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Dealer versteckt Drogengeld im Brautkleid - Angst vor "Glatze"

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Von: Michael Dülberg

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Drogen, hundertausende Euros, ein Brautkleid als Versteck - der zweite Tag des Lippetaler Drogenprozesses beförderte einige skurrile Details zutage.

Lippetal/Arnsberg – So rund 150 000 Euro seien es gewesen, die Drogen-Dealer Mehmet F. nach und nach von Sommer 2019 bis Mitte Oktober bei seiner Schwester in ihrem Haus versteckte. Das berichtete sie jetzt im Zeugenstand vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg bei ihrer gut einstündigen Vernehmung. Maria M. wusste zwar offenkundig, dass es sich um Drogengeld handelte, konnte ihrem älteren Bruder die Bitte, das Geld für ihn zu bunkern, jedoch nicht abschlagen. So wanderten die Scheine ins Versteck, und das war nach eigener Aussage der Zeugin das Brautkleid im Schrank der jungen Frau. 

Nur zögerlich räumte Maria M. ein, was sie ahnte oder wusste und wie genau sie und ihr Ehemann in die kriminellen Händel verstrickt waren. Die Befragung durch Richterin Henkel, Richter Althaus und die Staatsanwaltschaft förderte Einzelheiten zum Geschehen zutage. Es wurde klar, dass die Schwester aus Lippetal wissen musste, was da gespielt wurde, zumal ihr Bruder schon einmal wegen Drogendelikten in Untersuchungshaft gesessen hatte. Immer wieder war sie von ihm aufgefordert worden, das Geld im Brautkleid zu zählen, damit auch ja nichts fehlt. Einmal waren tatsächlich 200 Euro verschwunden, die das Ehepaar aus eigenem Portemonnaie beisteuern musste. 

Mal seien es im Brautkleid 20 000 und mal bis zu 50 000 Euro gewesen. Insgesamt bezifferte Maria M. die Gesamtsumme, die man versteckt hatte, auf rund 150 000 Euro. 

Während sie eine gewisse Kumpanei mit ihrem Bruder, dem Drogenhändler, einräumen musste, und auch zugab, den bisher großen Unbekannten den „unsympathischen“ Hintermann „Glatze“ mehrmals bei ihr zuhause gesehen zu haben, konnte sie glaubhaft machen, selber mit Drogen nichts zu tun zu haben. Auch Alkoholkonsum sei bei ihr kein Thema. Andererseits konnte sie auch nicht so recht erklären, wie ein paar Gramm Haschisch von der Polizei in ihrem Auto gefunden werden konnten. „Glatze“ schilderte sie als gefährlich. „Das ist einer, der Leute schickt“, erklärte sie und dass sie Angst hatte, dass jemand kommen und sich das Geld aus dem Versteck holt. 

Deutlich wird im Prozess, dass das Gericht und die Staatsanwaltschaft über Kenntnisse verfügen, die aus den polizeilichen Vernehmungen und sicher auch von der Telefonüberwachung und der Auswertung der Handys der Beschuldigten stammen. Richter und Staatsanwaltschaft stellten gezielt Fragen, denen die Angeklagten sich nicht mit Ausreden entziehen konnten. 

Zudem wird eine gewisse Naivität der Beteiligten erkennbar: Der Angeklagte Ivan P. aus Beckum war am 30. September von der Polizei in einem Taxi mit einem Kilo Haschisch erwischt worden und hatte daraufhin sein Handy weggeworfen. Das deutet auf eine vermutete Telefonüberwachung hin. Dass der Hauptangeklagte Mehmet F. im Oktober dennoch unbeirrt weiter in relativ großem Stil mit Drogen und „Glatze“ Geschäfte machte, ist daher rational eher unverständlich. Andererseits stand er selber meistens erheblich unter Alkohol und Drogen und hatte hohe Schulden und keine Einkünfte aus Arbeit, so dass sein Dealen wohl zwangsläufig fortgesetzt werden musste. 

Der Angeklagte Halef O. brachte dem Gericht bei der Befragung mehr Erkenntnisse zu seiner Beteiligung an dem Handel. Er hatte den Dealer Mehmet F. nach eigener Aussage etwa vor einem Jahr in einem Soester Bistro kennen gelernt und fortan bei ihm Haschisch, Marihuana und Kokain erworben. Schließlich hatte ihm das rund 700 Euro Schulden eingebracht. Deshalb ließ er sich vom Händler gegen geringes Entgelt als „Läufer“ engagieren. Er brachte im Auftrag von Mehmet F. abgepackte Pakete Drogen von 5 bis 10 Gramm an die Kunden. 

Halef O. wiederholte vor Gericht mehrfach, dass er nur seine Schulden habe abarbeiten wollen und das Läufer-Dasein anschließend beenden. Allerdings machte ihm dabei seine Sucht vor allem nach Kokain immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Während er von Mehmet F. für seine Tätigkeit als Kurier mit kleinen Beträgen zum Schuldenabbau und für den Lebensunterhalt entlohnt wurde, kaufte er sich wieder Drogen, wenn er Geld hatte oder konsumierte auf Pump. So lief der Schuldenabbau sehr schleppend. 

Ehe Halef O. den Kredit abgestottert hatte, kam die Polizei und damit das Ende des Deals. Auch der Traum der Errichtung eines angeblich geplanten Bunkers für Drogen und Geld in Lippetal platzte am 14. Oktober, als das Sondereinsatzkommando die Beteiligten einholte und den kriminellen Handel stoppte. 

Am Montag wird der Prozess am Landgericht Arnsberg um 9 Uhr fortgesetzt.

Der Prozess

Vor der Großen Strafkammer des Landgerichtes Arnsberg unter Vorsitz von Richterin Henkel und ihrem Kollegen Althaus wird gegen fünf Angeklagte verhandelt, die sich laut Staatsanwaltschaft im Zeitraum von Anfang bis Mitte des Jahres 2019 mit weiteren Personen zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben sollen, um professionell verschiedene Drogen in größerem Umfang „gewinnbringend zur Sicherung illegaler Einkünfte und ihres eigenen Lebensunterhalts sowie zur Befriedigung ihrer Konsumwünsche zu verkaufen.“ Vor allem dem Hauptangeklagten wird Handel mit Rauschgift und Benzos in erheblichem Ausmaß vorgeworfen. Andere waren als Kunden, Läufer, Kuriere, Fahrer und Geldhüter eingebunden.

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