Eltern und Lehrer sehen Probleme

Längere Weihnachtsferien sind umstritten

Die Idee von Ministerpräsident Armin Laschet, die Weihnachtsferien zu verlängern, ist umstritten.
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Die Idee von Ministerpräsident Armin Laschet, die Weihnachtsferien zu verlängern, ist umstritten.

Soest/Werl - Ambivalent stehen Lehrer und Eltern dem Vorschlag von Ministerpräsident Armin Laschet gegenüber, die Weihnachtsferien zu verlängern und sie statt am Mittwoch, 23. Dezember, schon zwei Tage früher am Montag, 21. Dezember, beginnen zu lassen. Familien könnten so länger in freiwilliger Quarantäne bleiben, meint Laschet.

„Im Blick auf das Infektionsgeschehen mag die Idee ja gut sein“, sagt Hildegard Coester, Leiterin der Soester Bruno-Grundschule. „Aber wo sollen wir dann den Stoff unterbringen? Die Kinder müssen ja auch was lernen.“

Darüber hatte sich der Ministerpräsident schon Gedanken gemacht und vorgeschlagen, Ferientage zu Karneval nächstes Jahr zu streichen und stattdessen Unterricht zu machen. Der Plan greift aber zu kurz, weil in Soest zu Karneval nie unterrichtsfrei ist. Im östlichen Teil von Nordrhein-Westfalen spielen die „närrischen Tage“ nicht die große Rolle wie im Rheinland.

„Wir in Soest haben schon die Brauchtumstage zur Kirmes verlegt“, sagt Jörg Fitzian, Leiter der Soester Sekundarschule und macht damit deutlich, welche regionalen Unterschiede es im Bundesland gibt. Klar, Flexibilität sei das Gebot der Stunde für Schulen. Aber es müsse auch Kontinuität und Planungssicherheit geben. Im Hinblick Pandemie und Inzidenzzahlen sei Laschets Idee „prinzipiell gut“, aber wer wisse schon, ob sich alle Schüer und Eltern an die Quarantäne-Regelungen halten.

Überhaupt seien die Kinder in der Schule mit ausgeklügelten Hygiene-Regeln besser aufgehoben als zuhause. Daheim probierten die Kleinen vielleicht mit ihren Freunden das neue Weihnachtsspielzeug aus – und keiner trage Maske, so wie es in der Schule gang und gäbe sei, meint Anne Rammelmann, Mutter eines Grundschülers und Vorsitzende der Elternpflegschaft in der Werler Norbertschule.

Einen weiteren Aspekt wirft Benedikt Abel, Sonderschulkonrektor an der Hedwig-Dransfeld-Schule (HDS) in Werl auf. Die Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung besuchen mehr als 240 Kinder. Diese Schule wirke auch familienentlastend, sagt Abel. Denn viele herausfordernden Schüler brauchten besondere Betreuung.

Nicole Gerlach, Mutter einer 14-Jährigen HDS-Schülerin und Ansprechpartnerin für Eltern mit Autismus-Kindern, sieht verlängerte Ferien ebenfalls zwiespältig. „Berufstätige Alleinerziehende bekommen dadurch ein Betreuungsproblem“, weiß sie. Andererseits seien zwei Wochen durchgehend frei für die Kinder eine klare Sache. Gerade Autismus-Kinder brauchten erkennbare Strukturen. Schlimm sei es für sie, wenn an einem Tag keine Schule sei, am nächsten Tag aber doch wieder. Die Hedwig-Dransfeld-Schule lässt wegen Personalmangels und wegen der Pandemie derzeit an jedem Wochentag eine andere Klasse zuhause bleiben.

Hauptsache, die Anweisungen vom Ministerium kommen früh genug. Dann, ist Sandra Schenkel, Leiterin der Sälzer-Sekundarschule in Werl, sicher, kriege man alles hin. Denn wenn die Schulen in diesem Jahr eines gelernt hätten, dann sei es, flexibel zu reagieren.

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