Das Virus und seine Auswirkungen

Corona und Container: Darum sollten Sie Ihre Altkleider-Spende besser zuhause lassen

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Kleidercontainer in Soest: Die Sammler bitten, vorerst nicht zu spenden.

Wer ausgediente und dazu noch bestens erhaltene Kleidung zum Altkleidercontainer gebracht hat, hat Gutes getan. Wer auf diesem Wege die beteiligten Hilfsorganisationen weiter unterstützen möchte, tut gut daran, die alten Kleider erstmal zu Hause zu lassen.

Kreis Soest - Der Grund: Entsorgungswirtschaft Kreis Soest und Hilfsorganisationen schlagen Alarm – Corona hat auch die bewährten Verwertungsketten für aufgetragene Klamotten außer Kraft gesetzt. „Unser Verwerter hat uns ganz klar gesagt, dass er uns nicht mehr die gewohnten Mengen abnehmen kann“, erklärt Heinrich Gehlmann, Sprecher des Rot-Kreuz-Kreisverbandes, der, wie auch Kolpingwerk und Malteser im Kreis Soest, Kleidercontainer aufgestellt hat. 

Bislang sah beim DRK die Praxis so aus, dass die Kleiderspenden im Kreis von Rot-Kreuz-Mitarbeitern vorsortiert wurden. Besonders gut erhaltene Stücke kamen in die Kleiderkammern, den großen Rest nahm ein Verwerter in Norddeutschland ab. Dort wurde nach Qualität und Größen weiter sortiert. Was noch irgend verkäuflich war, kam zu Ballen gepresst in den Export nach Asien, Afrika oder Osteuropa, das, was nur noch als Textilmüll zu bezeichnen war, landete im Schredder und trat als Putzlappen oder Dämmmaterial eine zweite Karriere an. Durch die Corona-Krise sind den Verwertern die Absatzwege im Export aber teils versperrt und die Lager sind voll. 

Coronavirus im Kreis Soest: 2000 Tonnen Altkleider in 300 Containern

„Der Engpass bei der Altkleider-Verwertung war in den letzten Wochen bereits absehbar“, sagt Gabi Graute-Wilms, Sprecherin der Entsorgungswirtschaft Soest (ESG), die den Hilfsorganisationen als Kooperationspartner zur Seite steht. Immerhin rund 2000 Tonnen Altkleider landen jährlich in den etwa 300 Sammelcontainern zwischen Ruhr und Lippe. Jetzt appelliert die ESG an die Bürger, die abgelegten Brocken so lange zuhause zu lagern, bis die Flaute in der Verwertung wieder vorbei ist. Wann das sein wird, sei aber nicht absehbar, sagt Gehlmann: „Das wäre Kaffeesatzleserei.“ 

Die Folgen für die Hilfsorganisationen hingegen lassen sich schon jetzt sehr konkret beziffern. DRK-Sprecher Gehlmann: „Das sind für uns keine Peanuts. Neben Mitgliedsbeiträgen und Geldspenden sind die Einnahmen aus der Altkleidersammlung für uns die wichtigste Einnahmequelle.“ Die Auswirkungen der Kleider-Krise sind bis in die Ortsverbände zu spüren. Gehlmann: „Wir haben den Haushalt für das laufende Jahr schon entsprechend angepasst.“ 

Blick in einen mobilen Container des DRK. Hier stapeln sich die Altkleider-Säcke.


Das bedeutet in der Praxis: Bislang hat der Kreisverband, in dessen Kasse ein Anteil der Mitgliedsbeiträge der Ortsverbände geflossen ist, einen Teil dieser Einnahmen wieder an eben diese zurückgespielt, wenn dort zum Beispiel größere Anschaffungen zu schultern waren. Diese Zuwendungen sind jetzt nicht nur reduziert, sondern „auf Null heruntergefahren“ worden, sagt Gehlmann. 

Bei der ESG hofft man, dass der Kleider-Kreislauf irgendwann wieder ans Laufen kommt. Bis dahin sind die Leute gebeten, die alten Kleider nach Möglichkeit daheim zu horten. Da erfahrungsgemäß aber viele Menschen trotzdem ihre ausgedienten Textilien zu den Containern tragen, bleiben diese vor Ort. Nikolaus Windsheimer, Leiter Dienstleistungen bei der ESG: „Wir tun alles dafür, dass sich an den Containern kein Müll sammelt und stellen die Leerung auf jeden Fall sicher.“ Die Sachen müssten dann eben anderweitig entsorgt werden. Bei dieser Variante würden aber nicht nur die Hilfsorganisationen in die Röhre schauen, sondern am Ende auch alle Verbraucher, da die nicht verwertbaren Altkleider auf Kosten der Allgemeinheit als Restmüll entsorgt werden müssten.

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