Austausch mit der Kanzlerin

Coronavirus: Merkel informiert sich bei Experten aus dem Gesundheitsamt Kreis Soest

Vorstands-Klausur der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
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Kanzlerin Angela Merkel, hier bei einer Vorstands-Klausur der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, stand jetzt im Austausch mit Dr. Andrea Gernun vom Gesundheitsamt des Kreises Soest.

Im Kampf gegen Corona steht der öffentliche Gesundheitsdienst mit an vorderster Front. Jetzt hat sich die Kanzlerin persönlich Expertise bei den Fachleuten aus dem Gesundheitsamt des Kreises Soest geholt.

Kreis Soest - Die Mitarbeiter sind Tag für Tag gefordert, Infektionsketten zu erkennen und zu kappen, Fälle zu melden, Quarantäne anzuordnen und zu kontrollieren, Kontakte nachzuverfolgen - ein unfassbarer Aufwand.

In einer Videokonferenz im Bundeskanzleramt mit Regierungschefin Angela Merkel richteten sich jetzt die Blicke nach Soest: Die Leitende Amtsärztin Dr. Andrea Gernun berichtete, wie sich die Behörde personell aufgestellt hat, um in einer Ausnahmesituation, für die es keine Blaupause gibt, professionell, schnell und effektiv zu handeln.

 Während des virtuellen Dialoges präsentierten fünf Gesundheitsämter ihre Strategien, der Pandemie zu begegnen und die Menschen, die in ihrer Verantwortung stehen, vor dem weltweit verbreiteten Virus zu schützen. Andrea Gernun schilderte die in einem halben Jahr im Kreis Soest gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse, auch Amtsleiter aus Gütersloh, Köln, Reutlingen und Frankfurt am Main kamen zu Wort. Ein jeweils gut zweiminütiger Einspieler veranschaulichte die Praxis-Beispiele. Am zweiten Teil der Gesprächsrunde nahmen unter anderem Gesundheitsminister Jens Spahn teil sowie Prof. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institutes (RKI).

Merkel im Kontakt zum Kreis Soest: Wertschätzung aus Berlin

Gernun sieht die Einladung auch als Wertschätzung für den wichtigen Einsatz, den die Mitarbeiter seit dem Frühjahr auf hohem Level leisten. Schaut sie zurück auf die Anfänge, dann denkt sie an die ständig steigenden Fallzahlen in den ersten Wochen und die immer neuen Verordnungen. „Wir haben früh erkannt, dass wir mit unseren originären Strukturen die Herausforderungen nicht bewältigen können“, erklärt sie. 

Um für die Krise gerüstet zu sein, seien zwölf schlagkräftige Schwerpunkt-Teams gebildet worden, die von allen Aufgaben – wie den Befundeingang, Kontaktpersonenrecherche und Symptomabfrage – jeweils einen speziellen Teilbereich übernehmen. Die kleinen Einheiten ermöglichen es, so Gernun, auch fachfremde Mitarbeiter einzubinden, ihnen die nötige Sicherheit in der Ausführung zu geben und sie je nach Lage bedarfsorientiert und tagesaktuell auf Knopfdruck abzurufen. 

Merkel im Kontakt zum Kreis Soest: Zusätzliches Personal

Zu den 66,5 Stellen mit 91 Köpfen sei somit als Verstärkung ein Pool mit 100 Personen aufgebaut worden, die sich auf 75 Vollzeitstellen verteilen. Die Leitende Amtsärztin: „Wir haben kurzfristig drei Ärzte eingestellt und eine Zeit lang Unterstützung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erhalten.“ Darüber hinaus seien RKI-Scouts angefordert worden, die Mitte Oktober kommen sollen. „Außerdem wollen wir noch fünf Mitarbeiter in medizinischen Assistenzberufen einstellen“, führt Gernun aus. 

Sie spricht von einem enormen Kraftakt bei Koordination und Organisation. Was das Personal alles schaffen muss, macht sie an zwei Zahlen deutlich: Bei sonst üblichen 2000 Eingängen meldepflichtiger Erkrankungen pro Jahr, liegen schon jetzt innerhalb von nur sechs Monaten 14 000 Datensätze vor. Wie es weitergeht? Wie lange Corona noch so gravierend den Alltag bestimmt? Ein Ende ist nicht in Sicht, es gibt immer noch keine Perspektive. „Niemand weiß, was kommt“, sagt die Behörden-Leiterin. Was das für die Mitarbeiter bedeutet? Sie sind viele Stunden im Dienst, auch am Wochenende, und kommen durch die dauerhafte Belastung an ihr Limit.

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