Wie die Quarantäne-Regeln kontrolliert werden

Quarantäne nach Corona-Ausbruch: Nur in zwei Kommunen im Kreis Soest wohnen keine Tönnies-Arbeiter

177 Mitarbeiter des Schlachtbetriebs Tönnies wohnen laut aktuellen Erkenntnissen im Kreis Soest.
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177 Mitarbeiter des Schlachtbetriebs Tönnies wohnen laut aktuellen Erkenntnissen im Kreis Soest.

In 12 der 14 Kommunen des Kreises Soest wohnen Mitarbeiter des Schlachtbetriebes Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück.

Kreis Soest – Lediglich in den Gemeinden Möhnesee und Wickede gibt es laut Angaben des Kreises Soest keine Angestellten der Firma Tönnies aus dem Kreis Gütersloh. 

Insgesamt handelt es sich laut aktuellen Erkenntnissen um 177 Tönnies-Mitarbeiter, die sich im Kreis Soest derzeit in Quarantäne befinden. Drei von ihnen wurden bislang positiv auf das Coronavirus getestet – zwei in Lippstadt, einer in Geseke-Störmede.

Tönnies-Mitarbeiter im Kreis Soest: Auch Angehörige in Quarantäne

Durch eine Allgemeinverfügung von Landrätin Eva Irrgang müssen sich auch die Angehörigen der 177 Mitarbeiter und Personen, die mit ihnen in häuslicher Gemeinschaft leben, in Quarantäne begeben. Wie viele Menschen sich durch den Fall Tönnies in häuslicher Isolierung befinden, konnte der Kreis Soest am Montag nicht beziffern. 

Ob kreisweit noch mehr als die bislang 177 bekannten Tönnies-Mitarbeiter leben, kann laut Angaben von Kreis-Sprecher Wilhelm Müschenborn nicht abschließend gesagt werden. Am gestrigen Montag seien neue Listen mit Namen von Tönnies-Mitarbeitern im Kreishaus eingegangen. Da diese aber nicht nach Wohnorten sortiert seien, müssten sie erst ausgewertet werden. „Das ist ein sehr mühsames Unterfangen“, berichtete Müschenborn. 

Landrätin Eva Irrgang (Mitte) will sich zur Situation äußern, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Bei der Arbeit bekommt der Kreis Soest wie bereits in den vergangenen Wochen bis zum 10. Juli Unterstützung von fünf Pflegefachkräften des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Sie werden an der Telefonhotline, in der Fallanalyse oder in der Nachverfolgung von Infektionsketten eingesetzt. Landrätin Eva Irrgang wollte am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion noch keine Einschätzung der Lage abgeben. Dafür sei es jetzt noch zu früh, ließ sie ausrichten. Sie werde sich aber äußern, sobald alle Testergebnisse und sonstigen Fakten auf dem Tisch liegen.

Tönnies-Mitarbeiter im Kreis Soest in Verwaltung und Schlachthaus tätig

Bei den 177 bekannten Personen handelt es sich um Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich und Werkvertrags-Arbeitnehmer, die direkt im Schlachthaus arbeiten. Hotspots wie in Verl (Kreis Gütersloh), wo ganze Wohnblocks eingezäunt werden mussten, gebe es im Kreis Soest nicht. Lediglich in Geseke-Mönninghausen diene ein ehemaliger Gasthof als Sammelunterkunft. 

Firmenboss Clemens Tönnies.

Wie Gesekes Bürgermeister Dr. Remco van der Velden in einer Videobotschaft erklärte, würden sich dort aktuell zwölf Tönnies-Angestellte aus Rumänien in Quarantäne befinden. „Leider verstehen sie kein Deutsch“, erklärte der Geseker Bürgermeister. Durch Dolmetscher sei die Kommunikation dennoch sichergestellt. Die Betroffenen hätten Verständnis gezeigt, nachdem ihnen die Situation erklärt worden war.

Tönnies-Mitarbeiter im Kreis Soest: Ein Fall sorgt für Gerüchte

In Geseke und den anderen elf Kommunen kontrollieren die Ordnungsämter, ob die Quarantäne-Regeln eingehalten werden. Ein Fall sorgte im 860-Einwohner-Dorf Mönninghausen für Gerüchte, die der Bürgermeister in seiner Botschaft aufgriff: Am Samstag seien die unter Quarantäne stehenden Personen in Bullis gestiegen, davongefahren und einige Stunden später zurückgekehrt. 

Eine halbe Stunde später stand das Ordnungsamt vor der Tür: „Das sah für einige so aus: ,Erst fahren sie weg und hauen ab und jetzt sind sie wieder da, weil sie wohl wussten: Das Ordnungsamt kommt zum Kontrollieren.’ So war es nicht“, betonte der Bürgermeister. Die Mitarbeiter seien zu Corona-Tests nach Rheda-Wiedenbrück gebracht worden. „Dort werden sie in Gruppen getestet.“ 

Die Kontrollen würden ohne Anmeldung stattfinden. Dabei soll mit Personalausweis-Kopien der betroffenen Personen stets genau hingeschaut werden.

Kreis Soest: "Gesamtlage zum Glück unspektakulär"

In Bezug auf die massenhafte Verbreitung im Kreis Gütersloh sagte Wilhelm Müschenborn: „Man ist alarmiert, wenn so etwas im Nachbarkreis passiert und wir nehmen die Situation ernst.“ Er betonte jedoch auch: „Die Gesamtlage ist zum Glück unspektakulär, da der Kreis der betroffenen Personen bei uns überschaubar und bekannt ist.“

Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Kreis Soest finden Sie in unserem News-Ticker.

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