Alle Systeme überlastet

Holpriger Start der Impfanmeldungen: so haben es Senioren im Kreis Soest erlebt

Impfzentrum Soest
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Der Parkplatz des Impfzentrums füllt sich bereits – allerdings mit den Autos von Mitarbeitern und Sicherheitspersonal.

Der Anmeldestart zur Corona-Impfung für die über 80-Jährigen war mühsam. Pünktlich um 8 Uhr griffen am Montag einfach zu viele Betroffene zum Telefonhörer oder in die Tastatur ihres Computers. Schnell waren alle Systeme überlastet.

Kreis Soest - Wer am Montagmorgen schon frühzeitig am Computer saßen, um die Termine für sich oder meist seine Angehörigen im Internet zu buchen, scheiterte – und das auch schon um 8.03 Uhr, wie eine Leserin berichtet, die den Termin für ihren betagten Vater beim Impfzentrum Soest buchen wollte, aber am Ende doch am System scheiterte.

Unser Redakteur Michael Dülberg versuchte auch bereits kurz nach 8 Uhr, die Termine für Vater (93) und Mutter (87) zu buchen, kapitulierte aber ebenfalls schon nach wenigen Anmeldeschritten auf der Internet-Seite www.116117.de. „Fehler aufgetreten!, wenig später „Seite nicht mehr erreichbar“, lautete die Nachricht.

Chaos bei der Impf-Anmeldung: technische Mängel bei der Anmeldung

Ergebnis mehrerer Erfahrungsberichte war, dass wohl nicht nur Überlastung, sondern auch technische Mängel für die Pannen verantwortlich sind. Der Kreis Soest wurde mit 30 Beschwerde-E-Mails und über 80 Anrufen konfrontiert, kann aber wenig helfen. Verantwortlich für die Organisation der Anmeldung ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Die hatte allerdings auch in den vergangenen Tagen davor gewarnt, dass sich alle zum gleichen Zeitpunkt versuchen anzumelden und um Geduld gebeten.

Eine Leserin berichtet, es sei nicht ihre Art, sich zu beschweren, schildert aber sachlich und verunsichert ihren letztendlich vergeblichen Versuch, den Vater aus dem Umkreis Werls anzumelden. Dabei startete sie bereits um 7.45 Uhr ihren Computer. Pünktlich um 8 Uhr rief sie die Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung www.116117.de auf. Zunächst klappte alles, sie klickte sich durch, gab ihre E-Mail-Adresse und ihre Handynummer ein und erhielt den ersten Code zur Terminvergabe per SMS.

Chaos bei der Impf-Anmeldung: Zugangscode zur Terminvereinbarung

Mit diesem Code meldete sie sich an und erhielt per E-Mail den Zugangscode zur Terminvergabe. Aus persönlichen Gründen wählte sie als Termin den 28. Februar aus. Bereits um 8.03 Uhr erhielt sie die Bestätigung: „Termin am 28. 02. 2021 um 15 Uhr, zur Identifizierung der Anmeldung dient der beigefügte 12-stellige Vermittlungscode“.

Gleichzeitig wurde sie in der Terminbestätigung aufgefordert, sofort den zweiten Impftermin zu buchen, der bekanntlich etwa drei Wochen später datiert werden muss. Dabei passierte dann aber das Unbegreifliche: Der zweite Termin wurde laut der Leserin vom System um 8.04 Uhr verweigert mit dem Hinweis, sie solle erst einmal den ersten Termin buchen. Da war sie drin im Teufelskreis des digitalen Systems. Offenkundig konnte das Programm mangels Verknüpfung nicht feststellen, dass der erste Impftermin bereits gebucht und bestätigt war.

Chaos bei der Impf-Anmeldung: genug schlechte Erfahrungen

Und sie berichtet, dass um kurz nach 8 Uhr, als sie die Buchung vornahm, noch alle Termine für das Impfzentrum Soest ab Impfbeginn 8. Februar offen waren. „Ich hätte zu diesem Zeitpunkt also auch für den 8. Februar bereits buchen können“, so die Leserin. Nach dem gescheiterten Versuch hat sie jetzt aber erst mal genug schlechte Erfahrung gesammelt. Sie wartet wie viele andere darauf, dass sich das System erholt. Und sie fragt sich, wie es jetzt weiter gehen soll. Erster Termin gebucht, zweiter nicht – was nun, was tun?

Schwer verständlich ist es, so meldet Silvia Abel aus Möhnesee, dass pro Anfrage offenbar nur ein Termin für eine Person vergeben werden kann. „Das würde wohl bedeuten, dass ich mit meinen beiden betagten Eltern insgesamt viermal zur Erst- und Zweitimpfung nach Soest fahren müsste“, hinterfragt sie die merkwürdige Organisation der anonymisierten Anmeldung.

Chaos bei der Impf-Anmeldung: vergebliche Versuche

Sauer ist Anzeiger-Leser Gerhard Hesse (80) aus Soest. Er versuchte am Montagmorgen ab 8.30 Uhr telefonisch und im Internet die Anmeldung für sich und betagte Mieter seines Mehrfamilienhauses vorzunehmen. Vielmals vergeblich.

Die Telefonleitungen waren völlig überlastet, die Seite www.116117.de nicht zu erreichen. „Das Ganze ist eine Katastrophe, eine Frechheit“, kritisiert er nicht nur das weitgehende Versagen des Anmeldesystems, sondern überhaupt die Zumutung an alte Menschen, sich im Internet durch ein schwer verständliches Anmeldeverfahren durchwurschteln zu müssen.

An keinem Impfstoff wurde in so kurzer Zeit so viel geforscht wie am Impfstoff gegen das Coronavirus.

„Ich hab’s befürchtet!“ Der Soester Hausarzt Dr. Heinz Ebbinghaus, der zugleich als örtlicher Ansprechpartner für die Kommunikation zwischen Kassenärztlicher Vereinigung und Kommunen wirkt, ist nicht sonderlich überrascht über den ruckeligen Start bei den Anmeldungen für einen Impftermin. „Vermutlich hat am Montag ganz Deutschland die Hotline angerufen“, das habe kein System packen können. Allein im Bereich Westfalen-Lippe hätten viele hundert Menschen parat gestanden, die Anrufe entgegenzunehmen. Doch selbst das habe nicht gereicht.

Ebbinghaus versichert: „Alle arbeiten mit Hochdruck an der Terminvergabe.“ Doch man kenne kein Patentrezept, dem großen Ansturm sofort gerecht werden zu können. Der Arzt bittet alle die, die am Montag weder am Telefon noch am PC durchgekommen sind, um Geduld. Es werde in den nächsten Tagen zu den Terminvereinbarungen kommen.

Chaos bei der Impf-Anmeldung: mehr als 2.000 Termine vergeben

Trotz des Chaos bei der Anmeldung für die Impftermine, haben es viele Betroffene aus dem Kreis Soest am Montag geschafft, einen Impftermin zu buchen.

Wie der Kreis Soest auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, seien 8.736 Termine für eine Erstimpfung und ebenso viele Termine für die für einen vollständigen Impfschutz notwendige zweite Dosis freigeschaltet worden. Bis zum Montagnachmittag (Stand 16 Uhr) seien bereits 2.266 dieser Termine vergeben worden.

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