Alle Fahrschulen müssen schließen

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Fahrlehrer Burghard Schröder aus Werl musste wegen der Corona-Pandemie seine Fahrschule schließen.

Kreis Soest – Das Land NRW beschloss die Schließung der privaten Bildungseinrichtungen am Dienstag. Davon sind auch die Fahrschulen betroffen.

„Die Schließungen der Fahrschulen ist aus unternehmerischer Sicht eine Katastrophe“, beschreibt der Werler Fahrschullehrer Burghard Schröder die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

„Die Fahrschulen sind zum Teil Kleinbetriebe aber es gibt auch sehr viele Einzelkämpfer und da ist von dem einen auf dem anderen Tag die Einnahmequelle weggebrochen“, ergänzt er. „Wir schreiben gerade die letzten Rechnungen und danach wird erst mal für eine gewisse Zeit kein Geld verdient“, berichtet der Werler.

Er hat schon mit Kollegen aus Werl und Soest gesprochen, die bei einer längeren Zeit ohne Einnahmen in eine finanzielle Schieflage geraten können. „Der Kostenapparat läuft weiter“, versichert er.

Die Autos werden zum größten Teil geleast und kosten rund 400 bis 500 Euro im Monat. Mit seinem alt eingesessenen Unternehmen kann er die Zeit ein wenig überbrücken. 

Beim Arbeitsamt hat Burghard Schröder für seine zwei Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Ansturm nach Corona befürchtet Er und seine Kollegen hoffen, dass das derzeit verlorene Geld wieder rein kommt. Doch dann kommt ein zweites Problem auf die Fahrschulen zu.

„Die Fahrschüler sind zwar immer da, aber wenn die Krise überstanden ist, wird es in unseren Fahrschulen sehr voll“, befürchtet Schröder. Er glaubt, dass dann alle auf einmal kommen. Da kurz vor den Sommerferien zahlreiche Fahrschüler die Fahrerlaubnis machen wollen, wird es in diesem Sommer besonders eng, befürchtet er. 

Tragisch sieht Schröder die Situation für die Führerscheinbewerber, die gerade ihre Fahrerlaubnis in Theorie und Praxis machen wollten. „Die sind in ein paar Wochen nicht mehr auf dem Leistungsstand und müssen zusätzliche Stunden nehmen“, so der Werler Fahrlehrer.

Wie er erfahren hat, sind die Fristen beim TÜV und Straßenverkehrsamt für die Antragsteller ausgesetzt worden. Es wird nachgedacht, dass die Fahrschüler den theoretischen Teil online ableisten können. „Wir wussten bereits am Montag, dass die Fahrschulen schließen würden und am Dienstag ist es dann passiert“, sagt Daniel Braunhardt, Mit-Inhaber und Fahrschullehrer der Fahrschule „Die 3“ in Warstein. Seitdem ist der Betrieb in allen Fahrschulen eingestellt. Das soll erst mal bis zum 19. April so bleiben. Eine Bürokraft hat Braunhardt noch, den Rest seiner Mitarbeiter musste er vorerst entlassen.

„Ich weiß nicht, ob sie nach der ganzen Sache noch bei mir arbeiten wollen“, fürchtet er. Ralf Lietz ist Unterbezirksleiter des Kreises Soest für den Fahrlehrerverband Westfalen und auch Fahrlehrer in Soest. Er sieht ebenfalls die Not bei Fahrschülern und Fahrlehrern. „Es mussten alle Prüfungen abgesagt werden. Wenn wir wieder arbeiten dürfen, müssen wir mit den Schülern noch mal fahren, bevor sie wirklich die Prüfung antreten können. Wir versuchen uns aber kostenmäßig zu arrangieren“, sagt Lietz. 

Auch das Üben am Fahrschulsimulator ist verboten. Theorie kann aber weiterhin geübt werden. Alle Schüler verfügen mittlerweile über Zugang zum Internet, entweder durch das Handy oder über den PC. Allerdings gibt es auch hier ein Problem. Finanzpolster bald aufgebraucht.

„Nur, weil unsere Schüler jetzt von Zuhause aus lernen können, dürfen wir ihnen die Pflichtstunden nicht anrechnen“, betont Lietz. Die angelegten Finanzpolster für die Fahrschulen dürften auch schnell aufgebraucht sein. „Wir können vielleicht die Kosten für einen Monat stemmen, aber die Existenzen sind jetzt schon bedroht. Sollte das Arbeitsverbot länger anhalten, können sich diejenigen, die jetzt erst eine Fahrschule eröffnet und in diese investiert haben, nicht auf dem Markt halten“, bedauert Lietz.

Auch Bernd Linke von der gleichnamigen Fahrschule in Soest ist bewusst, dass der wirtschaftliche Schaden enorm ist. „Unsere Einnahmen sind gleich null. Sollten wir wieder mit den Schülern fahren und sie unterrichten dürfen, wäre das Aufholen des wirtschaftlichen Verlustes unmöglich.“ 

Er hat rechtzeitig Maßnahmen getroffen, damit kein Fahrschüler vor verschlossenen Türen der Fahrschulen warten musste. „Schon am Sonntag habe ich alle meine Schüler angeschrieben, dass es durchaus sein kann, dass auch die Fahrschulen schließen. Sie sollten deshalb nicht kommen“, erzählt er. 

Linke sieht das Problem der Schließung aber ganz wo anders. Die Anträge sowohl für die theoretische als auch für die praktische Prüfung laufen jeweils nur ein Jahr. „Wenn der Antrag abgelaufen ist, muss ein neuer beantragt werden und man muss wieder bei null anfangen“, erklärt Linke. Es ist bisher noch nicht klar, ob die Anträge verlängert werden können. Allerdings findet Linke den Beschluss für die vorzeitige Schließung der Fahrschulen richtig. Es sei ein zu großes Risiko für Schüler und Lehrer, sagt er. Bisher haben alle Schüler die Schließung der Fahrschulen akzeptiert. „Für einige ist es etwas unglücklich gelaufen. Jetzt haben die Schüler Zeit und wollen fahren, aber sie dürfen es nicht. Mir tun meine Fahrschüler wirklich leid“, bedauert Linke.

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