Manche Fragen bleiben offen

Fußgänger auf der Autobahn: Ermittler lösen Rätsel nach tödlichem Unfall auf A44

Der BMW erfasste den Fußgänger auf dem linken Autobahn-Fahrstreifen frontal.
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Der BMW erfasste den Fußgänger auf dem linken Autobahn-Fahrstreifen frontal.

Das Rätsel um den tödlichen Unfall auf der A44, bei dem ein Fußgänger von einem Auto erfasst worden war, ist gelöst. Doch einige Fragezeichen bleiben.

Anröchte - Am 6. März wurde die Heimfahrt für ein Paderborner Ehepaar zum Albtraum: Mit ihrem BMW-SUV waren sie auf der linken Spur der A44 bei Anröchte in Richtung Kassel unterwegs. Plötzlich kollidierte ihr Auto mit einem Hindernis, die Windschutzscheibe zersplitterte, die Fahrerseite des BMW wurde stark beschädigt.

Rund 200 Meter weiter stoppte der Fahrer, ein 66-Jähriger aus Paderborn, den Wagen und hielt auf dem Seitenstreifen. „Dort stellte er Blut-Anhaftungen an der Fahrerseite fest“, berichtete ein Polizeibeamter am Unfallort. Auch ein Polizist, der durch Zufall auf Streife hinter dem Ehepaar unterwegs gewesen war, hatte nicht erkennen können, womit der BMW vor ihm kollidiert war. Er registrierte lediglich aufgewirbelten Staub und umherfliegende Trümmerteile, die auch seinen Streifenwagen trafen.

Trümmer verteilten sich über mehrere hundert Meter auf der Autobahn.

Sofort suchten die Beteiligten die Autobahn ab und machten eine schreckliche Entdeckung: „Bei den Suchmaßnahmen wurde ein Leichnam unterhalb der Leitplanke festgestellt“, berichtete der Polizei-Einsatzleiter. Bei dem Toten handelte es sich um einen 28-jährigen Polen. Er war als Fußgänger auf der linken Spur der Autobahn A44 unterwegs gewesen.

Fußgänger auf Autobahn A44 getötet: Autofahrer trifft keine Schuld

Die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft hatten nach diesem mysteriösen Unfall gleich mehrere Fragen zu klären. Unter anderem, wieso der Pole zu Fuß über die Autobahn gelaufen war und ob der Autofahrer den Unfall hätte verhindern können. Die Frage nach einer möglichen Schuld des Autofahrers beantwortete der Paderborner Oberstaatsanwalt Ralf Meyer mit einem klaren Nein. „Ein Unfallrekonstruktionsgutachten kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Unfall um ein unabwendbares Ereignis handelte. Der Zusammenstoß war unvermeidbar.“

Fußgänger auf A44 getötet: Darum war der Mann zu Fuß auf der Autobahn unterwegs

Auch auf die Frage, warum der 28-Jährige alleine und zu Fuß auf der Autobahn unterwegs war, hat Meyer mittlerweile eine Antwort. Demnach war er zusammen mit drei weiteren Polen zuvor in den Niederlanden gewesen. Die vier Personen befanden sich an jenem Samstagabend auf der Rückreise nach Polen. Bei der Fahrt sei es dann zu einem Streit gekommen, in dessen Folge der 28-Jährige auf einem Autobahn-Parkplatz das Fahrzeug verlassen habe. Die Hintergründe des Streits sind unklar. Und auch, ob der 28-Jährige von sich aus den Wagen verlassen hatte oder ob er von den anderen Mitfahrern „rausgeschmissen“ wurde, bleibt unklar.

Fußgänger auf Autobahn A44 getötet: Straftatbestand der „Aussetzung“ stand im Raum

Gegen die Mitfahrer richteten sich die Ermittlungen: Haben sie sich der Aussetzung schuldig gemacht? Dieser Straftatbestand liegt vor, wenn man einen Menschen in eine hilflose Lage versetzt oder ihn pflichtwidrig in einer solchen Lage im Stich lässt und ihn hierdurch in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung bringt, heißt es im Strafgesetzbuch.

Doch auch diese Frage konnte der Oberstaatsanwalt verneinen: „Er war noch handlungsfähig und orientiert. Nachdem er das Auto verlassen hatte, telefonierte er noch mit seiner Schwester“, so Meyer. Zwar hatte der Mann Alkohol getrunken, „aber er war nicht so betrunken, dass er volltrunken war“. Durch Vernehmungen mit der Schwester und weiteren Zeugen, die ihn auf dem Parkplatz gesehen hatten, kamen die Ermittler zu dem Schluss, dass der 28-Jährige nicht in eine hilflose Lage ausgesetzt worden war. „Er hätte sich beispielsweise ein Taxi zum nächsten Bahnhof rufen können“, so Meyer.

Warum er sich dann für den folgenschweren Fehler entschied, die Autobahn zu Fuß zu betreten, konnte nicht herausgefunden werden. „Letztlich war es ein tragisches Geschehen“, ordnet der Oberstaatsanwalt ein. Das Ermittlungsverfahren ist beendet.

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