Bundestagskandidaten aus dem Kreis Soest im Interview

Berengar Elsner (AfD): „Nur wir sprechen die wirklichen Probleme an“

+

Kreis Soest - Nach dem Einzug in viele Kommunal- und Landesparlamente wird die Alternative für Deutschland (AfD) wohl erstmals auch im nächsten Bundestag vertreten sein. Zu der Fraktion gehören will dann auch Berengar Elsner von Gronow. Der Soester Ratsherr tritt erstmals für die AfD als Direktkandidat in seinem Heimatkreis an, hat sich aber bereits innerparteilich profiliert und belegt Platz 15 auf der AfD-Landesliste. Mit dem Kandidaten sprach Achim Kienbaum.

Sie treten in Ihrem Wahlkreis gegen sechs Konkurrenten an. Warum sollten die Wähler Ihnen das Vertrauen schenken und nicht einem Ihrer Mitbewerber? 

Elsner: Weil ich der Vertreter der einzigen Partei in Deutschland bin, die die grundlegenden Probleme unserer Gesellschaft und der Politik anspricht und Lösungsvorschläge dafür anbietet, während die Wahlversprechungen der anderen Parteien nach dem Motto „Wir schaffen das“ doch zu bezweifeln sind. Schließlich haben die ja auch, sofern sie in Regierungsverantwortung stehen oder gestanden haben, diese Entwicklungen mit herbeigeführt. Da ist es unglaubwürdig, wenn sie jetzt sagen, dass sie es nach der nächsten Wahl auf einmal anders und besser machen werden. 

Welche thematischen Schwerpunkte würden Sie als Abgeordneter des Deutschen Bundestages setzen? 

Elsner: Vor allem möchte ich mich um die Verteidigungspolitik kümmern. Als Reserveoffizier habe ich immer noch gute Kontakte in die Truppe und informiere mich intensiv über sicherheitspolitische Themen. Die liegen mir am Herzen, weil der Zustand der Bundeswehr desaströs ist und die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes nach innen und außen stark gefährdet ist. Das sieht man unter anderem daran, dass wir unseren NATO-Verpflichtungen, also die Ausgaben für den Verteidigungsbereich deutlich zu erhöhen, abmachungswidrig nicht nachkommen. Aber auch der gesellschaftliche und politische Umgang mit unseren Soldaten ist mangelhaft. 

In der AfD haben sich Hetzer wie Ihr Spitzenkandidat Gauland versammelt, der ihm missliebige Menschen gerne „in Anatolien entsorgen“ würde, aber auch der nette Nationalkonservative von nebenan. Wo ist Ihr Platz in dieser offensichtlich sehr bunten Partei? 

Elsner: Ich bin ein freiheitlich Konservativer, wenn ich das schon in Schlagworte packen soll. Für mich heißt das, dass ich ein Patriot und damit besonders an den Belangen Deutschlands und der Deutschen interessiert bin. Freiheitlich heißt für mich, staatskritisch zu sein. Wir leben sowohl in Deutschland als auch in der EU zunehmend im Zustand der Bevormundung der Bürger, das kritisiere ich. Besonders dann, wenn es sich nachteilig für unser Land auswirkt. 

Wann haben Sie sich zuletzt für Äußerungen von Parteifreunden geschämt? 

Elsner: Geschämt ist der falsche Ausdruck. Aber es ist schon so, dass immer mal wieder Äußerungen von Parteikollegen getätigt werden, die ich so nicht mittragen würde und die mir unangenehm sind. Zumal sie uns häufig auf die Füße fallen. Was da vor allem in Ostdeutschland gesagt wird, kommt hier im Westen überhaupt nicht gut an. Und zwar weder bei unseren Parteimitgliedern, noch bei den Wählern. Das erlebe ich auch täglich im Wahlkampf, wo uns solche Äußerungen vorgehalten werden und wir dann Mühe haben, mit den Menschen über unser sehr gutes Programm zu reden. 

Sie fordern Ihre Wähler auf, sich „ihr Land zurückzuholen“? Also auch den Kreis Soest. Wer hat den denn geklaut? 

Elsner: Ich meine damit, dass wir ein Demokratiedefizit haben. Eine relativ kleine Gruppe von Menschen in der Politik steuert unser Land. Wir brauchen wieder mehr Bürgerbeteiligung, zum Beispiel durch Volksbegehren. In diesem Sinne wollen wir uns unser Land zurück holen. 

Es ist Ihnen aber schon klar, dass Andere in Ihrer Partei eher damit suggerieren wollen, dass fremde Mächte und Menschen wie Flüchtlinge ihnen etwas weg genommen haben? 

Elsner: Ich räume ein, dass es Parteikollegen gibt, die das in diesem Sinne verstanden wissen wollen. Ich selber verstehe es anders. 

Für den Rest der Menschheit ist Deutschland ein Musterland - die AfD tut aber so, als wenn hier die Lichter ausgehen. Ist Ihre Weltsicht in Wahrheit nicht deshalb so düster, weil Ihre Partei ein Sammelbecken für politisch Gescheiterte und verbitterte Verlierer ist? 

Elsner: Im Gegenteil: Wir haben viele Mitglieder, die kritisch und sehr wach sind und hinterfragen, dass in diesem Land alles so wunderbar ist, wie es uns Medien und die Politik verkaufen wollen. Alleine die tatsächliche Staatsverschuldung liegt bei 10 Billionen Euro – wie kann so ein Land reich sein? Oder sehen Sie sich die Sozialsysteme und Rentenkassen an, die uns alle irgendwann einmal betreffen. Da sind wir eindeutig auf einem absteigenden Ast: Die Menschen sollen länger arbeiten, aber weniger Rente bekommen. Keine Partei hat dagegen überzeugende Konzepte. Wir sprechen drängende Probleme an, weil wir es uns einfach nicht leisten können, sie zu ignorieren, und werden dafür als Hetzer oder Panikmacher diffamiert. 

Was werden Sie am 25. September machen? Elsner: 

Dann werde ich hoffentlich an der konstituierenden Sitzung der AfD-Landesgruppe NRW im nächsten Deutschen Bundestag in Berlin teilnehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare