Sortimente werden erweitert

Luftreiniger sind jetzt gefragt - Händler: Absatz dürfte im Winter steigen

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Andreas Wenner und „Expert Humpert“ haben Luftreiniger Corona-bedingt ins Sortiment aufgenommen.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sollen Räume regelmäßig gelüftet werden. Eine Alternative sind Luftreiniger. Händler erweitern ihr Sortiment entsprechend.

Soest/Werl – Die ersten Autofahrer mussten am Donnerstag die Scheiben ihrer Fahrzeuge freikratzen – die Temperaturen fallen, der bevorstehende Winter kündigt sich an. Damit geht auch einher, dass es durch das Corona-bedingte Lüften immer ungemütlicher wird. Viele Elektro-Fachmärkte aus der Region haben deswegen mobile Raumluftreiniger in ihr Sortiment aufgenommen. 

„Durch Corona ist die Nachfrage nach solchen Geräten überhaupt erst aufgeflammt“, berichtet Andreas Wenner von Expert Humpert in Werl. Noch halte sich die Nachfrage zwar in Grenzen, aber Wenner ist sicher, dass das Interesse wetterabhängig sei: „Wenn es kälter wird und nicht mehr ganz so viel und regelmäßig gelüftet werden kann, wird die Nachfrage wohl steigen.“

Grundsätzlich, so der Fachmann, sei solch ein Raumluftreiniger auch in Privaträumen nicht falsch. Doch in Firmen oder Wartezimmern, „wo noch mehr verschiedene Menschen zusammenkommen“, würden die Geräte vorrangig Sinn machen. „Für 150 Euro gibt es schon super Geräte. Nach oben gibt es wie so oft keine Grenze. Das hängt in erster Linie von der Raumgröße ab, für die das Gerät vorgesehen ist“, erklärte Andreas Wenner.

Wichtig seien vor allem die speziellen Filter in den Geräten, die feinste Partikel bis zu 0,003 Mikrometer binden könnten, so Wenner. Zum Vergleich: Mit Blick auf mögliche Corona-Infektionen seien 30 bis 40 Mikrometer große Tropfen interessant, erklärte Bernhard Weigand, der am Institut für Thermodynamik der Luft- und Raumfahrt der Universität Stuttgart unter anderem zur Tropfendynamik forscht.

Michael Richter von Pohle Raumgestaltung.

Michael Richter von Pohle Raumgestaltung in Soest geht mir seiner Corona-bedingten Sortiments-Erweiterung noch einen Schritt weiter und setzt auf den Luftreiniger eines österreichischen Herstellers, der nicht mit klassischen Filtern arbeitet, die man wechseln muss. Sein Gerät funktioniert mit künstlich erzeugtem Ozon. „Diese Methode wirkt nachweislich und TÜV-zertifiziert gegen das Coronavirus, indem die Viren zu 100 Prozent abgetötet und nicht einfach nur herausgefiltert werden“, erklärte Richter. Auch bei ihm sei die Nachfrage zwar noch „relativ entspannt“, doch rechnet auch er mit einem weiter steigen Absatz mit fallenden Temperaturen und steigender Bekanntheit der Alternative zum Stoßlüften.

Er persönlich nutze das Gerät selber bei sich zuhause: „Im Grunde genommen gibt es keine feste Zielgruppe – es lohnt sich sowohl in privaten als auch in geschäftlichen Räumen, in Schulen oder der Gastronomie.“ Ein Demonstrations-Modell hatte er am Donnerstag, als der Anzeiger zu Besuch war, nicht auf Lager: „Das letzte Gerät wurde kurz zuvor gekauft. Ich habe aber schon nachbestellt.“ Auf die Filter-Alternative sei er selber durch eine Raumausstatter-Fachzeitung aufmerksam geworden. Im Vergleich zu normalen Filter-Geräten hat die Ozon-Variante jedoch auch einen höheren Preis: „Zwischen 900 und 1200 Euro“ würden je nachdem, für welche Raumgröße das Gerät gedacht ist, fällig, so Richter.

Auch bei Max Wendrich in Soest habe es bereits vereinzelte Nachfragen gegeben. „Die Planungen laufen, unser Sortiment entsprechend anzupassen“, erklärte Peter Wolfgang.

Bei der Auswahl seien neben der Raumgröße auch die Aufenthaltsdauer sowie die Anzahl der Personen im Raum zu berücksichtigen. „Es ist ja nicht so, dass sich jederzeit mehrere Infizierte stundenlang in einem Raum aufhalten. Sondern viel wahrscheinlicher, dass sich ein oder vielleicht zwei Personen mit Coronavirus im Raum befinden. Und je länger diese Personen anwesend sind, desto mehr Aerosole stoßen sie aus. Ein Beispiel: Lässt sich eine erkrankte Person in einem größeren Frisörsalon die Haare schneiden, steigt die Virenkonzentration in der Raumluft weniger stark als in einem kleinen Zwei-Personen-Büro, in dem ein erkrankter Mitarbeiter acht Stunden sitzt“, erklärte Dennis Peters von der Firma Kampmann, die unter anderem auf Lüftungstechnik spezialisiert ist. „Deswegen ist es wichtig, die Anzahl und die Leistung der mobilen Geräte auf die konkrete Anwendungssituation abzustimmen.“

Er empfiehlt Luftreiniger in Büros, Praxis-Wartezimmern, Dienstleistern wie Friseuren, Kosmetik- oder Fitnessstudios. In Privaträumen, so Peters, reiche aufgrund der üblichen Personen-Anzahl und -Konstellation „die Fensterlüftung vollkommen aus, sofern sie regelmäßig geschieht.“

Alle aktuellen Infos zum Coronavirus im Kreis Soest finden Sie fortlaufend in unserem News-Ticker.

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