Baumärkte erleben Ansturm, Möbelhäuser geschlossen

Blick in den Kreis Soest: Was bleibt geöffnet, was ist geschlossen?

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Der Wochenmarkt soll bleiben.

Baumärkte erleben einen Ansturm, Möbelhäuser sind geschlossen. Es geht um die Frage, ob Geschäfte wichtig sind für die Grundversorgung oder nicht. 

Kreis Soest – „Es herrscht eine große Verunsicherung“, sagt Martin Jochem, Vorsitzender der Soester Kaufmannschaft. Niemand wisse so genau, wann und vor allem wer schließen muss. Jochem wünscht sich, dass die Behörden schnellstmöglich verbindlich informierten. 

Denn bei vielen Einzelhändlern in Soest ist die Existenzangst groß. Martin Jochem betreibt ein Versicherungsbüro in der Soester Innenstadt, ist von den Schließungen des Einzelhandels nur bedingt betroffen. 

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur und Heimarbeit funktioniert bei uns gut“, erklärte Jochem. Video-Beratung, die in der Vergangenheit auf dem Markt noch wenig gefragt war, nimmt immer mehr zu. Derweil wartet die Verwaltung der Stadt Soest weiter auf eine Mitteilung.

Coronavirus im Kreis Soest: Erlass noch nicht angekommen

„Zu den von Bund und Land angekündigten Schließungen in Einzelhandel und Gastronomie sowie von Spiel- und Bolzplätzen liegen der Verwaltung aktuell noch keine genaueren Informationen und auch kein Erlass der Landesregierung vor. 

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Nach wie vor besteht für sogenannte Hamsterkäufe kein Anlass, da auch nach den jüngsten Ankündigungen von Bund und Land alle wichtigen Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel weiter produziert und im Einzelhandel angeboten werden“, heißt es. 

Coronavirus im Kreis Soest: Täglich neue Infos

Falk Lobenstein vom gleichnamigen Intersport-Geschäft in der Soester Innenstadt verfolgt die Berichterstattung über die Corona-Krise ganz genau. „In Osnabrück ist das Ordnungsamt rumgegangen und hat gesagt, dass der Laden geschlossen werden muss“, erzählt er. 

In Soest habe man man auf eine offizielle Mitteilung gewartet - dementsprechend am Mittwoch der Beschluss: Das Geschäft ist zu.  „Sind die Türen zu, sind die Mitarbeiter zuhause“, sagt Falk Lobenstein, dann droht Kurzarbeiter-Geld. Die Existenz stehe auf dem Spiel, wenn der Laden schließen müsse.

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Eine Mitarbeiterin des Schuhladens „Deichmann“ sagt, dass es täglich neue Informationen gebe. Letzter Stand sei, man öffne auch heute zu den gewohnten Öffnungszeiten die Türen. Ein Schild, um die Kunden an der Tür zu informieren über die anstehende Schließung, sei aber bereits geliefert worden. Einen ganz normalen Betrieb im Laden gebe es nicht mehr. Auch ein Medimaxx-Mitarbeiter aus Soest weiß noch nicht, wann er nicht mehr arbeiten muss. „Jeder Tag ist eine Überraschung.“

Coronavirus im Kreis Soest: Baumärkte bleiben geöffnet

Der Laden öffne heute auch wieder zur gewohnten Zeit. Die Baumärkte sollen generell geöffnet bleiben. Dem Einkaufstourismus zum Trotz. Schließlich gehöre man zu der Kategorie von Geschäften, die für die Versorgung des täglichen Bedarfs wichtig sind, sagt Bernd Benthin, Chef der Hagebau-Märkte in Soest, Werl, Warstein, Lippstadt und Salzkotten

Schlange vor einer Apotheke am Möhnesee

„Der Bürger soll ja die kleinen Reparaturen im Haus selber erledigen können, wenn der Handwerker nicht kann – und sei es auch nur ein tropfender Wasserhahn“, sagt Benthin. Baumärkte fallen demnach unter die systemrelevanten Geschäfte, die geöffnet bleiben sollen.

Möbel Wiemer in Soest folgte dem Beispiel des Branchenkollegen Turflon aus der Nachbarstadt Werl. Das Möbelhaus schloss das Geschäft. Das Geschäft hätte um 10 Uhr geöffnet, bereits seit 8 Uhr habe man in der Geschäftsleitung die Frage diskutiert und dann zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern entschieden, die Türen geschlossen zu lassen, berichtet Unternehmenssprecherin Dagmar Kipke. 

Wichtig für alle Kunden: Der Verkauf ist zwar geschlossen, im Hintergrund werden die Aufträge aber abgearbeitet. Bestellte Möbel werden wie vereinbart auch zum Kunden geliefert.

Coronavirus im Kreis Soest: Teil der Infrastruktur

Das Büdericher Möbelhaus Turflon hat gestern alle 250 Mitarbeiter wieder nach Hause geschickt. Das Haus bleibt aufgrund einer behördlichen Corona-Anweisung bis auf Weiteres geschlossen. Das hat Geschäftsführer Guido Münstermann auf Anfrage mitgeteilt. Er versichert aber: „Keiner muss sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen, wir machen wieder auf – solange es auch dauert.“

Hamsterkäufe für Hamster, Meerschweinchen und Co. sind ebenfalls nicht nötig. Läden, die Tiernahrung veräußern, zählen zur kritischen Infrastruktur. Die Fressnapf-Filiale am Senator-Schwartz-Ring öffnet weiter zu den normalen Zeiten.

Auch der Soester Wochenmarkt war Anlaufstelle, ehe die Markttreibenden am Mittag gewohnt ihre Stände wieder abbauten. Von einer gefährlichen Corona-Pandemie keine Spur – auf den ersten Blick. 

Coronavirus im Kreis Soest: Viel los in der Außengastronomie

Wer nach nach dem Marktbesuch über den Vreithof schlenderte, stellte fest, dass das Modegeschäft „Michelle“ und das Einrichtungsgeschäft „Inspiration“ ihre Ladentüren geschlossen hielten. In den den Fenstern der Läden hatten die Betreiber Zettel aufgehängt, die darauf hinwiesen, dass man einen „sinnvollen Beitrag im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus“ leisten wolle. Es waren die einzigen beiden Läden in der Innenstadt, die bereits geschlossen hatten. 

Die Außengastronomie brummte indes, gerade richtete ein älterer Herr in kurzer Hose seinen Stuhl auf dem Vreithof Richtung Sonne aus. Die Mitarbeiterin eines Geschäfts in der Rathausstraße wartete hinter der Ladentheke auf Kundschaft, noch mehr aber wartete sie auf eine behördliche Anweisung. „Wir warten“, sagte die Frau, die sich verwundert über das rege Treiben vor ihrer Tür äußerte. 

In den Laden verirrten sich aber nur wenige Kunden. „Es gibt keine Anweisungen“, erklärte auch Martina Jasper von „Wohnkultur“ am Markt, nur wenige Meter entfernt. Sie habe die Zahl der Mitarbeiter gesenkt. „Wir schließen auch in der Mittagspause, machen eine Stunde lang zu“, sagte Jasper, dass mache man normalerweise nicht. Nur einmal pro Stunde verirre sich ein Kunde in das Geschäft.

Coronavirus im Kreis Soest: Kundin mit Mundschutz

Indessen betont Ministerpräsident Armin Laschet, dass er im Alleingang keine Ausgehsperren verhängen werde – eine solche Maßnahme könne man nur in Absprache mit dem Bund und anderen Ländern beschließen. 

Die Besucher der Soester Innenstadt genießen die Zeit in der Sonne. Noch wissen sie nicht, dass wenige Stunden später die Öffnungszeiten der Gastronomie noch einmal erheblich beschränkt werden – auf 15 Uhr. In der Brüderstraße sitzt die Mitarbeiterin eines Optikers in einem menschenleeren Ladenlokal. Desinfektionsmittel für Kunden steht auf dem Tresen. Kunden kommen aber nur noch selten. 

„Es ist schwierig, den persönlichen Kontakt zu senken“, sagt sie – ein Problem der Brache. Manche Tätigkeiten mache man aber nicht mehr. „Die Kunden müssen sich Kontaktlinsen selber einsetzten, da helfen wir nicht mehr.“ Es gibt aber auch Geschäfte, in denen noch reger Kundenkontakt herrscht. In einem kleinen Nagelstudio sind alle Arbeitsplätze belegt. Es wird gefeilt und lackiert. In einem anderen Nagelstudio trägt nicht nur die Designerin einen Mundschutz, sondern auch die Kundin.

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