1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Kreis und Region

Corhelper: Diese App hat im Kreis Soest schon 6 Menschenleben gerettet

Erstellt:

Von: Daniel Schröder

Kommentare

Kai Weets ist ein in der App registrierter Ersthelfer. Zusammen mit einem Feuerwehr-Kameraden rettete er in einem „Corhelper“-Einsatz bereits ein Leben.
Kai Weets ist ein in der App registrierter Ersthelfer. Zusammen mit einem Feuerwehr-Kameraden rettete er in einem „Corhelper“-Einsatz bereits ein Leben. © Daniel Schröder

Im Kreis Soest läuft derzeit eine Smartphone-App im Probebetrieb, die nicht nur Leben retten kann, sondern es bereits getan hat. Ein Zwischen-Fazit.

Kreis Soest – „Corhelper“ ist der Name des Programms für Ersthelfer, das seit dem 1. September für bestimmte Nutzer aus dem Kreis Soest freigeschaltet ist. Diese „bestimmten Nutzer“ sind Mitglieder des Rettungsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehr, des DRK, der DLRG, des THW, der Johanniter Unfallhilfe oder der Malteser und verfügen mindestens über eine grundlegende Erste-Hilfe-Ausbildung.

Sie werden über die App alarmiert, wenn der Rettungsdienst in ihrer Nähe zu einer Wiederbelebung gerufen wird. Wenn der Disponent in der Soester Rettungsleitstelle also einen Notruf erhält, in dem beispielsweise eine leblose Person gemeldet wird, alarmiert er mit dem Stichwort „Reanimation“ neben dem Rettungsdienst auch die „Corhelper“-App, die durch verschlüsselte Standort-Daten erkennen kann, welche App-Nutzer sich in der Nähe des Einsatzortes aufhalten.

Corhelper-App im Kreis Soest: Ersthelfer berichtet von seinem ersten Einsatz

So schreckte Kai Weets, der sich ehrenamtlich bei der Feuerwehr Soest engagiert, vor wenigen Wochen auf, als sein Handy plötzlich Alarm schlug. „Erst wusste ich gar nicht, was los ist. Im nächsten Moment habe ich realisiert, dass ich zu einer Reanimation alarmiert wurde“, berichtete der Soester.

Nachdem er den Einsatz angenommen hatte, öffnete sich ein Navigations-Fenster, das ihm den Weg zum Einsatzort wies. Sofort setze er sich ins Auto und steuerte die Adresse an. „Als ich an der Hausnummer angekommen war, stand die Haustür bereits offen“, so Weets. Einer seiner Feuerwehr-Kameraden hatte den Einsatz ebenfalls erhalten und war kurz vor ihm eingetroffen.

Corhelper-App im Kreis Soest: „Anrufer war total erleichtert, dass ich die Wiederbelebung übernehme“

Weets’ Kamerad, der anonym bleiben möchte, war ebenso vom Alarm überrascht worden: „Der Einsatzort lag direkt um die Ecke – ich habe mir eine Maske und Einmalhandschuhe geschnappt und bin los.“ Als er eintraf, war die Tür noch verschlossen: „Der Anrufer, der den Notruf getätigt hatte, hatte selbst mit der Reanimation begonnen und wurde am Telefon angeleitet. Er hat mir dann schnell aufgemacht und war total erleichtert, dass ich die Wiederbelebung übernehme.“

Gut zwei Minuten später kam Weets dazu: „Der Kollege reanimierte die Person bereits, ich habe ihn dann abgelöst.“ Beide wechselten sich mit der schweißtreibenden Wiederbelebung ab, bis sechs Minuten nach ihnen der Rettungsdienst eintraf. Für die Rettungsdienst-Mitarbeiter waren Weets und sein Kollege eine Entlastung: „Das Rettungsdienst-Personal konnte sich auf die Vorbereitung, unter anderem des Defibrillators, konzentrieren, während wir weiter reanimierten.“

Corhelper-App im Kreis Soest: „Man hat sich gefreut und ist froh, dass man helfen konnte“

Auch im weiteren Verlauf des Einsatzes agierte der Rettungsdienst Hand in Hand mit den „Corhelpern“. Mit Erfolg! Der Patient konnte „zurückgeholt“ werden und kam mit eigenständiger Atmung und Puls ins Krankenhaus. Auf seine Gedanken nach dem erfolgreichen Einsatz angesprochen erklärte Kai Weets: „Man hat sich natürlich gefreut und ist froh, dass man helfen konnte.“

Corhelper-App im Kreis Soest: Zehn Prozent der Einsätze erfolgreich

Im Kreis-Ausschuss für Ordnungsangelegenheiten und Rettungswesen wurde am Dienstag ein Zwischenstand zum „Corhelper“-Testbetrieb präsentiert: Demnach gebe es derzeit 305 registrierte Ersthelfer, die meisten von ihnen aus Soest (58), Lippstadt (32) und Warstein (31). Zwischen dem 1. September und dem 15. November gab es 63 „Corhelper“-Einsätze. Hans-Peter Trilling, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Kreis Soest, berichtete, dass sechs Reanimationen, an denen „Corhelper“ beteiligt waren, erfolgreich waren. Die Alarmierung der „Corhelper“ sei für die Rettungsleitstelle bereits „Alltag“ geworden.

Corhelper-App im Kreis Soest: Alle Menschen mit Erste-Hilfe-Kurs können Ersthelfer werden

Als Nächstes wolle man nun das medizinische Fachpersonal der Krankenhäuser und Arztpraxen in den Testbetrieb einbinden. „Nach der Pandemie“, so Trilling, können alle Menschen mit Erster-Hilfe-Ausbildung (der Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein reicht), die nicht länger als zwei Jahre zurückliegt, Ersthelfer werden. Liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs länger als zwei Jahre zurück, kann man einen Auffrischungs-Kurs belegen und wird anschließend als „Corhelper“ freigeschaltet. Im Einsatz sind die „Corhelper“ über den Kreis Soest mit einer Unfall- und Haftpflichtversicherung versichert.

Corhelper: Kreis Soest ist Vorreiter in der Region

Der Kreis Soest ist der erste Landkreis der Region, in dem die „Corhelper-App“ in den Alltag von Rettungsdienst und Leitstelle integriert wurde. Deutschlandweit gibt es 18 Städte und Landkreise, in denen sie verfügbar ist. So erlebte Sven Wiese vom DRK-Kreisverband Lippstadt-Hellweg einen überraschenden Alarm: Er hatte sich als Testnutzer zur Verfügung gestellt und die App bereits installiert, bevor sie im Kreis Soest alarmiert werden konnte. Bei einem DRK-Einsatz im Juli im Hochwasser-Schadensgebiet in Eschweiler ging ein „Corhelper“-Alarm von der dortigen Leitstelle auf seinem Handy ein.

Sofort machte er sich mit einem Krankentransportwagen des DRK Werl samt Besatzung auf den Weg und konnte einer Patientin an einem evakuierten Seniorenheim helfen. Das Team eines Rettungshubschraubers traf erst einige Minuten später ein und übernahm.

Herzstillstand: Der Zeitfaktor

Bei einem Herzstillstand entstehen die größten Folgeschäden durch zu langen Sauerstoffmangel. Schon nach zwei bis drei Minuten können die ersten Hirnschäden eintreten. Wichtig ist, dass die Erste Hilfe sofort und schnell erfolgt. Jede Minute ohne Sauerstoff birgt ein höheres Risiko für dauerhafte Schäden des Gehirns. Nach fünf Minuten sind die Schäden voraussichtlich schwer. Mehr als zehn Minuten Sauerstoffmangel überlebt das Gehirn für gewöhnlich nicht. Der Hirntod tritt ein.

Kommentar: Ein Beispiel für gelungene Digitalisierung

Von Daniel Schröder

Der Testbetrieb, den der Kreis Soest derzeit mit der Ersthelfer-App fährt, ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Digitalisierung uns alle nicht nur voranbringen, sondern jedem von uns im Ernstfall das Leben retten kann. Die „Corhelper“-App funktioniert nicht nur – sie hat ihren lebensrettenden Mehrwert bereits mehrfach im Kreis Soest unter Beweis gestellt. Je mehr Ersthelfer sich an dem Programm beteiligen werden, desto geschlossener wird das kreisweite Netz, desto mehr Reanimationen werden einen erfolgreichen Ausgang haben. Ein Herz-Kreislauf-Stillstand kann jeden treffen. Dank der App kann sich bald jeder daran beteiligen, dass im Ernstfall wertvolle Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückt werden kann. Mir gibt das ein gesteigertes Gefühl von Sicherheit.

Auch interessant

Kommentare