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Corona-Booster: Soester warten auf dritte Impfung - Arztpraxen sammeln Termine

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Von: Marcel Voß

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Corona-Booster
Angesichts weiter steigender Infektionszahlen rücken Auffrischungs-Impfungen als Corona-Schutz im Herbst und Winter zusehends in den Blick - vor allem für Menschen mit höheren Risiken. © Paul Sancya/AP/dpa

Wer früh gegen das Coronavirus geimpft worden ist, soll sich in diesen Wochen die dritte Spritze als Auffrischung des Impfschutzes abholen können. Dass das nicht immer so einfach und schnell wie erhofft klappt, ärgert einige Soester.

Soest - So berichtete jetzt ein 81-Jähriger, der anonym bleiben möchte, gegenüber unserer Zeitung von einem echten Kraftakt bei der Suche nach einem Termin für die „Booster-Impfung“.

Er wurde am 8. Februar zum ersten Mal geimpft und war somit einer der ersten Impflinge überhaupt im Kreis Soest, bekam die zweite Dosis am 1. März. Schon damals habe der Rentner mehr als 500 Anrufe benötigt, um endlich einen Termin zu bekommen: „Da musste ich große Ausdauer beweisen. Aber ich wollte so gern geimpft werden.“

Corona-Booster: Absage beim Hausarzt

Weil er ebenso gern auf die Kirmes gehen würde und dazu vollständigen Impfschutz genießen möchte, versuchte er sein Glück nun bei seiner Hausarzt-Praxis – erhielt jedoch eine Absage. „Die haben mich und meine Frau vertröstet, der nächste freie Termin wäre erst acht Wochen später gewesen.“ In mehreren anderen Praxen hieß es, dass nur „eigene Patienten“ geimpft werden. Dabei dachte der Senior, dass die Wartezeiten bei der Drittimpfung überhaupt kein Problem mehr sein dürften. Doch woran liegt es: Ist der Impfstoff knapp? Haben die Ärzte viel mit der Grippewelle zu tun?

Dr. Heinz Ebbinghaus, Sprecher der Soester Ärzteschaft, kann die Impfwilligen beruhigen: „Der Impfstoff ist da und es gibt auch genug Impfärzte vor Ort. Wir befinden uns anders als noch vor einem Jahr in der luxuriösen Situation, genug Impfstoff zu haben.“ Grund für die Verzögerungen sei die nötige Organisation für eine Corona-Impfung, sagt der Hausarzt. „Die Ärzte müssen versuchen, immer sechs bis sieben Impflinge zusammenzubringen.“ Denn es gebe nach wie vor keine Einzeldosis für die Corona-Vakzine, sodass aus einer Ampulle etwa sechs bis sieben Dosen gewonnen werden können. Während die Grippeimpfung auch kurzfristig abgeholt werden könnte, brauche die Corona-Impfung dementsprechend ein wenig Vorlaufzeit.

Zurückhaltung bei Parallelimpfungen

Ebbinghaus hofft auf ein wenig Geduld: „Bei der Auffrischung kommt es auf zwei oder drei Wochen nicht an.“ Grundsätzlich richte sich jeder Arzt nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Demnach sind inzwischen auch Parallelimpfungen gegen Grippe und Corona am selben Tag erlaubt. „Da sind wir und die Patienten aber noch eher zurückhaltend“, so Ebbinghaus.

Bei der Auffrischung kommt es auf zwei oder drei Wochen nicht an.

Heinz Ebbinghaus, Ärzte-Sprecher

Der Mediziner hat in den vergangenen Wochen keinen Andrang auf Erstimpfungen gespürt und stellt mit Blick auf die derzeitige Impfquote auch klar: „Solange es keine Impfpflicht gibt, werden wir nie auf 100 Prozent kommen. Es wollen sich eben nicht alle impfen lassen. Ich werde niemanden überreden, ich kann nur versuchen, zu überzeugen.“ Sein Aufruf bleibt aber: „Die Corona-Impfung ist sinnvoll. Und man schützt damit nicht nur sich selbst, sondern übernimmt auch Verantwortung gegenüber den Mitmenschen.“

Auffrischung

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die dritte Impfdosis Menschen ab 70 Jahren und denjenigen, die in bestimmten Einrichtungen oder Tätigkeiten arbeiten beziehungsweise leben – beispielsweise Bewohner und Betreute in Pflege- oder Altenheimen oder medizinisches Personal. Die Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff soll frühestens sechs Monate nach der Grundimmunisierung erfolgen.

Heinz Ebbinghaus verfolgt natürlich auch die Diskussion um den Bundesliga-Spieler Joshua Kimmich. „Ich gebe ihm insofern Recht, als dass die Zulassung der Impfstoffe deutlich schneller gegangen ist als üblich. Das liegt aber daran, dass einerseits mehr Geld investiert und andererseits viele bürokratische Hürden glücklicherweise außer Acht gelassen wurden.“ Widersprechen muss der Hausarzt Kimmich in Bezug auf die Langzeitfolgen: „Es gibt mittlerweile genügend Studien, die belegen, dass die Nebenwirkungen ausschließlich in den ersten Monaten nach der Impfung auftreten. Weiteren Impffolgen lassen sich annähernd ausschließen, die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null.“

Corona-Booster: Appell der Landrätin

„Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Hausarzt, denn die Wirksamkeit der Schutzimpfung lässt gerade bei älteren Menschen nach derzeitigem Wissensstand etwa ein halbes Jahr nach der zweiten Impfung nach“, appelliert Landrätin Eva Irrgang an die Menschen im Kreis Soest, sich die Auffrischung des Impfschutzes zu holen.

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