Verbraucher in Verantwortung

Ferkel-Kastration: Unser Einkaufszettel als unsere Regierungserklärung

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Kreis Soest - Die Debatte um die Kastration von Ferkel ist hitzig und emotional. Aber: Nein, liebe Verbraucher, es ist nicht so: Es sind nicht die bösen Bauern, die ihre Tiere möglichst nachhaltig quälen, nur um ihren Gewinn zu maximieren. Ein Kommentar zum Thema.

Es ist nicht der übermächtige Handel, dem wir hilflos ausgeliefert sind. Und es ist auch nicht die Politik, die ohne Rücksicht auf Mensch und Tier tut, was die Lobbyverbände ihr diktieren. Die heimischen Landwirte haben das Wohl ihrer Tiere durchaus im Blick. 

Gleichzeitig müssen sie darauf achten, dass sie ihren Betrieb wirtschaftlich führen. Diese Gratwanderung zwischen Ökologie und Ökonomie ist umso schwieriger, je mehr die globalen Preise und je mehr die politischen Rahmenbedingungen schwanken. 

„Vierter Weg“ bleibt für die Landwirte versperrt

Dass wachsende Dokumentationspflichten und pauschale Verunglimpfungen dafür sorgen, dass Landwirte zwischen ausufernder Bürokratie und unsachlichen Anfeindungen aufgerieben werden, macht die Lage nicht einfacher. 

Wunsch nach tiergerechter Haltung

Beispiel Schweinefleisch: Der Ruf von uns als Verbraucher nach tiergerechter Haltung ist legitim. Der Ruf nach möglichst wenig Tierleid auch. Entsprechende Gesetze gibt es. Aber es ist zu einfach, „den Politikern da oben“ den schwarzen Peter zuzuschieben. Wir selbst haben eine Verpflichtung, die Dinge genauer anzusehen – und Schlüsse daraus zu ziehen. 

Im Klartext: Unser Einkaufszettel ist unsere Regierungserklärung. Bei jedem Einkauf. Wir wollen artgerechte Tierhaltung, draußen mit Wiese, drinnen mit Spielzeug und Stroh und noch dazu biologische Fütterung? Kein Problem: Die heimische Landwirtschaft bietet entsprechende Produkte zum entsprechenden Preis. Wir wollen Spielzeug für Schweine, dazu Stroh statt Spaltenböden? Die Angebote gibt es. Wir wollen, dass Schweine nicht mehr kastriert werden? Fragen wir unseren Metzer nach Eberfleisch oder nach geimpften Tieren. 

Klare Regelung ist notwendig

Tun wir das, dann wird sich der Handel darauf einstellen. So lange wir die Augen verschließen vor den Realitäten und möglichst billig möglichst viel Fleisch essen, wird sich kaum etwas ändern. Und die Politik? Die hat es versäumt, den Landwirten bei der Ferkelkastration eine praktikable Lösung an die Hand zu geben. Dass nun eine Verlängerung der gängigen Regelung geplant ist, ist ein mutloses Signal hin zu einem „irgendwie weiter so“. 

Nötig wäre eine klare Regelung, damit die Ferkelzüchter in der Soester Börde wissen, woran sie sind. Eine Regelung, die Ökologie und Ökonomie berücksichtigt – und den Erhalt der Betriebe in der Region im Blick hat. Oder wollen wir demnächst immer mehr Produkte aus dem Ausland im Supermarkt finden? Wohl kaum.

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