Caritas übt scharfe Kritik

Corona im Kreis Soest: Bundeswehr zieht Soldaten aus Pflegeheimen ab

Bundeswehrsoldaten Corona Kreis Soest
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Die Bundeswehrsoldaten bei ihrer Ankunft im Kreis Soest am 26. Januar.

Die Bundeswehr zieht 20 Soldaten aus dem Kreis Soest ab. Diese hatten seit Ende Januar in 14 Pflegeheimen Schnelltests durchgeführt. Damit ist jetzt Schluss. Der Caritasverband reagiert extrem verärgert.

Kreis Soest - Am 26. Januar wurden die 20 Bundewehrsoldaten im Kreis Soest begrüßt. 14 der 48 Pflegeheime im Kreis hatten Bedarf nach Unterstützung bei der Durchführung von Corona-Schnelltests bei Besuchern angemeldet. So sollte das Pflegepersonal entlastet werden, damit die Pflegekräfte besser ihrer eigentlichen Arbeit, der Betreuung der Bewohner nachkommen könnten.

Der Einsatz war zunächst auf zwei Wochen begrenzt und dann bis zum 26. Februar verlängert worden. Dann ist Schluss. Schuld daran - da ist sich die Caritas im Kreis Soest sicher - ist der Kreis Soest. „Wir sind maßlos enttäuscht“, wird Bettina Wiebers, Vorstand der Caritas, dazu in einer Mitteilung der Caritas zitiert.

Coronavirus im Kreis Soest: Caritas hat kein Verständnis

„Grund für den angekündigten Abzug der Soldaten ist das Ausbleiben eines entsprechenden neuen Amtshilfeersuchens“, erklärt Marcus Bottin, Sprecher der Caritas im Kreis Soest. Das hätte vom Kreis Soest gestellt werden müssen. Der Caritasverband hätte frühzeitig darauf hingewiesen, dass eine Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes im Seniorenheim über die zunächst bewilligten vier Wochen hinaus sehr wünschenswert sei. „Dass die Soldaten nun Ende der Woche ersatzlos abgezogen werden sollen, das versteht hier keiner“, wird Wiebers in der Mitteilung weiter zitiert.

In einem Heim der Caritas in Lippstadt waren neben Besuchern auch Mitarbeiter und Bewohner von den Soldaten regelmäßig auf das Coronavirus getestet worden. Der jetzige Abzug der Soldaten kommt nach Meinung der Caritas jetzt zur Unzeit, da seit Anfang dieser Woche das Personal laut Verordnung nicht mehr alle drei sondern alle zwei Arbeitstage getestet werden soll.

Coronavirus im Kreis Soest: erhöhte Testfrequenz

Wiebers: „Dass ausgerechnet nun, wo die Testfrequenz erhöht wird, die Soldaten abgezogen werden sollen, ist absolut nicht nachzuvollziehen – ganz besonders vor dem Hintergrund, dass in anderen Einsatzbereichen im Kreis Soest die Bundeswehrsoldaten weiterhin eingesetzt und vor Ort sind.“

Beim Kreis Soest kann man die harsche Kritik des Wohlfahrtsverbandes nicht nachvollziehen. Kreis-Sprecher Wilhelm Müschenborn betont auf Anfrage unserer Redaktion, die Bundeswehr habe dem Kreis gegenüber nochmals deutlich gemacht, „dass der Einsatz in diesem Bereich nur zeitlich begrenzt erfolgen wird und dass hier die Sicherstellung der Unterstützung vorrangig durch zivile freiwillige Personen zu erfolgen hat“, erklärt Müschenborn.

Coronavirus im Kreis Soest: Freiwillige nicht geeignet

Aufgrund einer Kampagne der Bundesregierung habe die Bundesagentur für Arbeit außerdem eine ausreichende Anzahl von Bewerberprofilen an den Kreis Soest übergeben, um den aktuellen, mit einer Abfrage unter den Einrichtungen ermittelten Bedarf von 19 Stellen abzudecken. Aus diesem Grund sei zunächst kein weiterer Verlängerungsantrag gestellt worden, sagt Müschenborn.

Das stößt bei der Caritas auf wenig Akzeptanz: Caritas-Sprecher Bottin: „Der Hinweis des Kreises Soest, anstelle der Soldaten doch Freiwillige aus dem Freiwilligenregister des Landes NRW zu rekrutieren, erweist sich leider als wenig praktikabel. Für die Durchführung von Corona-Schnelltests ist eine Mindesteignung unerlässlich. Was bei den Bundeswehrsoldaten Standard war, trifft bei vielen der Freiwilligen aus dem NRW-Register jedoch nicht zu.“

Coronavirus im Kreis Soest: Freiwillige sollen Schnelltests machen

Einen einzigen möglichen Kandidaten für die Durchführung von Schnelltests im Lippstädter Seniorenheim habe der heimische Caritas-Verband bisher im Freiwilligenregister finden können. Vom Kreis Soest heißt es dazu: „die weitere Entwicklung soll abgewartet werden.“ 

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