Modellkommunen

Einzelhandelslabor Südwestfalen untersucht Chancen für den Handel 

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n seinem Geschäft „Feingemachtes“ in Bad Sassendorf bietet Inhaber Volker Kirst Eingemachtes nach Hausmacherart an. Eine eigene Homepage gibt es auch, einen regelrechten Online-Handel aber nicht, wenngleich ein Versand der Produkte an auswärtige Kunden durchaus erfolgt, so Antje Balogh, Mitarbeiterin in der Verwaltung.

Kreis Soest - Bücher, Bekleidung, Musik und elektronische Geräte, und alles in einer schier unglaublichen Bandbreite: Der Einkauf übers Internet setzt den etablierten Einzelhandel erheblich unter Druck. Die IHK Arnsberg und ihre Partner wollen dem Trend mit dem Einzelhandelslabor Südwestfalen begegnen, das ab dem 1. April auf Touren kommen wird.

Nach einer wissenschaftlich begleiteten Bestandsaufnahme sollen für den Einzelhandel Workshops angeboten werden, um aussichtsreiche Strategien weiter zu geben. Zudem soll der Einzelhandel generell sensibilisiert werden für die Chancen, die das Internet auch für den „kleinen Händler“ vor Ort bieten kann.

Nach Angaben der IHK Arnsberg wird für die kommenden Jahre damit gerechnet, dass sich etwa 30 Prozent des Umsatzvolumens von den guten alten Ladengeschäften auf den Online-Handel verlagern werden. Mit Folgen für den Einzelhandel selbst, aber auch für die Bevölkerung vor Ort, wie die IHK Arnsberg betont. Verödete Innenstädte, lautet hier ein Stichwort.

Attraktivität der Region sinkt

Ein Niedergang des stationären Einzelhandels vor Ort hätte für die Versorgungsqualität in stark dezentralisierten Regionen wie Südwestfalen erhebliche Auswirkungen. Hinzu kämen negative Effekte bezüglich der Attraktivität einzelner Kommunen. Diese Folgen seien, etwa mit Blick auf industrielle Fachkräfte, bereits spürbar. 

Nach Auffassung der IHK besteht daher dringend Handlungsbedarf: „Der mittelständische, inhabergeführte Einzelhandel hat in weiten Teilen noch kein probates Mittel gefunden, sich in diesem neuen Wettbewerbsumfeld zu orientieren“, erklärt Thomas Frye, Geschäftsbereichsleiter der IHK Arnsberg. Oft fehle es an Zeit und Wissen, um neue Vertriebs- und Kommunikationskonzepte zu entwickeln, in die das Internet integriert ist.

In der Fußgängerzone in Bad Sassendorf finden die Einzelhändler ihr Auskommen, schwieriger wird es auch im Kurort bei 2b-Lagen wie aktuelle Leerstände in der Bahnhofstraße zeigen

Chancen, auch für den lokalen Einzelhandel, sieht Frye mit dem Internet aber auch. Der Großteil der Kunden nutze alle Vertriebskanäle. Zudem sei das Internet für viele Kunden eine wichtige Möglichkeit, um sich vorab zu informieren. Und dies wird immer wichtiger. Mehr als 50 Prozent der stationären Umsätze geht mittlerweile eine Online-Information der Kunden voraus. Auch hier will das Projekt ansetzen und nach Lösungen suchen, wie Einzelhändler dieses Verhalten nutzen können.

Ein Pfund, mit dem der örtliche Einzelhandel wuchern kann, ist nach Auffassung von Wirtschaftsförderer Matthias Arndt aus Bad Sassendorf das Erlebnis Einkauf: „Das ist bei uns im Kurort noch gut gegeben, wegen der durchgängigen Fußgängerzone.“

Kompetente Partner beim Einzelhandelslabor

Die Initiative für das Einzelhandelslabor bewertet Arndt positiv, weil mit der IHK und der FH Südwestfalen/Soest kompetente Partner dahinter stehen. „Das ist ein interessantes Projekt, auch wegen der Rückkoppelung an die Einzelhandelssituation im Kreis Soest, aber der Erfolg steht und fällt mit der Workshop-Phase.“ Soll heißen, dass die Kaufleute Chancen und Möglichkeiten aktiv aufgreifen sollten. Arndt: „Viele Kaufleute im Kurort sagen: ,Läuft doch!’ Aber das ist ein bisschen kurz gedacht.“

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