Flüchtling bei der Feuerwehr engagiert

Schock nach fast vier Jahren: Abdullah Masum soll Deutschland verlassen - das will er dagegen unternehmen

+
Blickt derzeit in eine ungewisse Zukunft: Abdullah Masum.

Kallenhardt - Seit drei Jahren und zehn Monaten lebt Abdullah Masum in Deutschland. Er kam aus Bangladesch und baute sich ein neues Leben im Rüthener Stadtteil Kallenhardt auf. Am 19. August erhielt er Post vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dieses Schreiben könnte seine aufgebaute Existenz in einen Scherbenhaufen verwandeln. 

Im Herbst 2013 kam Abdullah Masum nach Deutschland. In Bangladesch, seiner Heimat, schwebte er eigenen Angaben zufolge in Lebensgefahr. Am 26. November 2013 stellte er seinen Asylantrag, baute sich seitdem eine Existenz im Rüthener Stadtteil Kallenhardt auf.

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet er in Vollzeit als Produktions-Assistent bei einer Firma in Rüthen. Er lebt in seiner eigenen Mietwohnung, schloss im April 2016 seine Grundausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr ab, spielt Fußball beim TV Kallenhardt, bestand seine Sprachprüfung und hat den EU-Führerschein erfolgreich bestanden. Seit Anfang 2016 lebt seine Freundin Clara Scheffran an seiner Seite. Ein Beispiel für eine durchweg gelungene Integration.

Stolz zeigt sich Masum in seiner Feuerwehr-Uniform und hat eine Botschaft an die Bundesrepublik:

Doch am 19. August 2017 dann der Schock: Sein Asylantrag, den er vor knapp drei Jahren und neun Monaten gestellt hatte, wurde abgelehnt. Sein Asylgesuch sei "offensichtlich unbegründet", so der Wortlaut des Schreibens. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) forderte ihn auf, das Land innerhalb einer Woche zu verlassen. In seine Heimat zurückzukehren. Sein neu aufgebautes Leben aufzugeben.

"Wir haben zusammengesessen und nur geweint", schildert Abdullah Masum die Stunden, nachdem der Bescheid von ihm und seiner Freundin gelesen wurde. Doch mit dem Schock kam die Motivation: Es wurde Klage gegen den Bescheid beim Arnsberger Verwaltungsgericht eingereicht. Diese brachte zunächst eines: Zeit. Zeit, in der er Beweise erbringen muss, dass er in seiner Heimat nicht sicher ist. Dafür wurde auch ein Rechtsanwalt an die Seite geholt, der Masum vor Gericht vertreten soll.

Online-Petition bringt Welle der Solidarität

Gleichzeitig brach eine Welle der Solidarität los. Clara Scheffran hatte eine Online-Petition ins Leben gerufen, in der Nutzer für das weitere Bleiberecht von Abdullah Masum ihre "digitale Unterschrift" abgeben können. Diese wurde nach nur einem Tag von mehr als 1.300 Personen unterzeichnet, derzeit (Mittwoch) liegt der Stand bei 1.730 Unterschriften. "Ich wäre sehr dankbar, wenn wir gemeinsam für Abdullah Unterschriften sammeln, welche wir beim Gericht zusätzlich vorlegen können", schreibt die Freundin des Flüchtlings. Weiter heißt es: "Empfänger der Petition sind der Petitionsausschuss des Landtages NRW und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Hoffentlich können wir die Politik im Fall Abdullahs aber auch generell zum Umdenken bewegen!"

Seine Freundin Clara, Thomas Herfurth (r.) und viele weitere unterstützen Masum.

Hier können Sie die Petition unterschreiben

Auch aus Reihen der Bevölkerung wurde der Fall kommentiert: "Abdullah ist das perfekte Beispiel für Integration, hat sich super eingelebt und sollte bleiben", schreibt ein Rüthener. Ein weiterer Unterzeichner schreibt: "Terrorverdächtige Antragsteller auf Asyl ohne klaren Herkunftsnachweis können in Deutschland sein - Integrierten, eingegliederten Menschen droht die Abschiebung - was soll das? Aus diesem Grund ist diese Petition wichtig, nicht nur für Abdullah!" Ein Warsteiner, der gemeinsam mit Masum Mitglied beim TV Kallenhardt ist, schreibt: "Abdullah ist ein Teil von Kallenhardt und bestens integriert, steht auf eigenen Beinen und ist immer hilfsbereit." Unterschriften kamen auch aus den Niederlanden, der Schweiz und Österreich.

"Ist es meine Schuld?"

Masum selbst stellt sich verzweifelt die Frage, warum es ihn getroffen hat. "Ich habe einen festen Vollzeitjob, zahle meine Steuern, bin bei der freiwilligen Feuerwehr. Ich gebe mein Bestes. Ist es meine Schuld?" Er habe mit anderen Flüchtlingen geredet, die nicht an einem Beruf interessiert seien. "Die bekommen ihre Sozialhilfe und schlafen lieber aus", berichtet Masum aus einem der Gespräche. "Ich verstehe es nicht." Einer seiner Freunde, Thomas Herfurth aus Rüthen, betont: "Das ist das perfekte Beispiel: Man kann alles richtig machen, sich engagieren und wird trotzdem ausgewiesen."

Für Abdullah Masum steht fest: "Ich will hier bleiben. Denn ich weiß, was mit mir passiert, wenn ich zurück nach Bangladesch muss."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare