Statistik für den Kreis Soest

Böller-Einschränkungen: Entlastung für Retter geplant - so oft waren sie an Silvester in den letzten Jahren im Einsatz

Wegen Böllern musste an Silvester in den letzten Jahren vor allem die Feuerwehr im Kreis Soest ausrücken.
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Wegen Böllern musste an Silvester in den letzten Jahren vor allem die Feuerwehr im Kreis Soest ausrücken.

Am Mittwoch wird entschieden, ob an Silvester mit Böllern und Raketen gefeiert werden darf. Geht es nach den Ministerpräsidenten der Länder, soll Pyrotechnik nur eingeschränkt erlaubt werden. Wir haben recherchiert, wie viele Böller-Einsätze es im Kreis Soest in den letzten Jahren gab.

Kreis Soest – Geht es nach den Ministerpräsidenten der Länder, soll das Zünden von Böllern an Silvester nur mit Einschränkungen erlaubt werden, um Rettungskräfte zu entlasten und die Kapazitäten des Gesundheitssystems freizuhalten. So wollen die Länderchefs Feuerwerk auf belebten öffentlichen Plätzen und Straßen untersagen, um größere Gruppenbildungen zu vermeiden.

Im Gegensatz zur Böllerei war es jedoch der Alkoholkonsum in diesen Gruppen, der den Rettungskräften im Kreis Soest in den vergangenen Jahren einen Großteil ihrer Silvester-Arbeit verschaffte.

Eine dem Anzeiger vorliegende Statistik gibt eine Übersicht über die Einsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr zwischen 20 Uhr des Silvesterabends und 8 Uhr des Neujahrsmorgens seit 2011.

Einsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr im Kreis Soest an Silvester

Von 2011 auf 2012 war der Rettungsdienst in diesem Zeitraum 123 Mal im Einsatz, die Feuerwehr rückte 7 Mal aus. Von 2012 auf 2013 gab es 61 Rettungsdienst- und 42 Feuerwehr-Einsätze. 2013/14 war die Feuerwehr mit 57 Einsätzen sogar einmal mehr als der Rettungsdienst (56) unterwegs.

Von 2014 auf 2015 rückte der Rettungsdienst 74 und die Feuerwehr 10 Mal aus. 2015/16 waren es 82 Einsätze für den Rettungsdienst und 24 für die Feuerwehr, 2016/17 93 Rettungsdienst- und 21 Feuerwehr-Einsätze, 2017/18 gab es 73 Alarmierungen für den Rettungsdienst und 16 für die Feuerwehr, 2018/19 ebenfalls 73 für den Rettungsdienst und 23 für die Feuerwehr und beim vergangenen Jahreswechsel 2019/20 rückte der Rettungsdienst 84 und die Feuerwehr 26 Mal aus.

Die Angestellten des Rettungsdienstes mussten in all den Jahren hauptsächlich ausrücken, weil ihre Patienten beim Rutsch ins neue Jahr zu tief ins Glas geschaut hatten.

Silvester-Einsätze im Kreis Soest: „Keine vermehrte Belastung durch ‚böllertypische‘ Verletzungen“

Wilhelm Müschenborn, Sprecher des Kreises Soest, bestätigte, dass es sich „überwiegend“ um Einsätze mit Alkoholvergiftungen gehandelt habe. Eine „vermehrte Belastung des Rettungsdienstes durch ‚böllertypische‘ oder assoziierte Verletzungen“ habe es nicht gegeben. Vielmehr erinnerte Müschenborn daran, dass das normale Tagesgeschäft, der „interne Notfall“, den Hauptbestandteil dieser Statistik bilde.

Im Gespräch mit dem Anzeiger berichtetet ein Rettungsdienst-Mitarbeiter, der bereits zahlreiche Silvesternächte mit dem Rettungswagen unterwegs war, dass er und seine Kollegen sich bei den Jahreswechseln der Vergangenheit hauptsächlich um „hilflose Personen“ mit Alkoholvergiftung kümmern mussten.

Vermeintlich kleine „Böller-Unfälle“ können ebenfalls viel Zeit beanspruchen

Wenn es denn dann „Böller-Unfälle“ gab, seien es oft kleine Papierteilchen der Silvesterknaller gewesen, die jemand ins Auge bekommen hatte. Doch auch diese vermeintlich kleinen Unfälle brachten zeitintensive Folgen mit sich: „Wenn du dann einen Einsatz hast, weil jemandem etwas ins Auge geflogen ist, geht es beispielsweise in die Augenklinik nach Dortmund – der Rettungswagen ist dann natürlich erst einmal für längere Zeit nicht verfügbar.“

Silvester im Kreis Soest: Rettungsdienst-Mitarbeitet ist gegen Böllerverbot

Der Rettungsdienst-Mitarbeiter befürwortet weder ein generelles Böllerverbot, noch die Ausweisung erlaubter Böller-Bereiche: „Die Leute, die böllern wollen, werden dann vermutlich in ‚legale Bereiche‘ fahren. So kann man sich seine ‚Hotspots‘ dann auch lenken.“

Ein generelles Verkaufsverbot, das es jedoch nach aktuellen Informationen nicht geben soll, würde zudem die Gefahr mit sich bringen, dass es einen Run auf illegale „Polenböller“ geben würde – ein Anstieg ernsthafter Pyro-Verletzungen wäre wohl die Folge. Vielmehr sollte seiner Meinung nach das Augenmerk in diesem Jahre verstärkt auf unerlaubte Silvesterpartys mit vielen Gästen gelegt werden. Denn neben dem gesteigerten Alkoholkonsum in größerer Runde hätte es bei diesen Partys auch das Coronavirus leicht, sich weiter auszubreiten.

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