Heimat erleben

"Westfalen ist weltoffen und bunt"

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Landrätin Eva Irrgang auf ihrem Balkon

In unserer neuen Serie beleuchten wir den Begriff Heimat von vielen Seiten

Kreis Soest – Identifikation ist ein Wort, das immer fällt, wenn zwei Menschen laut über den Begriff Heimat nachdenken. 

Auch der Soester Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer spricht davon, dass er sich mit Soest identifiziert – seiner Heimat. „Hier Bürgermeister zu sein, ist für mich eine besondere Ehre und natürlich auch eine Herausforderung“, sagt er. 

Landrätin Eva Irrgang verfolgt die Debatten um den Begriff der Heimat nicht erst, seitdem es im Lande ein „Heimatministerium“ gibt: Ist das eigentlich altmodisch und rückwärtsgewandt? Ist der Begriff letztlich irreführend oder wurde er zu oft missbraucht?

Geburtsort und Heimat sind zweierlei

„Es wäre fatal, den Begriff Heimat zur Abgrenzung zu missbrauchen“, sagt Irrgang, die sich selbst als überzeugte Westfälin bezeichnet. 

Hier wurde sie geboren, hier lebt sie mit ihrem Mann, hier kam ihr Sohn zu Welt. „Ich nehme meine Heimat Westfalen als weltoffen, bunt und tolerant wahr. Ich wünsche mir, dass wir alle gemeinsam diese Eigenschaften für die Zukunft bewahren können.“

Eckhard Ruthemeyer vor dem Großen Teich

 Beide sehen ihre Heimat nicht mehr dort, wo sie geboren wurden: Ruthemeyer, 58 Jahre alt, wuchs in Georgsmarienhütte bei Osnabrück auf und hielt den Ort selbst lange Zeit für seine Heimat, auch während seines Studiums und seiner Promotion in Münster änderte sich das nicht, er pendelte. Mit 29 Jahren wurde er Amtsleiter der Kämmerei in Wolfsburg, der erste Bruch mit der alten Heimat, zu der es weiter Verbundenheiten gab und gibt. 

„Meine dritte Lebensstation war dann Soest“, erzählt er, „wo meine Familie und ich sehr offen und freundlich aufgenommen wurden.“ Er fühlt sich wohl hier, „und wo ich mich wohlfühle, da ist heute meine Heimat“. Die Lebensqualität spiele eine entscheidende Rolle dabei, inzwischen habe er zahlreiche Lieblingsplätze in der Stadt.

Wer selbst sicher ist, fürchtet sich nicht

Eva Irrgang, 62 Jahre alt, geboren in Dortmund, kann eingrenzen, wo sie sich heimisch fühlt, das habe viel mit Geborgenheit und Sicherheit zu tun: „Heimisch bin ich in unserem Haus im schönen Ortsteil Wiehagen der Gemeinde Wickede. Zuhause fühle ich mich, wenn ich aus dem Wohnzimmerfenster auf die benachbarte Pferdekoppel und den Haarstrang blicke.“ 

Jan Heinisch, Staatsminister im Heimatministerium und selbst in Heiligenhaus beheimatet, legt ebenfalls viel Wert darauf, dass Heimat niemanden ausgrenzt – zum Start des neuen Ministeriums wurde er danach gefragt. Wer selbst sicher sei und verwurzelt, könne auch andere offen empfangen und brauche sich vor dem Fremden nicht zu fürchten: So fasste Heinisch das Gefühl zusammen. 

Ruthemeyer kann das konkretisieren: „2015 war vorbildlich! Die Soester haben die Flüchtlinge willkommen geheißen und waren neugierig auf sie.“ 

Er wünscht sich, dass das so bleibt, dass Soest ein offener Ort der Begegnung ist, in dem die Menschen sich gegenseitig respektierten. Vertriebene könnten vielleicht nachempfinden, wie es den Flüchtlingen von heute geht, „sie haben eine besondere Emotion, wenn es um Heimat geht“.

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