Alkohol bei Jugendlichen: Kreis Soest mit traurigem Spitzenplatz

[UPDATE] KREIS SOEST - Kaum ist etwas Ruhe eingekehrt in Sachen Altstadt-Randale in Soest, schreckt eine andere Meldung auf: Jugendliche im Kreis Soest stehen zusammen mit den „Nachbarskindern“ aus Hamm landesweit an der Spitze, wenn es um Alkoholexzesse geht. Nirgendwo sonst im Land müssen betrunkene Kinder und Jugendliche so oft in Kliniken behandelt werden wie hier.

Zusammengetragen hat die Zahlen aus dem Jahr 2010 die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK). Danach tranken sich 107 Jungen im Alter von 10 bis 19 Jahren sowie 68 Mädchen derselben Altersgruppe dermaßen einen akuten Rausch an, dass sie ins nächste Krankenhaus gebracht werden mussten.

Diese Werte, so sagte DAK-Sprecher Rainer Lange gestern gegenüber dem ANZEIGER, haben über die vergangenen Jahre immer weiter zugenommen und 2010 einen neuen Höchststand erreicht. Ein Vergleich: Gegenüber dem Jahr 2003 stieg die Zahl der Klinik-Einlieferungen nach Alkoholexzessen im Kreis Soest um 154 Prozent; für Nicht-Mathematiker: Die Fallzahlen haben sich mehr als verdoppelt.

Um die Zahlen landesweit vergleichbar zu machen, haben die Statistiker die Werte auf 100 000 Einwohner hochgerechnet. Demnach mussten im Kreis Soest 489 junge Leute pro 100 000 Einwohner wegen ihrer akuten Trunkenheit ins Krankenhaus eingeliefert werden. In Hamm waren es sogar 572.

Das geringste Problem mit Alkoholmissbrauch hat der Kreis Olpe mit 202 Fällen, der Landesdurchschnitt liegt bei 324.

Untersuchungen der Universität Lüneburg an nordrhein-westfälischen Schulen ergaben, dass zwei Gründe bei Kindern und Jugendlichen im Vordergrund stehen, wenn sie zur Flasche greifen: Einerseits gelte das Trinken unter Schülern und Auszubildenden als eine Form des Lifestyles, es sei „einfach chic“ sich abzufüllen. Andererseits fällt auf, dass vor allem junge Leute mit Schulversagens-ängsten betroffen sind.

Warum der Kreis Soest bei den Alkoholexzessen einen Spitzenplatz einnimmt, vermochte Lange nicht zu beantworten. „Ein Runder Tisch wäre gut, den Ursachen auf den Grund zu gehen“, empfiehlt der Krankenkassenvertreter.

Schulen, Politik, Verwaltung und Suchtberater seien gefordert, gemeinsam die Lage zu analysieren und nach Auswegen und Hilfen zu suchen. - hs

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