Extremer Hagel in Neuengeseke

Unwetter im Kreis Soest: Mehr als 110 Einsätze für die Feuerwehr

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Das ist tatsächlich Hagel! Und zwar in unendlichen Massen. Feuerwehr und Anwohner arbeiteten in Bad Sassendorf-Neuengeseke Hand in Hand.

[Update 21.34 Uhr] Kreis Soest - Was für eine Bilanz: Bis 21.30 Uhr zählte die Leitstelle am Dienstag etwa 110 durch das Unwetter bedingte Einsätze der Feuerwehr, die im Laufe des Tages im Kreis abgearbeitet werden mussten. Am Abend waren unter anderem noch Einsatzstellen in Bad Sassendorf-Beusingsen, Neuengeseke, Enkesen, Werl-Holtum und Anröchte hinzu gekommen. Wir fassen den Tag hier zusammen.

  • Gewitter und Starkregen sind am Dienstag über den Kreis Soest gezogen.
  • Überflutete Straßen sorgten für Einschränkungen im Verkehr. 
  • Die Feuerwehren im Kreis waren mehr als 110 Mal im Einsatz. 

Das Unwetter im Überblick

Hagel, Wasser, Schlamm

Fünf Kommunen des Kreises Soest wurden am Dienstag schlagartig von unwetterartigen Regenfällen ins Visier genommen. 

Keller wurden überflutet, Schlamm von den Feldern über ganze Straßenzüge in Gebäude geschwemmt: Kreisweit war die Feuerwehr mehr als 110 Mal im Einsatz. Besonders heftig traf es dabei die Städte Werl und Geseke, dort gab es einen Großteil der Einsätze. Die weiteren Unwetterkommunen waren Möhnesee, Anröchte und Bad Sassendorf. 

Im Bad Sassendorfer Ortsteil Neuengeseke zeigte sich das Wetter von seiner wohl eindrucksvollsten Seite: Knöchelhoch hatten sich dicke Hagelkörner über mehrere Straßen ergossen. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Maik Eberhard von der Feuerwehr Bad Sassendorf. Er leitete den Einsatz und musste mit seinen Einsatzkräften gleich an zwei Fronten gegen die Unwetterfolgen kämpfen.

Unwetter in Bad Sassendorf: Feuerwehr und Bewohner kämpfen gegen Hagel- und Schlamm-Massen

Die Feuerwehr war um 14.24 Uhr zur Neuengeseker Heide gerufen worden, weil Schlamm-Massen vom Regenwasser angetrieben unaufhaltsam von einem angrenzenden Feld über die Straße in ein Wohngebäude gespült wurden. Gemeinsam mit den Bewohnern nahmen die Feuerwehrleute den Kampf gegen die braune Brühe auf und hielten den Gebäudeschaden so gering wie möglich. 

Etwa 30 Meter entfernt wohnt der Neuengeseker Andreas Krieger: Aus dem Fenster heraus sah er das schlammige Unheil auf sein Haus zukommen. Dieser Anblick weckte Erinnerungen in ihm. Im August 2011 wurde Neuengeseke schon einmal von einer Schlamm-Welle, die von den Feldern herangespült worden war, erwischt. „Es sah genauso aus wie vor ein paar Jahren“, schilderte Krieger seine Eindrücke von Dienstag. 

Unwetteralarm um 14.50 Uhr

Die Hagelmassen überraschten aber auch ihn. Ihnen wurden die Einsatzkräfte gemeinsam mit den Anwohnern mit Besen, Muskelkraft und einer großen Portion Geduld in kleinen Schritten Herr. Währenddessen wurde um 14.50 Uhr der Unwetteralarm für Teile des Kreises ausgerufen. 

Unwetter in Werl

Das bedeutete, dass die Kräfteanzahl in der Soester Rettungsleitstelle hochgefahren wurde, um das hohe Aufkommen an Notrufen entgegennehmen zu können. Zudem bildete sich ein Mini-Stab im Rettungszentrum mit Führungskräften der einzelnen Hilfsorganisationen. 

Brandeinsätze in Werl und Geseke

Neben der breiten Palette an Unwetter-Einsätzen wurde es in Werl und Geseke auch noch brenzlig: An der Antoniusstraße in Werl war der Blitz in ein Wohngebäude eingeschlagen. Es blieb aber bei einer Rauchentwicklung. In Geseke war es in einem mit Wasser vollgelaufenen Keller zu einer Rauchentwicklung gekommen. Auch hier konnte eine Gefahr schnell ausgeschlossen werden. 

Gegen 17 Uhr konnte vorerst Entwarnung gegeben werden. Die Ruhe nach dem Sturm wurde nur noch vom Geräusch der Besen und Flitschen durchdrungen, mit denen die Unwetter-Folgen beseitigt werden mussten.

So berichteten wir im Newsticker

+++ Über die App "Nina" wurde soeben Entwarnung gegeben.

+++ Die Feuerwehr Anröchte teilt mit: "Derzeit sind wir an über 13 Einsatzstellen im gesamten Gemeindegebiet unterwegs. Keller sind aufgrund der starken Niederschläge vollgelaufen. Auch Fahrbahnen wurden überflutet und müssen von Schlamm befreit werden."

+++ Das Wetter hat sich beruhigt. Auf dem Regenradar sind nur noch einzelne Zellen zu erkennen, die möglicherweise über den Kreis Soest ziehen. Laut Vorhersage ist das Schlimmste überstanden. Was bleibt sind die Folgen: Vollgelaufene Keller im ganzen Kreisgebiet, starke Verschmutzungen durch weggespülten Schlamm, wie in Bad Sassendorf. Die Aufräumarbeiten sind bereits in vollem Gange.

+++ Wir haben eine Bilderstrecke zum Feuerwehr-Einsatz in Bad Sassendorf-Neuengeseke hochgeladen. Dort mussten Feuerwehr und Anwohner gegen Schlamm- aber vor allem Hagelmassen kämpfen. Der Schlamm war durch den zwischenzeitlichen Starkregen von den Feldern auf die Straßen und in einige Gebäude gespült worden. 

+++ Auch in Geseke kommt neben dem Unwetter- jetzt auch noch ein Brandalarm hinzu. In einem Keller soll es eine Rauchentwicklung geben.

+++ Die Sperrung ist wieder aufgehoben. Die Büdericher Bundesstraße war zwischen dem Salzweg und der Hochstraße voll gesperrt.

+++ Wie Warnapp Nina hat soeben ausgelöst: "Aufgrund eines Starkregenereignis im Bereich der Stadt Geseke kommt es zu einem erhöhten Einsatzaufkommen. Achten Sie auf eine mögliche Überflutung von Straßen und betreten Sie keinen vollgelaufenen Keller."

+++ Die Büdericher Bundesstraße in Werl ist  zwischen dem Salzweg und der Hochstraße wegen der Überflutungen vollgesperrt, teilt die Polizei mit.

+++ Die ersten Feuerwehren im Kreis besetzen präventiv ihre Gerätehäuser, um schnell ausrücken zu können.

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Land unter in Werl: Starkregen und Überschwemmungen

+++ Der Bad Sassendorfer Einsatzleiter Mike Eberhardt hat Hagelmassen wie diese zuvor noch nicht erlebt, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt: "Wir wurden um 14.24 Uhr alarmiert, da Schlamm durch ein Haus gelaufen ist. Mit 15 Einsatzkräften haben wir dann sowohl das Haus als auch die Straßen gereinigt. Das Unwetter traf uns unvorbereitet."

+++ Die Lage in Werl ist weiterhin angespannt: An der Antoniusstraße in Sönnern soll der Blitz eingeschlagen sein. Dort wurde der Feuerwehr ein Brand gemeldet. Auch an der Marienschule in Büderich soll das Wasser auf dem Schulhof kniehoch stehen, dringt aber dank der geschlossenen Tür nicht ins Schulgebäude.

+++ Auch die Notfallinformations-App Nina schickt eine Warnung für unsere Region raus.

+++ Die Feuerwehr in Werl bildet einen Einsatz-Krisenstab. Auch die Polizeiwache befindet sich in Alarmbereitschaft. 

+++ Andreas Krieger aus Neuengeseke beschreibt im Gespräch mit unserer Redaktion das Szenario vor seiner Haustür: "Die Schlammassen kamen mit hohem Tempo die Straße runter. Das ist der Lehm von den Ländereien, das hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal. Der Boden ist einfach nicht fest genug und kommt dann hier die Straße herunter."

+++ Sirenenalarm in Bad Sassendorf! 

+++ In Neuengeseke bei Bad Sassendorf hat Schlamm von den Feldern die Straßen überspült.

+++ Die Feuerwehren im Kreis sind unter dem Stichwort "Unwetter" alarmiert. Schwerpunktmäßig sind vor allem Werl mit bereits zehn Einsätzen, Anröchte, Neuengeseke und Möhnesee betroffen. Vor allem vollgelaufenen Keller und überspülte Straßen. Der Einsatzleiter der Feuerwehr Neuengeseke sagte: "Wir rechnen damit, dass noch etwas kommt."

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"Bei Blitzschlag besteht Lebensgefahr! Während des Platzregens sind kurzzeitig Verkehrsbehinderungen möglich."

Hochwasser vor fast genau einem Jahr

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass der Kreis Soest von starken Regenfällen heimgesucht wurde. Am 1. Juni 2018 gab es unter anderem in der Soester Innenstadt Hochwasser

Die roten Punkte markieren Blitze, die am Dienstag gegen 13.50 Uhr westlich von Soest registriert wurden.

Auch die weiteren Aussichten für diese Woche sind nicht die besten: An Christi Himmelfahrt (Donnerstag) müssen sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen auf maues Ausflugswetter einstellen. Es sei zunächst bewölkt, im Verlauf des Tages werde es voraussichtlich Schauer geben, sagte Sabine Krüger vom DWD am Dienstag.

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Lediglich im Osten des Landes könnte es trocken bleiben. Die Temperaturen lägen um die 20 Grad. Am Abend vor dem Feiertag bleibt es freundlich und trocken. - jek

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