Der Autositz bleibt ein Mysterium

Familientragödie auf der A44 bei Anröchte: Anklage wegen fahrlässiger Tötung

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Der Fahrer dieses Passats gilt als Unfallverursacher. Er wurde so schwer verletzt, dass ein Hubschrauber ihn in eine Spezialklinik fliegen musste.

Anröchte - Die Ermittlungen zur tödlichen Familientragödie auf der A44 bei Anröchte im Juli 2018 wurden eingestellt. Eine wichtige Frage blieb ungeklärt. Ein 63-Jähriger muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Ein auf der Fahrbahn liegender Autositz blieb bis zum Ende der Ermittlungen das große Mysterium. 

Er gilt als Ausgangspunkt für den folgenschweren Auffahrunfall, bei dem ein Familienvater ums Leben kam, eine Mutter und ein weiterer Mann schwerste Verletzungen erlitten und ein Sohn, der den Verkehr warnen wollte, nur hilflos zusehen konnte und einen schweren Schock erlitt.

Der Sohn, ein 28-Jähriger aus dem Kreis Lippe, hatte am Abend des 10. Juli seinen VW Sharan auf der linken Fahrspur der A44 bei Anröchte zum Stillstand bringen müssen, da dort ein Autositz im Weg lag. 

Er stieg aus, wollte den rückwärtigen Verkehr warnen, doch da war es bereits zu spät: Ein 63-Jähriger aus Holzminden erkannte die Gefahrenstelle in seinem VW Passat zu spät und krachte beinahe ungebremst in den vor ihm stehenden Wagen. 

In diesem VW Sharan kam der Familienvater, ein 48-Jähriger, ums Leben. Sein Sohn erlitt einen schweren Schock, die Mutter musste ebenfalls ausgeflogen werden.

Der 48-jährige Vater des Sharan-Fahrers saß bei der Kollision auf dem Beifahrersitz und erlitt tödliche Verletzungen. Die Mutter des 28-Jährigen saß links auf der Rücksitzbank. Sie und der Passat-Fahrer wurden so schwer verletzt, dass beide mit Rettungshubschraubern in Spezialkliniken geflogen werden mussten.

Schnell kamen die Ermittler zu der Erkenntnis, dass der herumliegende Autositz das erste Glied in der tödlichen Verkettung war. 

Dieser Sitz, der vor dem Unfall auf der linken Fahrspur lag, gilt aus Ausgangspunkt für die Tragödie.

Zeugen hatten ausgesagt, dass er zuvor von einem Anhänger mit dem Kennzeichenfragment "RE-JK" gefallen war. Auf diesem Anhänger soll sich der Sitz zunächst in einem Fahrzeugchassis eines VW-Oldtimers befunden haben, ehe er auf die Fahrbahn fiel.

Die Polizei Dortmund, in deren Zuständigkeitsgebiet der Autobahnabschnitt liegt, fahndete mit einem Foto des Sitzes nach dessen Eigentümer. Ohne Erfolg. 

Die Polizei fahndete mit einem Foto des Sitzes nach dessen Eigentümer - ohne Erfolg.

"Wir konnten den Verlierer des Sitzes nicht ermitteln. Sämtliche Ermittlungsansätze wurden verfolgt, es wurde viel gemacht. Doch der entscheidende Hinweis blieb aus", erklärte ein Polizeisprecher.

Passat-Fahrer soll 156 km/h schnell gewesen sein

Als Verursacher des Unfalls gilt laut Polizei und Staatsanwaltschaft Paderborn der Passat-Fahrer, der auf den Sharan aufgefahren war. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Ein Unfallgutachter hatte ermittelt, dass der Angeklagte zum Unfallzeitpunkt mit 156 Stundenkilometern unterwegs war.

Der Aussage des Gutachters zufolge wäre die Kollision bei einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern vermeidbar gewesen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung herrschte im Bereich der Unfallstelle nicht.

Tödlicher Verkehrsunfall auf der A44 bei Anröchte

Aber: "Im Straßenverkehr gilt, dass man zu jeder Zeit auf Gefahrensituationen reagieren und sein Auto stoppen können muss - auch auf der Autobahn", betonte die Polizei.

Einen Termin für die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Lippstadt gibt es noch nicht.

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