Einsätze so häufen wie an diesem Wochenende, dann geht man natürlich auf dem Zahnfleisch, wie es so schön heißt. Es sind aber auch nicht immer die gleichen Leute, die Dienst machen – das geht reihum bei den Löschzügen. An diesem Wochenende war überwiegend der Innenstadtzug 1 draußen. 

Wir haben eine Freiwillige Feuerwehr in Soest, das bedeutet unter dem Strich viel Stress für gar kein Geld, Mecker in der Familie oder vom Chef und diese ewige Kritik, dass Sie den Leuten den Schlaf rauben, wenn Sie mit einem Höllenlärm in den Einsatz rauschen. Warum tun Sie sich den Stress an?

Blume (lacht): Nun, es gibt viele, die sagen, man müsste schon ein bisschen verrückt sein, um bei der Feuerwehr mitzumachen. Feuerwehr fasziniert, das war schon immer so: Viel Technik, eine große Gemeinschaft, es ist nie langweilig. Aber eigentlich sind wir Dienstleister: Wir produzieren Sicherheit – darum geht’s. Weil wir aufpassen, weil wir da sind, können die Soester beruhigt schlafen. Wer bei uns mitmacht, ist genau darauf stolz, will sich für andere einsetzen. Was den Krach in der Nacht angeht, da müssen wir mit der Kritik leben – es gibt klare Vorgaben, wie viel Fahrzeuge, wie viele Einsatzkräfte raus müssen, wenn ein Alarm kommt. Blaulicht und Martinshorn auf leerer Kreuzung in der Nacht? Das hat rechtliche Gründe, weil Sicherheit vorgeht. 

Freiwillige Feuerwehr, das läuft nicht ohne das Okay von Partnern, Familie und vor allem vom Chef. Wie läuft’s in Soest? 

Blume: Stimmt, das muss passen. Gerade bei den Arbeitgebern: Vier, fünf Einsätze an einem Arbeitstag, das kann durchaus passieren. Für Soest können wir sagen: Die Chefs meckern nicht, die geben frei – weil sie wissen, was sie an ihrer Feuerwehr haben. Ich sage mal ‘Dankeschön!’ an dieser Stelle. 

Die Feuerwehr hat Nachwuchssorgen, heißt es immer wieder. Gibt’s auch in Soest schon bald eine Kindergartenfeuerwehr? 

Blume (lacht): Nein, nein – hier in Soest läuft es gut. Einerseits haben wir in der Stadt und auf den Dörfern tolle Jugendfeuerwehrgruppen, die sind richtig aktiv – das ist die Zukunft für unsere Freiwillige Feuerwehr. Und andererseits stellen wir fest: Immer mehr finden so zwischen 30 und 40 Jahren Spaß an der Feuerwehr, machen zwei Jahre die Ausbildung bei uns und gehen dann in den aktiven Dienst. Die Altersbeschränkungen von früher gibt’s nicht mehr: Wer Lust hat, kann mitmachen – aktiv ab 18 Jahren. 

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