AU per Telefon spielen in Soester und Werler Hausarzt-Praxen keine Rolle

Patienten sprechen lieber persönlich mit dem Doc

Ein Stethoskop braucht der Hausarzt nicht, wenn der Arzt eine Ferndiagnose stellt. Jetzt sind wieder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) per Telefon möglich. Ärztin mit Stethoskop
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Ein Stethoskop braucht der Hausarzt nicht, wenn der Arzt eine Ferndiagnose stellt. Jetzt sind wieder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) per Telefon möglich.

Soest/Werl - „Nur für Patienten, die ich kenne“, stellt der Soester Allgemeinmediziner Dr. Michael Hense eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) per Telefon aus: „Und auch höchstens für eine Woche“. Alle anderen, die sich mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit oder anderen klassischen Erkältungssymptomen bei ihm melden, bestellt er in seine Infekt-Sprechstunde. Fast alle seine Kollegen in Werl und Soest halten es ähnlich.

Seit gut vier Wochen dürfen Hausärzte wieder nach einem Telefon- oder Videogespräch mit Betroffenen „gelbe Scheine“ für einen begrenzten Zeitraum ausstellen. Diese Möglichkeit soll die Arztpraxen entlasten, die mit den steigenden Corona-Infektionszahlen genug zu tun haben. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr galt die Regelung. Im April wurde sie zurückgenommen, Ärzte durften Arbeitnehmer nur noch nach persönlichen Kontakten arbeitsunfähig schreiben. Jetzt gilt wieder die Telefon-Regelung – zunächst bis zum 30. November, wie Dr. Gisbert Plattfaut aus Ense mitteilt.

Er und seine Kollegen zählen bei den Anrufen auf die Urteilskraft ihrer Patienten. Nur wer leichte Erkältungssymptome hat, sollte auf die telefonische Diagnose setzen. „Das ist unser Vorteil als Hausarzt. Wir kennen unsere langjährigen Patienten gut, um beurteilen zu können, ob es tatsächlich nur eine Erkältung ist,“ sagt Plattfaut. Gegebenenfalls kann er mit eigens zertifizierter Technik eine eine Video-Sprechstunde abhalten.

Insgesamt spielten Telefon-AU in seiner täglichen Praxis kaum eine Rolle, sagt er. Ebenso wenig wie bei Dr. Hense - „durchschnittlich einmal pro Woche“ - und bei Dr. Walter Jesse, dem Vorsitzenden des Soester Ärztevereins. Die Mediziner sind vorsichtig und bestellen ihre Patienten lieber in die Infektionssprechstunde, auch wenn die Untersuchung einen großen Aufwand bedeutet.

Die Soester Praxisräume von Dr. Hense erlauben es, dass die Infektiösen andere Wege nehmen als die übrigen Patienten. Nach einer Untersuchung werde der gesamte Raum gesäubert und desinfiziert, schildert Hense. Auch bei den Kollegen ist es so. Sie treten ihren Infekt-Patienten nur in kompletter Schutzkleidung gegenüber.

Welche Diagnose dann auch immer gestellt wird: Dr. Jesse unterstreicht, wie wichtig es bei einem Infekt ist, sich zu isolieren. Schlimmstenfalls stecke man jemand Anderes an.

Einfach anrufen und AU kassieren – was sich kinderleicht anhört, ist so einfach nicht. Die erste, vielleicht größte Hürde ist es, bis zum Arzt durchzudringen. Dazu braucht es viel Geduld und Zeit, beispielsweise warnt in der Bad Sassendorfer Gemeinschaftspraxis Erley, Arp und Klein eine Stimme aus dem Hörer vor: Wegen des hohen Anrufaufkommens müsse man sich auf eine längere Wartezeit einstellen.

Kein Missbrauch

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund kann nicht sagen, dass die Möglichkeit der Telefon-AU missbraucht wurde. „Dazu hätten wir alle Hausarzt-Praxen befragen müssen“, sagt Sprecherin Vanessa Pudlo. Das habe man nicht getan, könne also kein Stimmungsbild beibringen. Allerdings seien aus den Reihen der Mediziner auch keine Hinweise auf irgendwelchen Missbrauch gekommen.

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